Mohrenfalter

Mohrenfalter
Eine von drei Erebia-Tafeln aus Die Großschmetterlinge der Erde, 1915 herausgegeben von Adalbert Seitz.

Eine von drei Erebia-Tafeln aus Die Großschmetterlinge der Erde, 1915 herausgegeben von Adalbert Seitz.

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
Familie: Edelfalter (Nymphalidae)
Unterfamilie: Satyrinae
Gattung: Mohrenfalter
Wissenschaftlicher Name
Erebia
Dalman, 1816

Die Mohrenfalter (Erebia) bilden eine große Gattung aus der Familie der Edelfalter, die in der gesamten Holarktis verbreitet ist. Sie umfasst derzeit je nach Autor um 80 Arten[1] bzw. 90 bis 100 Arten.[2]

Merkmale

Falter

Die Falter sind meist klein bis mittelgroß. Die meisten Arten haben in der Grundfarbe hellgraubraun, dunkelbraun bis schwarz gefärbte Vorder- und Hinterflügel, mit roten, rotbraunen, orangen, gelben oder auch weißen Binden sowie Augenflecken in unterschiedliche Größe, Position und Anzahl, die zudem noch schwarz oder auch weiß gepunktet sein können. Die insgesamt recht dunklen Grundfarben der Erebia-Arten werden als Anpassung an kalte und auch eher feuchte Klimata gedeutet.

Die Augen sind nackt und relativ groß, die Palpen sind dreiteilig und behaart. Die Fühler sind aus etwa 30 Gliedern aufgebaut, der Fühlerkolben deutlich abgesetzt und eiförmig. Die Vorderbeine sind rückgebildet und können nicht mehr zum Säubern der Augen eingesetzt werden. Dagegen ist das mittlere und hintere Beinpaar kräftig gebaut. Im Thoraxbereich ist der Prothorax sehr klein, der Mesothorax sehr groß und der Metathorax mittelgroß. Androkonien (Duftschuppen der Männchen) sind nur bei einigen Arten ausgebildet.

Ei, Raupe und Puppe

Das Ei ist meist typisch oval, d.h. mit etwas breiterer, unterschiedlich stark abgeflachter Unterseite und schmalerer, unterschiedlich stark abgeflachter Oberseite und verhältnismäßig groß. Die Oberfläche ist meist mit mehr oder weniger kräftigen Längsrippen versehen; die Eier können aber auch bei einigen wenigen Arten glatt sein. Sie sind zunächst meist hell (gelblich, weißlich, grünlich), werden später meist dunkler und bekommen oft ein charakteristisches Punktmuster.

Die Raupen werden erwachsen zwischen zwei und drei Zentimeter lang.[3] Die Behaarung ist mit wenigen Ausnahmen relativ spärlich. Der Kopf der Eiraupe ist im Verhältnis zum übrigen Körper recht groß, in den späteren Stadien relativ klein. Sie sind meist grün oder braun gefärbt. Die Streifung ist artlich, aber auch innerartlich von Raupenstadium zu Raupenstadium recht unterschiedlich.

Die meist gedrungene Puppe weist einige Anlagen auf der Puppenhülle auf, die aber nicht beim Falter verwirklicht sind. Die Augen sind z.B. auf der Puppenhülle nicht vorgezeichnet. Die Spitze der Fühlerscheide ist trotz Anlage von Segmenten auf der Puppenhülle leer. Es kommen Stürz- und Erdpuppen vor. Der Kremaster ist meist stumpf-kegelförmig mit wenigen Dornen oder auch ohne Dornen.

Geographisches Vorkommen und Lebensraum

Die Gattung hat sich an trockene, feuchte und kalte Lebensräume angepasst. So sind die meisten Arten in Hochländern, Mittelgebirgen und Gebirgen oder in höheren Breitengraden anzutreffen. Viele Mohrenfalter findet man in den Alpen, den Rocky Mountains, in Zentralasien, in subarktischen oder sogar arktischen Regionen in der gesamten Holarktis.[1]

Lebensweise

Die Arten der Gattung Erebia haben einen ein- oder auch zweijährigen Zyklus. Im letzteren Fall überwintert zunächst die Eiraupe im Ei, und dann die fast erwachsene Raupe (meist vorletztes Stadium). Das Wachstum der Raupen ist sehr langsam. Die Falter sind tagaktiv, und sie besuchen nektarreiche Blüten. Die Eier werden stets einzeln an die jeweiligen Nahrungspflanzen oder auch an Steine abgelegt. Die Raupen häuten sich drei- oder viermal, d.h. dass vier oder fünf Stadien gebildet werden. Sie ernähren sich meist polyphag von verschiedenen Arten von Binsengewächsen (Juncaceae), Sauergrasgewächsen (Cyperaceae) und Süßgräsern (Poaceae). Sie kommen abends aus ihren Verstecken , manche sind aber auch tagsüber aktiv. Die Verpuppung erfolgt am Boden oder in der Nähe des Bodens zwischen Pflanzenteilen.

