Koi-Herpesvirus

Koi-Herpesvirus
Systematik
Reich: Viren
Ordnung: Herpesvirales
Familie: Alloherpesviridae
Gattung: nicht klassifiziert
Art: Koi-Herpesvirus
Taxonomische Merkmale
Genom: dsDNA
Baltimore: Gruppe 1
Symmetrie: ikosaedrisch
Hülle: vorhanden
Wissenschaftlicher Name
Cyprinid herpesvirus 3 (engl.)
Taxon-Kurzbezeichnung
CyHV-3
Links
NCBI Taxonomie: 180230

Das Koi-Herpesvirus (KHV, wissenschaftlich carp nephritis and gill necrosis virus, CNGV, oder Cypriniden-Herpesvirus-3, CyHV-3), ist ein höchst infektiöses Virus, das eine seuchenhaft, akut bis subakut verlaufende virale Infektionskrankheit der Karpfen und Koi-Karpfen – die Koi-Herpesvirusinfektion (Koi Herpes Disease) – verursacht.

Die Inkubationszeit liegt in Abhängigkeit verschiedener Faktoren wie Stress und der jeweiligen Kondition der Fische, zwischen einer Woche und mehreren Monaten. Kommt es zum Ausbruch der Krankheit, liegt die Mortalitätsrate in der Regel zwischen 80 % und 100 % in einem Zeitraum von 24 Stunden bis 14 Tagen.

Erreger

Der Erreger wurde im Jahr 2000 von Ron Hedrick an der University of California, Davis als Herpesvirus beschrieben.

Es ist noch nicht bekannt, ob dieses Virus mit dem Herpesvirus cyprini, das bereits 1990 in Japan beschrieben wurde, identisch ist. Klassifiziert wird das Koi-Herpesvirus als DNA-Virus, zugehörend der Virusfamilie Herpesviridae (Herpesviren). Erstmals aufgetreten und beschrieben wurde das Virus 1997 in Deutschland und 1998 in Israel. Die ca. 296 kbp große doppelsträngigen DNA-Genome von drei Koi-Herpesvirus-Isolaten wurden 2007 durch Prof. Aoki in Japan veröffentlicht, komplett sequenziert, wobei nur geringe Sequenzhomologien zu anderen Herpesvirusgenomen festgestellt wurden.

Auch liegen bislang keine Informationen über die Bedeutung einzelner Virusgene für die Virulenz des Erregers und für die Immunabwehr des Wirtes vor. Deshalb wurden z. B. im Friedrich-Loeffler-Institut große Teile des KHV-Genoms über Plasmid- und Cosmid-Vektoren in Bakterien kloniert. Diese Klone sollen dazu dienen, weitere virale DNA-Sequenzen zu ermitteln, die u. a. zur Etablierung sensitiver PCR-Methoden für den diagnostischen Virusnachweis beitragen könnten. Durch in-vitro-Expression der klonierten Gene sollen immunogene Virusproteine identifiziert und für die serologische Diagnostik genutzt werden. Des Weiteren wird versucht, durch gezielte Gendeletionen rekombinante Koi-Herpesviren herzustellen, die als abgeschwächte Lebendvirus-Vakzinen eingesetzt werden können.

Vorkommen

Diagnostiziert wird die KHV-Infektion als Erkrankung nur bei Kois und Nutzkarpfen. Artverwandte Cyprinidenrassen wie Graskarpfen (Ctenopharyngodon idella), Karauschen (Carassius carassius) oder Goldfischen (Carassius auratus) scheinen vom Virus nicht immer unberührt zu bleiben. Gesichert sind diese Angaben insofern, dass KHV bei Goldfischen bereits nachgewiesen wurde, diese nicht erkranken aber durchaus als Träger fungieren können.

