Hirnhaut

Die gefäßdurchzogene Dura mater in einer Abbildung von Andreas Vesalius (1543)

Als Hirnhäute, fachsprachlich Meningen (verkürzter Plural von Meninx encephali, griechisch μῆνιγξ, méninx – ‚Haut‘, altgriechisch ἐγκέφαλος, enképhalos – ‚Gehirn‘, ‚zum Gehirn gehörig‘), bezeichnet man die Bindegewebsschichten, die innerhalb des Schädels (intrakraniell) das Gehirn umgeben. Sie wurden erstmals von Herophilos von Chalkedon etwa 300 v. Chr. beschrieben.[1]

Es werden drei Hirnhäute unterschieden. Am weitesten außen liegt die Dura mater encephali (harte Hirnhaut), die auch Pachymeninx genannt wird. Ihr liegt die Arachnoidea mater encephali (Spinnwebenhaut) mehr oder weniger unmittelbar an. Die innerste Schicht ist die Pia mater encephali (zarte Hirnhaut). Zwischen der Arachnoidea und der Pia mater befindet sich der Subarachnoidalraum (Cavitas subarachnoidalis). Diese beiden inneren Hirnhäute werden auch als Leptomeninx encephali (weiche Hirnhaut) zusammengefasst.

Außerhalb des Schädels (extrakraniell) setzen sich die Hirnhäute als sogenannte Rückenmarkshäute fort, welche den dort liegenden Teil des Zentralnervensystems (ZNS) umgeben. Entsprechend ihrer anatomischen Zugehörigkeit zum Rückenmark werden sie nun Dura mater spinalis, Arachnoidea mater spinalis und Pia mater spinalis genannt (lat. spinalis: ‚zur Wirbelsäule/zum Rückenmark gehörig‘).[2]

Dura mater

Schema der Hirnhäute (Größenverhältnisse nicht proportional dargestellt!)

Die Dura mater (oft nur „Dura“ genannt) ist die äußerste Hirnhaut. Sie besteht aus zwei Blättern, wobei zumindest im Bereich des Schädelknochens das äußere Blatt identisch mit der Knochenhaut ist. Die beiden Blätter trennen sich an umschriebenen Stellen voneinander, um sogenannte „Sinus“, eine besondere Form venöser Blutleiter, zu bilden. Das innere Blatt der Dura mater zieht in den großen Spalt zwischen den beiden Großhirnhälften sowie in den Spalt zwischen den beiden Kleinhirnhälften und bildet durch Aneinanderlagerung mit dem inneren Duralblatt des jeweils benachbarten Hirnteils die Falx cerebri, die Falx cerebelli und das Tentorium cerebelli. Die Falx cerebri trennt die beiden Großhirnhälften in sagittaler Ebene und geht in die Falx cerebelli über, welche die beiden Kleinhirnhälften voneinander trennt. Entsprechend bildet sich das Tentorium cerebelli (Zeltdach des Kleinhirns), das das Groß- und Kleinhirn voneinander trennt. Es handelt sich um eine eher horizontal im Schädel liegende Struktur, die durch ihre Anheftungspunkte an verschiedenen Teilen des knöchernen Schädels, eine komplexe dreidimensionale Form besitzt. Analog bildet sich das Diaphragma sellae. Die Hypophyse liegt darunter und ist somit extradural (außerhalb der Dura) positioniert.

Im Bereich des Rückenmarks ist die Dura mater nicht mit dem Wirbelkanal verbunden. Es gibt nur wenige knöcherne Anheftungspunkte der Dura mater spinalis: Zum einen der Beginn am Rand des Foramen magnum des Hinterhauptbeins, zum anderen das Ende des Duraschlauchs in Höhe des 1./2. Kreuzwirbels. Das als Fortsetzung des Markkegels (Conus medullaris) beginnende Filum terminale setzt sich von hier als Filum terminale externum bzw. durale fort und endet am zweiten Steißwirbel, wo es ebenfalls knöchern fixiert ist und mit den Ligamenta sacrococcygea anteriora in Kontinuität steht.