Taxonomie und Systematik

Die Gattung Erebia wurde von Johan Wilhelm Dalman 1816 aufgestellt. Als Typusart wählte er den Weißbindigen Mohrenfalter, beschrieben von Linné 1758 als Papilio ligea. In diese sehr großen Gattung Papilio wurde bis dahin der große Teil der Edelfalter gestellt.[4] Nur drei Jahre später trennte Jacob Hübner die neue Gattung in fünf weitere Gattungen auf.[5] Durch die Beschreibung zahlreicher neuer Arten speziell in den Alpen im 19. und frühen 20. Jahrhundert gab es sehr viele Synonyme und Doppelbeschreibungen, ausgelöst unter anderem durch die hohe Variabilität vieler Mohrenfalter bedingt durch Höhenlage, Jahreszeit, Temperaturschwankungen etc. Durch molekularbiologische Studien wurde festgestellt, dass viele bisher als Unterarten geführte Varietäten tatsächlich unterschiedlich genug sind und so ihren Status als selbständige Arten bestätigen. Auch die Theorie, dass viele Arten Eiszeitrelikte sind, konnten durch neueste Studien bestätigt werden. Inzwischen wird die Zahl der weltweit beschriebenen Arten mit etwa 80[1] bzw. mit 90 bis 100[2] angegeben.

Arten (Auswahl)

  • Graubindiger Mohrenfalter (Erebia aethiops (Esper, 1777))
  • Gelbäugiger Mohrenfalter (Erebia alberganus (Prunner, 1798))
  • Erebia cassioides (Reiner & Hochenwarth, 1792)
  • Rätzers Mohrenfalter (Erebia christi Rätzer, 1890)
  • Weißpunktierter Mohrenfalter (Erebia claudina (Borkhausen, 1789)
  • Knochs Mohrenfalter (Erebia epiphron (Knoch, 1783))
  • Ähnlicher Mohrenfalter (Erebia eriphyle (Freyer, 1836))
  • Weißbindiger Bergwald-Mohrenfalter (Erebia euryale (Esper, 1805))
  • Erebia flavofasciata Heyne, 1895
  • Seidenglanz-Mohrenfalter (Erebia gorge (Hübner, 1804))
  • Weißbindiger Mohrenfalter (Erebia ligea (Linnaeus, 1758))
  • Gelbgefleckter Mohrenfalter (Erebia manto (Denis & Schiffermüller, 1775)
  • Rundaugen-Mohrenfalter (Erebia medusa (Denis & Schiffermüller, 1775))
  • Kleiner Mohrenfalter (Erebia melampus (Fuessly, 1775))
  • Gelbbindiger Mohrenfalter (Erebia meolans (Prunner, 1798))
  • Blindpunkt-Mohrenfalter (Erebia mnestra (Hübner, 1804)
  • Erebia montana (Prunner, 1798)
  • Erebia nivalis Lorkovic & Lesse, 1954
  • Doppelaugenmohrenfalter (Erebia oeme (Hübner, 1804))
  • Graubrauner Mohrenfalter (Erebia pandrose (Borkhausen, 1788))
  • Unpunktierter Mohrenfalter (Erebia pharte (Hübner, 1804))
  • Eismohrenfalter (Erebia pluto (Prunner, 1798))
  • Erebia pronoe (Esper, 1780)
  • Erebia stirius (Godart, 1824)
  • Freyers Alpen-Mohrenfalter (Erebia styx (Freyer, 1834))
  • Sudeten-Mohrenfalter (Erebia sudetica Staudinger, 1861)
  • Alpen-Mohrenfalter (Erebia triaria (Prunner, 1798))
  • Schillernder Mohrenfalter (Erebia tyndarus (Esper, 1781))

