Steckmuscheln

Steckmuscheln (Pinnidae)
Verschiedene Steckmuscheln, von links nach rechts: Pinna muricata, Atrina pectinata, Atrina vexillum, Pinna bicolor

Verschiedene Steckmuscheln, von links nach rechts: Pinna muricata, Atrina pectinata, Atrina vexillum, Pinna bicolor

Systematik
Klasse: Muscheln (Bivalvia)
Unterklasse: Autolamellibranchiata
Teilklasse: Pteriomorphia
Ordnung: Flügelmuscheln (Pterioida)
Überfamilie: Pinnoidea
Familie: Steckmuscheln (Pinnidae)
Wissenschaftlicher Name
Pinnidae
Leach, 1819

Die Steckmuscheln (Pinnidae), die zur Klasse der Muscheln (Bivalvia) gehören, stecken ihr Leben lang in festem Untergrund zwischen Geröll, Wasserpflanzen oder Steinkorallen. Das heißt sie sind sessile Tiere. Mit dem Byssus, einem seidigen Geflecht das die Muschel aus einer speziellen Drüse absondert, verankern sie sich am Boden oder Geröll. Das Byssus ist eiweißhaltig und flüssig, wird aber bei Berührung mit dem Salzwasser zu reißfesten Fäden. Die Muschel ernährt sich, indem sie Plankton aus dem Wasser filtriert.

Die meisten Arten werden nicht älter als zehn Jahre, doch es gibt eine Ausnahme: Die im Mittelmeer heimische Edle Steckmuschel, Pinna nobilis ist die langlebigste und größte Steckmuschelart. Sie kann bis zu 20 Jahre alt und bis zu 90 cm groß werden. Es sind allerdings auch Exemplare mit einer Schalenlänge von über 130 cm gefunden worden.

Schalenform

Die meist 10 bis 30 cm großen Schalen haben eine paddelartige, spitz zulaufende Form, die je nach Art schmal und länglich oder breit und kurz sind. Sie sind meist dünn und zerbrechlich und weisen am hinteren Rand Beschädigungen auf, da dieser aus dem Untergrund herausragt und deshalb leicht verletzt werden kann. Diese Altersanzeichen verringern den Wert der Muschel in Sammlerkreisen jedoch nicht drastisch, da sie normal sind und eher selten eine perfekt erhaltene Steckmuschel aus dem Wasser geholt wird.

Artenliste

Die Steckmuscheln werden in drei verschiedene Gattungen eingeteilt: Pinna mit schmaler Schale, die breiteren Atrina-Arten und die unregelmäßig geformte Gattung Streptopinna, die jedoch nur eine bekannte Art vorweist, was heißt sie ist monotypisch. Insgesamt gibt es ca. 30 verschiedene bekannte Arten. Hier sind die bekanntesten Arten aufgelistet:

Pinna Linnaeus, 1758

  • Pinna atropurpurea Sowerby, 1825
  • Pinna attenuata Reeve, 1858
  • Pinna bicolor Gmelin, 1791
  • Pinna carnea Gmelin, 1791
  • Pinna incurva Gmelin, 1791
  • Pinna inflata Wood
  • Pinna muricata Linnaeus, 1758
  • Pinna nobilis Linnaeus, 1758
    Schalen der Edlen Steckmuschel, links die Außenseite, rechts die Innenseite
  • Pinna rudis Linnaeus, 1758
  • Pinna rugosa Sowerby, 1835


Atrina Gray, 1840

  • Atrina chautardi Nickeles, 1953
  • Atrina fragilis (Pennant, 1777)
  • Atrina kinoshitai Habe, 1953
  • Atrina maura (Sowerby, 1835)
  • Atrina pectinata (Linnaeus, 1776)
  • Atrina pectinata zelandica (Gray, 1835) (Neuseeländische Form der Atrina pectinata.)
  • Atrina rigida (Lightfoot, 1786)
  • Atrina seminuda (Lamarck, 1819)
  • Atrina serrata (G. B. Sowerby I. 1825)
  • Atrina squamifera (Sowerby, 1835)
  • Atrina tasmanica (Tenison & Woods, 1876)
  • Atrina teramachii Habe, 1953
  • Atrina tuberculosa (Sowerby, 1835)
  • Atrina vexillum (Born, 1778)


Streptopinna Martens, 1880

  • Streptopinna saccata (Linnaeus, 1758)

Fortpflanzung

Steckmuscheln pflanzen sich wie alle anderen Muscheln fort, indem die weiblichen Muscheln Eier und die männlichen Muscheln Samenzellen ausstoßen. So kommt es im Wasser zur Befruchtung der Eier. Nach dem Larvenstadium, bei Steckmuscheln der Veliger-Typus, entsteht durch eine Metamorphose die Jungmuschel, die sich bereits jetzt an den Untergrund heften und in den Meeresboden „hineinwachsen“.

Verbreitung

Steckmuscheln kommen in allen Weltmeeren vor, vom Mittelmeer bis in den Indopazifik und die Karibik. Die meisten Atrina-Arten kommen im Indopazifik und in der Karibik vor wobei manche Pinna-Arten, wie beispielsweise Pinna nobilis (Edle Steckmuschel) oder Pinna rudis (Raue Schinkenmuschel) nur im Mittelmeer zu finden sind. Alle Arten stecken jedoch mit dem spitzen Ende im Sediment und sind nur bis zu einer Meerestiefe von ca. 100 m zu finden.

Nutzung

Steckmuscheln sind nicht die bekanntesten Muschelarten unter Laien (Nicht-Conchyliensammler oder Nicht-Zoologen), und werden im heutigen Europa nur noch selten verarbeitet. Früher stellte man aus den feinen, seidenartigen Byssusfäden die die Muschel absondert, edle Kleidungsstücke oder sogar Bilder her. Dieses Handwerk beherrscht jedoch nur noch eine Frau in Sant'Antioco auf Sardinien. Die Arten Atrina pectinata und Atrina kinoshitai werden heutzutage in Japan auf Fischmärkten häufig als Speisetiere angeboten. In Europa wurde die heimische Edle Steckmuschel jedoch auch zu Speisezwecken verwendet, daher auch als "Schinkenmuschel" bezeichnet. Die Steckmuschel ist unter Sammlern jedoch immer noch ein beliebtes Stück, da sie vor allem zum Verkauf eher selten angeboten wird.

Artenschutz

Steckmuscheln sind in tropischen Meeren recht häufig zu finden, jedoch ist die im Mittelmeer lebende Edle Steckmuschel (Pinna nobilis) aufgrund von Überfischung und Wasserverschmutzung selten geworden. Deshalb ist sie in der ganzen Europäischen Union und Kroatien unter Schutz gestellt und darf nach dem Bundesnaturschutzgesetz nicht mehr nach Deutschland eingeführt werden. Wer dies missachtet muss mit einer Geldstrafe rechnen.

Literatur

  • S. P. Dance: Muscheln und Schnecken. 1992, ISBN 3-8310-0789-6.
  • Gert Lindner: Muscheln und Schnecken an europäischen Urlaubsstränden. 2000, ISBN 3-405-15119-8.
  • Gert Lindner: Muscheln und Schnecken der Weltmeere. 1999, ISBN 3-405-15438-3.

Weblinks

 Commons: Pinnidae – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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