Im Wirbelkanal befindet sich zwischen Dura und Wirbelkanal ein Spaltraum, der Epidural- oder Periduralraum, der mit Fettgewebe gefüllt ist. Über eine Injektion in diesen Raum (Periduralanästhesie) können die austretenden Nervenwurzeln anästhesiert werden.

Die Dura ist sehr schmerzempfindlich. Im Schädelbereich erfolgt die sensible Innervation durch den Ramus tentorii des Nervus ophthalmicus und die Rami meningei des Nervus ethmoidalis anterior, den Nervus maxillaris, den Nervus mandibularis sowie den Nervus vagus.

Die Dura mater ist überwiegend straffes, kollagenfaseriges Bindegewebe und hat vor allem die Funktion einer Organkapsel.

Arachnoidea

Die Arachnoidea (oder „Spinnwebenhaut“ genannt) ist die mittlere Hirnhaut. Sie liegt der Dura mater innen an und ist von ihr durch einen in der Regel geschlossenen, teils kapillären Bereich, dem Subduralspalt (Spatium subdurale) getrennt, welcher erst durch Flüssigkeit- oder Luftansammlung aufgeweitet und als Subduralraum erkennbar wird. Die Arachnoidea überspringt, wie auch die Dura mater, die Furchen des Gehirns und erhält ihren Namen durch die starke weißliche Zeichnung mit feinen Fasern kollagenen Bindegewebes, die ihr ein spinnwebartiges Aussehen gibt. Von der Arachnoidea stülpen sich knopfförmige Aussackungen in die venösen Blutleiter in der Dura mater (Sinus durae matris) vor. Diese Ausstülpungen werden als Arachnoidalzotten (Pacchioni-Granulationen, Granulationes arachnoidales) bezeichnet und sind ein Ort der Liquorresorption.

Unter der Arachnoidea liegt der Subarachnoidalraum (Cavum subarachnoidale), der mit Liquor cerebrospinalis gefüllt ist und damit den äußeren Liquorraum darstellt.

Pia mater

Die Pia mater ist die innerste Schicht. Sie liegt dem Gehirn und Rückenmark direkt auf und bedeckt diese komplett und reicht dabei auch in alle Furchen hinein. Sie besteht aus weichem, zartem Bindegewebe.

Erkrankungen

Eine gefürchtete Krankheit ist die Hirnhautentzündung (Meningitis), die unter anderem durch Viren oder Bakterien (zum Beispiel Meningokokken) ausgelöst werden kann (Infektionskrankheit). Diese Erkrankung kann zu geistiger Behinderung oder gar zum Tod führen. Eine Entzündung des Gehirns unter Beteiligung der Hirnhäute ist als Meningoenzephalitis bekannt. Reizungen der Hirnhäute lassen sich neurologisch an Meningismus, Brudzinski-, Kernig-, und Lasègue-Zeichen erkennen. Weitere Zeichen eines meningealen Reizsyndroms sind Kopfschmerzen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Übelkeit und Erbrechen. Die Symptome können auch bei anderen Erkrankungen der Hirnhäute auftreten, insbesondere bei Migräne oder Subarachnoidalblutung.

Tumore der Hirnhäute werden als Meningeom bezeichnet. Unfall- oder anderweitig bedingt kann es zu Einblutungen in die Zwischenräume der Hirnhäute kommen, die als Subduralhämatom bzw. Subarachnoidalblutung bekannt sind.

Literatur

  • Michael Schünke, Erik Schulte, Udo Schumacher, Markus Voll, Karl Wesker: PROMETHEUS Lernatlas der Anatomie: Kopf, Hals und Neuroanatomie. 2. Auflage, Thieme, Stuttgart 2009, ISBN 978-3131395429.

Einzelnachweise

  1. Die große Chronik Weltgeschichte 05. Rom und der Hellenismus. wissenmedia Verlag, 2008, ISBN 978-3-577-09065-0, S. 56.
  2. Martin C. Hirsch: Glossar der Neuroanatomie. 1. Auflage, Springer, Berlin/ Heidelberg 1999, ISBN 978-3540660002.
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