Quellen

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Sonderegger (2005: S.55)
  2. 2,0 2,1 J. Albre, C. Gers, L. Legal: Molecular phylogeny of the Erebia tyndarus (Lepidoptera, Rhopalocera, Nymphalidae, Satyrinae) species group combining CoxII and ND5 mitochondrial genes: A case study of a recent radiation. Molecular Phylogenetics and Evolution 47(1): 196–210, 2008, doi:10.1016/j.ympev.2008.01.009 (HTML Abstract)
  3.  David J. Carter, Brian Hargreaves: Raupen und Schmetterlinge Europas und ihre Futterpflanzen. 1. Auflage. Paul Parey, Hamburg und Berlin 1987, ISBN 3-490-13918-6.
  4. Nymphalidae: Satyrinae Palaearctic Butterfly Checklist, created 18. Mar 2007. V. Lukhtanov, abgerufen am 10. Januar 2010.
  5. Hübner, Jacob (1819): Mehrere neue Gattungen für Erebia. In: Verzeichnis bekannter Schmettlinge.[sic!] (Band 4): 62-64.

Literatur

  • Walter Forster und Theodor. A. Wohlfahrt: Schmetterlinge Mitteleuropas. Band II. Tagfalter Diurna (Rhopalocera und Hesperiidae). Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart, 1955
  • Eliasson, C.U., Ryrholm, N., Holmer, M. Jilg, K. & Gärdenfors, U. 2005. Nationalnyckeln till Sveriges flora och fauna. Fjärilar: Dagfjärilar. Hesperiidae – Nymphalidae. ArtDatabanken, SLU, Uppsala. ISBN 91-88506-51-7
  • Peter Sonderegger: Die Erebien der Schweiz (Lepidoptera: Satyrinae, Genus Erebia). 712 S., Biel/Bienne 2005

Weblinks

 Commons: Erebia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die letzten News

