...über die Katze

Unter den Fleischfressern gibt es eine Familie, und nur eine, deren Mitglieder allesamt spezialisierte Killer sind: die Katzen. Für sie ist Omnivorie keine Option.

Unter den Fleischfressern gibt es eine Familie, und nur eine, deren Mitglieder allesamt spezialisierte Killer sind: die Katzen. Für sie ist Omnivorie keine Option.

Von der größten Katze, einem männlichen, 360 kg schweren Sibirischen Tiger bis zur kleinsten Katze, einer etwa 1 kg schweren Schwarzfußkatze (Felis nigipes), haben alle die lange Schnauze ihrer Vorfahren gegen einen hohen, gewölbten Schädel und eine kurze Schnauze eingetauscht. Die sorgt die für die Verankerung jener Muskeln, die einer Katze die notwendige Kraft für den tödlichen Biss verleihen. Die scherenartigen Reisszähne haben zwar in der Evolution aller Fleischfresser eine entscheidende Rolle gespielt, aber nur die Katzen haben es zu solch scharfen, feinen Klingen gebracht.


Katze mit Maus
Schon die Kleinsten sind auf der Jagd

Katzen verlassen sich bei der Jagd auf Tarnung und Hinterhalt. Die ersten bekannten Katzen, die dieses Verhalten praktizierten, entwickelten sich aus Vorfahren, die wahrscheinlich aussahen wie heutige Ginsterkatzen (Genetta). Diese Jäger der Baumwipfel sind keine echten Katzen, sondern Angehörige eines anderen Zweigs der Katzenfamilie, der Schleichkatzen (Viverridae).

Als die allesfressenden (omnivoren) Vorfahren der Katzen auf den Boden herabstiegen, legten sich einige in Waldlichtungen auf die Lauer. Zweifellos waren diese frühen Katzen - wie eine andere moderne Schleichkatze, die Fossa - sowohl auf dem Boden als auch in den Ästen zu Hause. Die madagassische Fossa zeigt, wie der grundlegende Bauplan eines Fleischfressers vor 40 Millionen Jahren, der in den Ginsterkatzen (Genetta) weiterlebt, in den Bauplan einer Katze umgewandelt werden konnte. Wie bei einer Katze kommen bei der Fossa dolchartige Eckzähne und einziehbare Krallen bei der Jagd auf Vögel und Lemuren zum Einsatz.

Abstammung

Fossile Überreste früher Katzen sind schwer zu deuten, aber neuere DNA Studien zeigen, dass die 37 Arten der modernen Katzen ihre Wurzeln in Südostasien vor etwa 11 Millionen Jahren haben. Acht Hauptabstammungen tauchten seitdem auf, wobei die Hauskatze am nächsten mit der afrikanischen und europäischen Wildkatze sowie der chinesischen Graukatze verwandt ist. Dies zeigen Untersuchungen mitochondrischer (mütterlicher) DNA und chromosomaler DNA.

Von den anderen Abstammungslinien tauchte zuerst die Gattung Panthera auf (Löwe, Jaguar, Leopard und Tiger). Dann kam zunächst eine Gruppe von drei asiatischen Arten (Borneo-Goldkatze, asiatische Goldkatze und Marmorkatze). Schließlich tauchten die drei afrikanischen Arten (Karakal, afrikanische Goldkatze und Serval) auf, gefolgt vom Ozelot der neuen Welt. Die restlichen 4 Linien breiteten sich erst vor kurzem aus: die Luchse, Pumas, Bengalkatzen und Hauskatzen. Der gemeinsame Vorfahr der modernen Katzen wanderte vor 6-8 Millionen Jahren von Asien nach Afrika ein (Karakal-Gruppe). Vor ungefähr 8 Millionen Jahren überquerten die Katzen die Bering Landbrücke und kamen so in Nordamerika an, einige gelangten über die panamesische Landbrücke bis nach Südamerika.


Verwandtschaftsverhältnisse der Katzen nach O’Brien & Johnson 2008.
  Katzen  

  Kleinkatzen  







 Manul (Otocolobus manul)


   

 Altkatzen (Prionailurus)



   

 Echte Katzen (Felis)



   

 Gepard (Acinonyx)


   

 Pumas (Puma)




   

 Luchse (Lynx)



   

 Pardelkatzen (Leopardus)



   

 Karakal (Caracal)


   

 Serval (Leptailurus)




   

 Pardofelis



  Großkatzen  

 Neofelis


   

 Panthera




   

 Säbelzahnkatzen (Machairodontinae)



Vorlage:Klade/Wartung/Style
Kladogramm aus Wikipedia / Katzen

Von den verschiedenen Abstammungslinien wäre diesen Studien zufolge die afrikanische Wildkatzenlinie diejenige, die zu unserer vertrauten Hauskatze führte. Und sie könnte mehr als nur einmal domestiziert worden sein.

Unterschiede zwischen Wildkatze und Hauskatze

Ebenso wie sich die Fellfärbung der beiden Unterarten unterscheidet, so haben sie auch unterschiedliche Temperamente. Die nördliche Unterart (F. s. silvestris) ist im Allgemeinen widerspenstiger, selbst wenn man sie von Hand aufzieht. Die südliche Unterart (F. s. lybica) ist im Allgemeinen menschlicher Anwesenheit zugänglicher. Dies war offensichtlich ein ausschlaggebender Faktor, der zu der frühen Domestizierung dieser Katze führte.

Afrikanische Wildkatzen jagen eine Vielzahl von Beutetieren und fressen selten Aas. Anders als verwilderte Hauskatzen, die manchmal Kolonien bilden, sind afrikanische Wildkatzen Einzelgänger. Kolonien verwilderte Hauskatzen findet man häufig in der Nähe von Müllkippen und anderen Abfallanhäufungen, wo es ein reiches Nahrungsangebot gibt. Jedoch ziehen auch sie es vor, einzelgängerisch zu leben, wenn das Nahrungsangebot dünner verteilt ist (Liberg und Sandell 1988). In Saudi-Arabien konnte man beobachten, dass Wildkatzen in der Nähe einer Müllkippe weiterhin Einzelgänger blieben, während wilde Hauskatzen Kolonien drum herum bildeten. Afrikanische Wildkatzen besitzen als Einzelgänger bis zu einem gewissen Grad die Fähigkeit zu kooperativem Verhalten. So wurden in Gefangenschaft weibliche Wildkatzen beobachtet, wie sie Artgenossinnen, die Nachwuchs hatten, bei der Nahrungsbeschaffung unterstützten (Smithers 1983), ein Verhalten, das ebenfalls in Kolonien verwilderter Hauskatzen beobachtet wird.

Eine frühe Domestizierung der Wildkatze, so glaubt man, könnte schon in Zeiten erfolgt sein, als der Mensch vom Jäger- und Sammlertum zu einer seßhaften Lebensweise überging. Durch den Anbau von Nutzpflanzen oder Getreide versammelten sich immer mehr Nagetiere in der Nähe und so überrascht es nicht, dass bald auch Wildkatzen zur Nachbarschaft des Menschen zählten. Jene Wildkatzen, die kein Problem mit dem Vorhandensein anderer Katzen hatten, konnten das erhöhte Nahrungsangebot in Form von Nagetieren besser ausnutzen und gaben dieses geselligere Verhalten an ihre Nachkommenschaft weiter. Zusätzlich lernten die frühen, domestizierten Katzen sehr schnell, menschliche Fleisch- und sonstige Abfälle zu nutzen.


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