Tylosin

Strukturformel
Strukturformel von Tylosin
Allgemeines
Freiname Tylosin
Andere Namen

Tylan

Summenformel C46H77NO17
CAS-Nummer
  • 1401-69-0
  • 1405-53-4 (Phosphat)
  • 1405-54-5 (Tartrat)
PubChem 5280440
ATC-Code

QJ01FA90

Kurzbeschreibung

fast weißes bis schwach gelbes Pulver[1]

Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

Makrolide

Wirkmechanismus

Hemmung der Proteinsynthese an der ribosomalen 50-S-Untereinheit

Verschreibungspflichtig: ad vet. us.
Eigenschaften
Molare Masse 916,11 g·mol−1
Schmelzpunkt

128–135 °C[2]

Löslichkeit

schwer löslich in Wasser, leicht löslich in Dichlormethan und absolutem Ethanol[1]

Sicherheitshinweise
Bitte die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [3]

Tartrat

08 – Gesundheitsgefährdend

Gefahr

H- und P-Sätze H: 317-334
P: 261-​280-​342+311 [3]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [1]

Xn
Gesundheits-
schädlich

N
Umwelt-
gefährlich
R- und S-Sätze R: 36-42/43-50/53
S: 25-26-36/37/39-61
LD50

> 5000 mg·kg−1 (Ratte p.o.)[1]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
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Tylosin ist ein bakteriostatisches Antibiotikum aus der Wirkstoffklasse der 16-gliedrigen Makrolide. Es wurde erstmals im Boden in Thailand gefunden. Es wird aus Streptomyces fradiae gewonnen und besteht neben Tylosin zu 20 % aus unterschiedlichen Anteilen von Desmycosin, Macrocin und Relomycin. Tylosin ist eine schwache Base mit einem pKs-Wert von 7,1. Chemisch handelt es sich um einen Lactonring mit 16 Atomen, der glycosidisch mit den Monosacchariden Mycinose, Mycaminose und Mycarose verbunden ist. Tylosin ist lipophil und dadurch gut membrangängig.

Tylosin in Reinform ist ein weißes bis blassgelbes Pulver, das eher schlecht in Wasser, aber sehr gut in Ethanol und Fett löslich ist. Das Tartratsalz hingegen ist gut in Wasser löslich. Zur i.v.-Injektion ist es in einer 50-prozentigen Propylenglycollösung erhältlich. Tylosin wirkt bei Hautkontakt hoch allergen.

Für die meisten grampositiven und gramnegativen Bakterien sowie für Mycoplasmen hat Tylosin eine minimale Hemm-Konzentration (MHK) von 0,2 bis 0,5 μg/ml. Sein ausgeprägter postantibiotischer Effekt sorgt für eine über das Absetzen der Medikation hinausreichende Wirkung.

Tylosin ist nur zu veterinärmedizinischem Gebrauch und in Forschungseinrichtungen zugelassen. Neuerdings wird eine Anwendung in der Therapie des humanen Morbus Crohn geprüft. In ersten Versuchen scheint Tylosin dem Metronidazol zumindest gleichwertig in der positiven Beeinflussung der enteralen Entzündung zu sein.

Wirkungsmechanismus

Tylosin hemmt wie Erythromycin die Proteinsynthese an der ribosomalen 50-S-Untereinheit. Während Erythromycin nur die Bindung der Peptidyl-tRNA verhindert, blockiert Tylosin auch die Bindung von Aminoacyl-tRNA. Damit wird die Transkription wichtiger bakterieller DNA-Informationen in ihre Endprodukte effektiver behindert.