25.01.2021
Genetik | Evolution | Biochemie
Kälteschutz für Zellmembranen
Ein Team um die Pflanzenbiologen Prof.
25.01.2021
Anthropologie | Neurobiologie
Straßenbäume als Mittel gegen Depressionen
Straßenbäume im direkten Lebensumfeld könnten das Risiko für Depressionen in der Stadtbevölkerung reduzieren.
25.01.2021
Botanik | Ökologie
Herbst und Frühjahr sind eng verbunden
Dass Pflanzen infolge des Klimawandels immer früher beginnen zu blühen, darüber haben unter anderem Jenaer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bereits vor einiger Zeit berichtet.
25.01.2021
Mikrobiologie | Klimawandel
Eisalgen verstärken Grönlands Eisschmelze
Der grönländische Eisschild schmilzt seit 25 Jahren dramatisch. Eine bislang wenig beachtete Triebkraft hierfür sind Eisalgen. Sie verdunkeln die Oberfläche und reduzieren so die Reflexion des Sonnenlichts. Das Eis schmilzt schneller.
25.01.2021
Anatomie | Evolution
Der Giraffenhals: Neues über eine Ikone der Evolution
Die Analyse digitalisierter Sammlungsobjekte konnte eine alte Hypothese bestätigen: Die Giraffe ging einen Sonderweg in der Evolution.
25.01.2021
Zoologie | Taxonomie
Neue Schneckenarten mit prominenten Namenspatronen
Forscher*innen haben vier neue Arten von kleinen Süßwasserschnecken in Neuseeland entdeckt. Drei der neuen Arten wurden von Dr. Gerlien Verhaegen und Dr. Martin Haase vom Zoologischen Institut und Museum nach Persönlichkeiten des gesellschaftlichen Lebens benannt.
25.01.2021
Mikrobiologie | Physiologie | Bionik und Biotechnologie
Mikroschwimmer lernen effizientes Schwimmen von Luftblasen
Forscher zeigen, dass das Geheimnis des optimalen Mikroschwimmens in der Natur liegt. Ein effizienter Mikroschwimmer kann seine Schwimmtechniken von einem unerwarteten Mentor erlernen: einer Luftblase.
22.01.2021
Ethologie | Primatologie
Befreundete Schimpansen kämpfen gemeinsam gegen Rivalen
Menschen kooperieren in großen Gruppen miteinander, um Territorien zu verteidigen oder Krieg zu führen.
22.01.2021
Ökologie | Neobiota
Invasion: Bedrohung durch den Afrikanischen Krallenfrosch wesentlich größer als gedacht
Ein internationales Forscherteam nutze einen neuen Ansatz zur Abschätzung des invasiven Potenzials einer Art.
22.01.2021
Neurobiologie
Grösse von Nervenverbindungen bestimmt Stärke des Signals
Nervenzellen kommunizieren miteinander via Synapsen.
22.01.2021
Mykologie | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Getreidelagerung: Naturstoffe wirksamer als chemische Insektizide
Senckenberg-Wissenschaftler Thomas Schmitt hat die Wirksamkeit von Kieselerde und einem parasitischen Pilz als Schutz vor Schadinsekten an Getreide im Vergleich zu einem chemischen Insektizid untersucht.
22.01.2021
Biotechnologie | Insektenkunde
Bioinspirierte Robotik: Von Libellen lernen
Forschungsteam der Uni Kiel entschlüsselt Fangapparat der aquatischen Jäger.
20.01.2021
Genetik | Evolution
Was das Genom des Lungenfischs über die Landeroberung der Wirbeltiere verrät
Das vollständig sequenzierte Genom des Australischen Lungenfisches ist das größte sequenzierte Tiergenom und hilft, den Landgang der Wirbeltiere besser zu verstehen.
20.01.2021
Zoologie | Ethologie
Weniger gestresst: Hochrangige Hyänenmännchen haben bei Weibchen beste Chancen
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) haben herausgefunden, dass die Interaktion mit anderen Männchen für rangniedrige Tüpfelhyänenmännchen "stressiger" ist als für hochrangige.
18.01.2021
Zytologie | Entwicklungsbiologie
Die ersten Löwen-Embryonen aus eingefrorenen Eizellen
E
18.01.2021
Mikrobiologie | Biochemie | Biotechnologie
Mikroorganismus baut Phenol unter extremen Bedingungen ab
Forschende vom Leibniz-Institut DSMZ in Braunschweig haben den Abbau von Phenol durch Saccharolobus solfataricus charakterisiert.
18.01.2021
Physiologie | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Methanausstoß von Milchkühen messen
Wissenschaftler des Instituts für Nutztierbiologie Dummerstorf haben ein neues Verfahren zur Vorhersage des Methanausstoßes einer Milchkuh entwickelt.
18.01.2021
Zoologie | Genetik | Ethologie
Berliner Igel bilden keine genetisch isolierten Bestände
Igel leben sowohl auf dem Lande als auch in größeren Städten.
16.01.2021
Botanik | Taxonomie
Die einzigartige Flora Neukaledoniens
Sieben neue Arten der Hundsgiftgewächse (Apocynaceae) haben Forscher*innen der Universität Bayreuth in Neukaledonien entdeckt. Auf den Spuren des britischen Entdeckers James Cook untersuchten sie im Frühjahr 2019 die Flora auf der Inselgruppe im Südwestpazifik.
16.01.2021
Taxonomie | Fischkunde
Neue Fischgattung aus Indien: Der Kiemenschlitzaal
Senckenberg-Wissenschaftler Ralf Britz hat gemeinsam mit internationalen Kolleg*innen eine neue Fischgattung beschrieben.
16.01.2021
Anthropologie
Wo man lebt, prägt das Verhalten
Je nachdem, wo auf der Welt sie leben, organisieren Menschen aus Jäger- und Sammlergesellschaften sich ihr Leben zum Beispiel bei der Nahrungssuche, Fortpflanzung, Betreuung des Nachwuchses und sogar hinsichtlich ihres sozialen Umfelds ähnlich wie Säugetier- und Vogelarten, mit denen sie ihren Lebensraum teilen.
16.01.2021
Ökologie | Biochemie
Wie Pflanzen Abwehrgifte bilden ohne sich selbst zu schaden
In einer neuen Studie klären Forschende des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie und der Universität Münster die Biosynthese und genaue Wirkungsweise von Diterpen-Glykosiden in wilden Tabakpflanzen auf.
13.01.2021
Zoologie | Ethologie | Meeresbiologie
Kegelrobben fressen Seehunde, Schweinswale – und ihre Artgenossen
Kegelrobben (Halichoerus grypus) sind Deutschlands größte freilebende Raubtiere. Viele Feriengäste kennen das Bild, wenn sie auf Helgoland am Strand oder in anderen Nordseeregionen auf Sandbänken liegen – friedlich nebeneinander oder neben Seehunden.
12.01.2021
Botanik | Ökologie | Insektenkunde
Schmetterling beweist: Karpaten waren in der Eiszeit teilweise bewaldet
Senckenberg-Wissenschaftler haben die Rückzugsorte des Tagfalters Erebia aethiops während der letzten Eiszeit in Europa untersucht.
12.01.2021
Mikrobiologie | Biochemie
Bakterium produziert pharmazeutische Allzweckwaffe
Ein Wirkstoff aus den Blättern einer Zierpflanze gilt seit einigen Jahren als möglicher Vorreiter einer neuen Gruppe potenter Medikamente.