Seerosengewächse

Seerosengewächse
Weiße Seerose (Nymphaea alba)

Weiße Seerose (Nymphaea alba)

Systematik
Reich: Pflanzen (Plantae)
Abteilung: Gefäßpflanzen (Tracheophyta)
Unterabteilung: Samenpflanzen (Spermatophytina)
Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
Ordnung: Seerosenartige (Nymphaeales)
Familie: Seerosengewächse
Wissenschaftlicher Name
Nymphaeaceae
Salisb.

Die Seerosengewächse (Nymphaeaceae) sind eine Familie in der Ordnung der Seerosenartigen (Nymphaeales). Mit 58 (bis 75) Arten in sechs Gattungen sind die Nymphaeaceae eine der kleinen Familien der Blütenpflanzen. Sie ist außerhalb der polaren Klimazonen weltweit nur in Süßwasser vertreten.

Beschreibung

Luftkammern im Blattstiel von Nymphaea, Querschnitt.

Die meisten Arten der Familie der Nymphaeaceae sind ausdauernde, selten einjährige, krautige Pflanzen. Es sind alles im Gewässergrund mit adventiven Wurzeln verankerte Wasserpflanzen mit kriechenden oder aufrechten, verzweigten oder unverzweigten Rhizomen, die knollig verdickt sein können, als Überdauerungsorganen, die bei manchen Arten Ausläufer (Stolone) bilden. Die Rhizodermis ist in Lang- und Kurzzellen gegliedert. Ein sekundäres Dickenwachstum findet nicht statt. Sie besitzen zerstreute Leitbündel ohne Kambien und ohne Tracheen. Die Siebröhrenplastiden besitzen keine Proteinkristalloide. In den Pflanzen ist ein Milchsaft vorhanden. Es sind sehr deutliche Luftkammern in den vegetativen Pflanzenteilen vorhanden.

Unterwasserblätter von Nymphaea lotus

Als Laubblätter können Unterwasser- und Schwimmblätter vorhanden sein. Die wechselständig und spiralig angeordneten Blätter sind einfach und gestielt. Die einfache Blattspreite ist oft herzförmig bis kreisrund, schildförmig (peltat) und netzadrig. Der Blattrand ist glatt oder stachelig-gezähnt. Es können Nebenblätter vorhanden sein.

Blütendiagramm von Nymphaea
Illustration der Weißen Seerose (Nymphaea alba)

Die Blüten stehen einzeln, seitenständig auf oft langen Blütenstielen auf oder über dem Wasserspiegel, selten blühen sie unter dem Wasserspiegel. Die großen, zwittrigen, mehr oder weniger radiärsymmetrischen Blüten duften oft. Die Blütenblätter sind teilweise schraubig (azyklisch) angeordnet. Die Blütenhüllblätter können kontinuierlich in Nektarblätter und diese in Staubblätter übergehen. Die Blütenhülle besteht meist aus zwei Kreisen. Die fünf oder 20 bis 50 freien, meist grünen Kelchblätter können kronblattähnlich (Nuphar) sein. Die fünf (Nuphar) oder 15 bis 50 Kronblätter sind gelb oder weiß über rosa- bis purpurfarben und blau; selten fehlen sie. Es sind 40 bis 80 sich zentripetal entwickelnde, spiralig angeordnete, freie Staubblätter vorhanden, davon können 11 bis 20 Staminodien sein (bei Nuphar sind nektarbildende Schuppen). Die Staubfäden sind breit bis schlank. Die Staubbeutel sind tetrasporangiat und ein Konnektiv-Anhängsel kann vorhanden sein. Die fünf bis 35 oberständigen bis halbunterständigen Fruchtblätter (Karpelle) sind teilweise oder vollkommen verwachsen. Es sind zehn bis hundert Samenanlagen je Fruchtblatt vorhanden. Die Narben sitzen direkt, also meist ohne Stempel, kreisförmig auf einem Diskus. Die Blüten sind je nach Art während des Tages oder der Nacht geöffnet. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten (meist Käfer, Entomophilie).

Die oft von den Blütenhüllblättern umgebenen, fleischigen Früchte sind beerenähnlich und enthalten einige bis viele Samen. Die oft in den fleischigen Blütenboden eingebetteten Früchte öffnen sich meist durch Anschwellen des inneren Schleimes. Die Samen besitzen ein kleines Endosperm und meist einen Arillus. Der Embryo ist relativ klein. Die Samen vieler Arten können durch Lufteinschlüsse im Arillus und der Samenwand schwimmen. Es werden zwei fleischige Keimblätter (Kotyledonen) gebildet.

