Binsengewächse

Binsengewächse
Flatter-Binse (Juncus effusus)

Flatter-Binse (Juncus effusus)

Systematik
Unterabteilung: Samenpflanzen (Spermatophytina)
Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
Monokotyledonen
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Binsengewächse
Wissenschaftlicher Name
Juncaceae
Juss.
Illustration von Luzula maxima.

Bei der Pflanzenfamilie der Binsengewächse (in Deutschland und teilweise der Schweiz und Liechtenstein übliche Bezeichnung) bzw. Simsengewächse (in Österreich übliche Bezeichnung)[1] (Juncaceae) verteilt sich die überwiegende Anzahl der über 400 Arten auf die beiden weltweit verbreiteten (kosmopolitischen) Gattungen der Binsen bzw. Simsen (Juncus) und der Hainsimsen (Luzula).

Verbreitung

Die Binsengewächse der Gattungen Juncus und Luzula sind weltweit in den gemäßigten und arktischen Regionen beider Hemisphären verbreitet. In den Tropen ist ihr Vorkommen auf die höheren Lagen der Gebirge beschränkt. Die übrigen Gattungen kommen ausschließlich in Südamerika, Marsippospermum und Rostkovia auch in Neuseeland vor.

Beschreibung

Unter den Binsengewächsen sind sommergrüne, aber auch viele wintergrüne Formen vertreten. Vorherrschend handelt es sich um ausdauernde krautige Pflanzen, wenige Arten sind einjährig. Die Gattungen der Familie sind im äußeren Erscheinungsbild sehr verschieden. Ihre vegetative Vermehrung erfolgt in der Mehrzahl über Ausläufer (Rhizome). Wenige Arten sind horstwüchsig. Die Arten der Gattung Distichia bilden kompakte Polster.

Die Laubblätter sind überwiegend grundständig und fast immer dreizeilig, selten zweizeilig (Gattung Distichia) angeordnet. Während die Binsen über meist im Querschnitt runde, oft starr aufrechte, stängelähnliche und kahle Laubblätter verfügen, besitzen die Hainsimsen meist grasartige und oft behaarte Blattspreiten. Die Blattspreiten sind bei den meisten Arten (z.B. Juncus) kahl, im Querschnitt rund oder abgeflacht rund. Die stängelähnlichen Blätter können kompakt mit einem weißen Mark angefüllt und etagenweise durch quer verlaufende Markschichten gegliedert sein. Die Sprossbasis ist oft von spreitenlosen Blattscheiden umhüllt. Diese sind bei den Binsen offen und oben im Übergang zur Spreite häufig geöhrt. Die Blattscheiden der Hainsimsen sind dagegen immer geschlossen. Die Blattspreiten sind flach, grasartig oder höchstens rinnig. Sie sind zumindest im Bereich der Scheidenmündung behaart.

Die Binsengewächse sind in der Regel einhäusig getrenntgeschlechtig (monözisch). Der Blütenstand der Binsengewächse ist eine abgewandelte Form der Rispe, namentlich eine Spirre. Die randlichen beziehungsweise unteren Blüten sind am längsten gestielt, die zentralen oder oberen stehen dagegen gestauchter. Auf diese Weise entsteht ein fast trichterförmiges Gebilde. Mehrere Blüten können zusätzlich knäuelig zusammengefasst sein.

Blütendiagramm von Juncus

Die kleinen Blüten sind im Grundaufbau ähnlich jenen der Liliengewächse (Liliaceae). Die Blütenorgane - sechs Blütenhüllblätter (Tepalen), sechs Staubblätter (Stamen) und drei Fruchtblätter (Karpellen) - sind regelmäßig und meist vollständig ausgebildet. Die Blütenhüllblätter (Perianth) sind zu spelzenartigen Schuppen umgewandelt. Sie sind grün bis braun, purpurn oder schwarz gefärbt, zuweilen auch transparent. Die Zahl der Staubblätter ist selten auf drei reduziert. Die Pollenkörner sind immer in Viererpaketen aggregiert. Die Fruchtknoten sind immer oberständig und enden in drei relativ lange, papillöse, oft eingedreht Narbenäste.

Früchte der Behaarten Hainsimse (Luzula pilosa)

Der Fruchttyp der Binsengewächse ist die drei- bis mehrsamige Kapsel. Bei den Binsen ist diese mehrsamig und durch innere Rippen (Plazenten) dreiteilig gegliedert. Die Kapseln der Hainsimsen sind einfächrig und tragen im Inneren an der Basis je drei Samen. Während bei den Hainsimsen am Ende der Samen lange weiße Anhängsel (Elaiosomen) vorhanden sind, existieren bei den Binsen nur ausnahmsweise häutige Fortsätze.

Ökologie

Die Bestäubung der Blüten erfolgt überwiegend durch den Wind (Anemophilie) oder durch Insekten (Entomogamie). Bei wenigen Arten ist Selbstbestäubung möglich (Autogamie). Die Verbreitung der Samen erfolgt über den Wind (Anemochorie), durch das Anhaften der Früchte im Gefieder oder im Fell von Tieren (Epichorie). Bei den Hainsimsen ist die Ameisenausbreitung (Myrmekochorie) vorherrschend. Die fettreichen Anhängsel der Samen dienen den Ameisen als Nahrung. Die Samen werden in die Ameisenbauten getragen und so an andere Orte verschleppt.

Während die Arten der Gattung Juncus überwiegend feuchte bis nasse Standorte wie Moore, Sümpfe, Gewässerufer oder Feuchtwiesen besiedeln, bevorzugen die Arten der Gattung Luzula trockenere Böden und schattige Standorte wie Wälder und Gebüsche. Letztere sind oft mit ameisenreichen Biotopen assoziiert.

Juncus triglumis

Gattungen

Die Binsengewächse umfassen etwa 430 Arten in etwa sieben Gattungen [2][3].

  • Distichia Nees & Meyen: Mit etwa fünf Arten in Südamerika (Anden)
  • Binsen (Juncus L.) - etwa 300 Arten
  • Hainsimsen (Luzula DC.) - etwa 115 Arten
  • Marsippospermum Desv.: Mit vier Arten in Südamerika, den Falklandinseln und Neuseeland
  • Patosia : Mit wohl nur einer Art in Chile und Argentinien:
    • Patosia clandestina (Phil.) Buchenau
  • Oxychloe Philippi: Mit etwa fünf Arten in den mittleren und südlichen Anden
  • Rostkovia Desv.: Mit etwa zwei Arten in Südamerika, Neuseeland und auf Tristan da Cunha

Bilder

Quellen

Familienbeschreibungen:

Einzelnachweise

  1.  Manfred A. Fischer, Karl Oswald, Wolfgang Adler: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 3. verb. Auflage. Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2008, ISBN 978-3-85474-187-9., S. 1091, 1102
  2. Die Familie bei der APWebsite (englisch)
  3. Royal Botanic Gardens KEW

Weblinks

 Commons: Juncaceae – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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