Resistenzen

Die Bildung von Resistenzen gegen Tylosin erfolgt langsam. Die Übertragung erfolgt über bakterielle Plasmide. So ist eine mögliche Resistenzentwicklung von Enterobacteriaceae, Staphylokokken, Streptokokken, Brachyspira (Treponema) hyodysenteriae sowie Mycoplasma gallisepticum bekannt. Aufgrund des oben beschriebenen Wirkmechanismus können Koagulase-positive Staphylokokken resistent gegen Erythromycin sein, dabei aber empfindlich auf Tylosin reagieren. Die Europäische Union hat Tylosin wegen seiner seinerzeit missbräuchlichen Verwendung als Leistungsförderer in der Tiermast auf den Index gesetzt. Es darf seit 1999 nur noch bei tierärztlich diagnostizierter Erkrankung eines Tieres verabreicht werden. Dies soll den Verbraucher vor eventueller Zufuhr von Tylosin mit Entwicklung resistenter Darmbakterien schützen. Eine von der EU dazu in Auftrag gegebene Studie kommt zwar zum Ergebnis, dass Tylosin in niedrigen Dosen zu keiner Resistenzentwicklung in der menschlichen Darmflora in Bezug auf Enterobacteriaceae führt. Die Indexierung bleibt sicherheitshalber bestehen. Seit 2006 sind Antibiotika als Mastbeschleuniger in der EU generell verboten.

Pharmakokinetik

Absorption

Tylosinphosphat wird im Gastrointestinaltrakt schlecht resorbiert. Zur oralen Substitution wird die Tartratform empfohlen, die vor allem im Dünndarm gut aufgenommen wird.

Verteilung

Im Serum werden geringere Konzentrationen als in der Peripherie (Lunge, Niere, Leber, Euter) gemessen.

Plasmaproteinbindung

Tylosin wird an alpha-1-Säureglycoprotein und Albumin gebunden. Bei Rind und Schwein beträgt die Plasmaproteinbindung 35 bis 45 %.

Metabolismus

Tylosin wird speziesabhängig zum Teil in der Leber verstoffwechselt, zu 20 bis 40 % über die Nieren und zu 7 bis 10 % im Kot in unveränderter Form ausgeschieden.

Wechselwirkungen

Im Wesentlichen interagiert Tylosin aufgrund der chemischen Verwandtschaft ähnlich wie Erythromycin. Es hemmt in der Leber das Enzymsystem CYP3A4. Medikamente wie Lidocain, Warfarin, Diazepam und andere, die über dieses System eliminiert werden, liegen unter Tylosintherapie länger in höheren Wirkspiegeln vor. Insbesondere muss auf eine Erhöhung der Wirkung von Digitalisglycosiden mit daraus resultierender Toxizität geachtet werden.

Labor

Bei kolorimetrischer Bestimmung des AST/ALT können falschpositive Werte unter Therapie mit Tylosin resultieren. Auch bei fluorometrischer Bestimmung von Katecholaminen aus dem Urin wurden gewisse Abweichungen festgestellt.

Erregerspektrum

Besondere Empfindlichkeit gegenüber Tylosin zeigen Staphylococcus intermedius, Clostridium spp., insbesondere Clostridium perfringens, Mycoplasma spp., grampositive Kokken und Lawsonia intracellularis.

Wirksamkeit

Bei folgenden Tierkrankheiten ist die Wirksamkeit von Tylosin erwiesen:

Handelsnamen

Tylan, Tylosel

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Datenblatt TYLOSIN CRS beim EDQM, abgerufen am 3. April 2009.
  2. Jacek Lewicki: A review of pharmacokinetics, residues in food animals and analytical methods (freier Volltextzugriff, auf Englisch)
  3. 3,0 3,1 Datenblatt Tylosin tartrate bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 25. April 2011.

Literatur

  • Hans-Hasso Frey und Wolfgang Löscher: Lehrbuch der Pharmakologie und Toxikologie für die Veterinärmedizin. Enke, Stuttgart 2002, ISBN 3-7773-1797-7.

Weblinks

  • Datenblatt Tylosin bei Vetpharm, abgerufen am 5. August 2012.
  • Knothe H. (1977): A review of the medical considerations of the use of tylosin and other macrolide antibiotics as additives in animal feeds. Infection; 5(3); 183–187; PMID 334674.
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