Als Inhaltsstoffe sind Ellagsäure und Gallussäure vorhanden.

Systematik

Die Familie der Nymphaeaceae wurde 1805 von Salisb. in Ann. Bot. (König & Sims), 2, Juni 1805, S. 70 veröffentlicht. Die Barclayaceae H.L.Li, Euryalaceae J.Agardh und Nupharaceae A.Kerner waren früher eigenständige Familien, deren Gattungen heute den Nymphaeaceae zugeordnet werden.

Unterfamilien mit Gattungen

Es gibt zwei Unterfamilien mit sechs Gattungen und 58 bis 75 Arten in der Familie der Nymphaeaceae [1]:

Amerikanische Teichrose (Nuphar advena)
Nuphar polysepala
Stachelseerose (Euryale ferox)
Bunte Seerose (Nymphaea colorata)
Nymphaea pubescens
Habitus und die großen Schwimmblätter der Amazonas-Riesenseerose (Victoria amazonica)
  • Nupharoideae Ito (Syn.: Nupharaceae A.Kerner): Mit etwa acht bis elf Arten in der einzigen Gattung:
    • Teichrosen (Nuphar Sm., Syn.: Nymphozanthus Rich.): Mit zwei Sektionen und acht bis elf Arten.
  • Nymphaeoideae: Mit etwa 48 (bis 60) Arten in fünf Gattungen:
    • Barclaya Wall. (Hydrostemma Wall.): Mit vier Arten
    • Euryale Salisb.: Mit der einzigen Art:
      • Stachelseerose (Euryale ferox Salisb.); Kaschmir, bis Assam und China
    • Seerosen (Nymphaea L., Syn. Castalia Salisb., Leuconymphaea Kuntze) mit zwei Gruppen, fünf Untergattungen und etwa 40 (bis 53) Arten
      • Gruppe Apocarpiae
        • Untergattung Anecphya (Caspary) Conard, mit nur einer Art:
          • Große Seerose (Nymphaea gigantea Hooker); Australien
        • Untergattung Brachyceras Caspary, mit 14 Arten, u. a.
          • Blaue Kap-Seerose (Nymphaea capensis Thunb.); Südafrika
          • Bunte Seerose (Nymphaea colorata Peter)
          • Nymphaea caerulea Savigny
          • Schwefelfarbene Seerose (Nymphaea sulphurea Gilg); Südwestafrika
      • Gruppe Syncarpiae Caspary, mit drei Untergattungen und 24 Arten
        • Untergattung Hydrocallis mit 14 Arten
        • Untergattung Lotos DC., mit nur vier Arten
        • Untergattung Nymphaea
    • Ondinea Hartog, mit der einzigen Art in Australien:
      • Ondinea purpurea Hartog, mit zwei Unterarten
    • Riesenseerose (Victoria Lindl.) mit den zwei Arten:
      • Amazonas-Riesenseerose (Victoria amazonica (Poepp.) Sowerby; ein Synonym ist V. regia Lindl.); Südamerika
      • Santa-Cruz-Riesenseerose (Victoria cruziana Orb.; ein Synonym ist V. trickeri (Malme) Mutzek); Südamerika

Nutzung

Einige Arten, aber besonders Hybriden, dienen als Zierpflanzen in Parks und Gärten. Wenige Arten werden als Aquarienpflanzen verwendet. Die Blüten von Nymphaea odorata sind wegen der besonders morgens stark duftenden Blüten beliebt [2].

Bei einigen Arten werden die unterirdischen Pflanzenteile roh oder gegart gegessen oder es wird Stärke daraus gewonnen (Nuphar advena, Nuphar japonicum, Nuphar lutea, Nuphar polysepala, Nuphar pumila, Nymphaea alba, Nymphaea odorata, Nymphaea tetragona, Nymphaea tuberosa). Bei einigen Arten dienen die Samen roh, gegart oder geröstet zu Mehl verarbeitet als Nahrung (Nuphar advena, Nuphar lutea, Nuphar polysepala, Nuphar pumila, Nymphaea alba, Nymphaea odorata, Nymphaea tetragona, Nymphaea tuberosa). Die Blätter von Nuphar lutea, Nuphar pumila und Nymphaea odorata werden gegart oder bei manchen Arten auch roh gegessen. Aus den Blüten von Nuphar lutea und Nuphar pumila wird ein Erfrischungsgetränk hergestellt. Geröstete Samen von Nymphaea alba dienen als Kaffeeersatz. Die Blütenknospen von Nymphaea odorata werden gegart als Gemüse oder eingelegt gegessen. [2]