Infektion

Wie die meisten Viren, wird auch das Koi-Herpesvirus durch direkten Kontakt übertragen. Dies können die Fische selbst sein über Hautkontakt und Kiemenausscheidungen, Wasser (z. B. Transportwasser) oder sonstige Flüssigkeiten die Kontakt zu infizierten Fischen hatten. Das Hantieren im Wasser mit den Händen, oder Arbeiten mit Gegenständen wie Keschern, Netzen oder Kontakt mit dem Schuhwerk reichen bereits aus, um das Virus zu übertragen. Wasservögel können ebenfalls das Virus ins Wasser einbringen, obwohl das Virus nicht länger als zwei Stunden außerhalb seines Lebensraumes überlebt. Vor allem Kormorane werden für die Verbreitung verantwortlich gemacht. Ohne einen empfänglichen Fisch als Wirt überlebt das Virus maximal 14 Tage im Wasser. In den meisten Fällen wird das Virus durch Neuzugänge von Fischen in den Bestand verschleppt.

Nachweis

Untersuchungen von Fischen auf Krankheiten werden üblicherweise in Zellkulturen nachgewiesen. Beim Koi-Herpesvirus ist diese Methode nur bedingt einsetzbar. Unterschiedliche Merkmale sowie die Wandlungsfähigkeit des Virus führen trotz genau definierter Zelllinien zu ungenauen oder falschen Ergebnissen. Die Polymerasekettenreaktion (PCR) besitzt eine größere Empfindlichkeit. Hierzu werden Bruchstücke des Virusgenoms molekularbiologisch im Test nachgewiesen. Die Kombination dieser Untersuchung mit der klinischen Begutachtung lässt eine Aussage über ein mögliches Vorhandensein des Virus zu. Bei einem negativen Ergebnis bietet aber auch diese Methode keine 100%-ige Sicherheit.

Ein weiteres Nachweisverfahren ist der sogenannte LAMP-Test (Loop-Mediated Isothermal Amplification). LAMP funktioniert, vereinfacht ausgedrückt, nach dem Prinzip das mittels eines Primers gezielt nach Teilen des CyHv-3-Gens gesucht wird. Durch ein farblich dargestelltes Ergebnis, welches unter Zugabe einer Reagenz einen Farbumschlag hervorruft, lässt sich dann das Ergebnis sehr leicht ablesen. Grün bedeutet, eine LAMP Reaktion liegt vor, Orange bedeutet die Probe zeigt keine Infektion mit KHV. Durch die geringe Diagnosedauer, weniger als zwei Stunden, bietet sich das LAMP Verfahren für eine schnelle Diagnose des KHV geradezu an. Trotz der geringen Diagnosezeit ist die LAMP basierende Diagnose ebenso zuverlässig als die weit aufwändigere PCR-Analyse. LAMP ist jedoch ein nicht leicht durchzuführender Test, da man auch hier eine gewisse Laborerfahrung benötigt. Er ist allerdings, im Gegensatz zum etablierten PCR, für den Einsatz “vor Ort” geeignet. Im Gegensatz zur PCR, die nur in speziellen Labors durchgeführt werden kann, kann die LAMP Methode in privaten Kliniken und Tierarztpraxen, zur Diagnose des Koi-Herpes-Virus, verwendet werden.

Da der negative Nachweis eine Infektion nicht ausschließt, sollte bei toten Tieren eine Organprobe aus Kiemen, Leber, Nieren, der Milz und dem Gehirn entnommen werden und diese, nach den Anforderungen des Testlabors, zur Untersuchung gelangen.

Untersuchungsstellen

Folgende Einrichtungen sind auf Fischuntersuchungen spezialisiert

  • Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, Nationales Referenzlabor für die KHV-Infektion Insel Riems
  • Institut für Zoologie, Fischereibiologie und Fischkrankheiten München
  • Fischgesundheitsdienst Bayern
  • Tauros Diagnostik der Universität Bielefeld
  • Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, Fachgebiet Fischkrankheiten
  • Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) - Veterinärinstitut Hannover
  • Landesbetrieb Hessisches Landeslabor - Veterinärmedizin

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