Die Heilwirkung einiger Arten wurde untersucht. [2]

Quellen

Einzelnachweise

  1. Eintrag bei GRIN.
  2. 2,0 2,1 2,2 Eintrag bei Plants for a Future. (engl.)

Weblinks

 Commons: Seerosengewächse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die News der letzten 7 Tage

22.07.2021
Mikrobiologie | Meeresbiologie
Alles ausgebucht am Meeresgrund
Ob Sommer oder Winter, ob Mitternachtssonne oder Polarnacht – auf dem Sand des Meeresbodens wohnen stets die gleichen Bakterien.
22.07.2021
Mykologie | Genetik | Bionik und Biotechnologie
Das Genom der Flechten ist verräterisch
Flechten können in unterschiedlichen Klimazonen verschiedene Naturstoffe produzieren die gebildeten Stoffe sind vor allem als Mittel gegen Krebs und andere Krankheiten bekannt.
21.07.2021
Ökologie
Mikroplastik in der Arktis
Rund um die Inselgruppe Svalbard (norwegisch für Spitzbergen) im arktischen Ozean stellen sogenannte Rhodolithe, aufgebaut aus kalkabscheidenden Rotalgen, ökologische Nischen für eine Vielzahl von Organismen zur Verfügung.
21.07.2021
Ethologie | Primatologie
Tödlicher Angriff von Schimpansen auf Gorillas beobachtet
Schimpansen sind in Ost- und Zentralafrika verbreitet und leben in einigen Gebieten, wie dem Loango-Nationalpark in Gabun, mit Gorillas gemeinsam im gleichen Habitat.
21.07.2021
Bionik und Biotechnologie | Insektenkunde
Wüstenameise wird Vorbild für Laufroboter
Barbara Schlögl hat im Westfälischen Institut für Bionik der Hochschulabteilung Bocholt eine Doktorarbeit geschrieben, in der sie der Wüstenameise Cataglyphis deren Fähigkeit abgekuckt hat, sich im Raum zu orientieren.
21.07.2021
Biodiversität | Neobiota
Italienische Höhlensalamander in Deutschland?
Nicht-einheimische Arten zählen zu den Hauptproblemen für den Verlust der Artenvielfalt.
21.07.2021
Zoologie | Genetik | Ökologie
Wolf-Hund-Mischlinge sicher erkennen
Forschende haben eine neue Methode vorgestellt, die es erlaubt, Wolf-Hund-Hybriden anhand von Umweltproben, wie Kot, Haaren oder Speichelresten sicher zu erkennen.
21.07.2021
Anthropologie | Primatologie
Gebrauch von Steinwerkzeugen: Schimpansen leben vor der Steinzeit
Anders als frühe Menschenarten scheinen Schimpansen nicht in der Lage zu sein, spontan scharfe Steinwerkzeuge herzustellen und zu nutzen.
21.07.2021
Ökologie | Klimawandel | Video
Vermehrte Regenfälle im Sommer verändern den Kohlenstoffkreislauf in der Arktis
Arktische Flüsse transportieren durch dem Klimawandel mehr Nährstoffe und Kohlenstoff. das hat potenzielle Auswirkungen auf Wasserqualität, Nahrungsketten und freiwerdende Klimagase.
21.07.2021
Anthropologie | Genetik | Paläontologie
25.000 Jahre altes menschliches Umweltgenom wiederhergestellt
Uralte Sedimente aus Höhlen können DNA über Jahrtausende konservieren, aber deren Analyse wird dadurch erschwert, dass meist nur wenige Sequenzen aus den Sedimenten gewonnen werden können.
19.07.2021
Zytologie | Physiologie | Biochemie
Wie reagieren unsere Zellen auf Hunger oder Stress?
Zellen reagieren auf Hunger oder Stress indem sie die Zusammensetzung der Proteine auf der Zelloberfläche verändern.
19.07.2021
Klimawandel | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Hecken sind Klimaschützer
Eine auf Ackerland neu angepflanzte Hecke von 720 m Länge kann langfristig die gesamten Treibhausgasemissionen, die ein Durchschnittsdeutscher innerhalb von 10 Jahren emittiert, kompensieren.