Campylobacter


Campylobacter

Campylobacter fetus

Systematik
Domäne: Bakterien (Bacteria)
Abteilung: Proteobacteria
Klasse: Epsilonproteobacteria
Ordnung: Campylobacterales
Familie: Campylobacteraceae
Gattung: Campylobacter
Wissenschaftlicher Name
Campylobacter
Sebald & Véron 1963
Arten
  • C. coli (Doyle 1948) Véron & Chatelain 1973
  • C. concisus Tanner et al. 1981
  • C. cryaerophilus corrig. Neill et al. 1985
  • C. fetus (Smith & Taylor 1919) Sebald & Véron 1963
  • C. hyoilei Alderton et al. 1995
  • C. hyointestinalis Gebhart et al. 1985
  • C. jejuni (Jones et al. 1931) Véron and Chatelain 1973
  • C. lari corrig. Benjamin et al. 1984
  • C. mucosalis (Lawson et al. 1981) Roop et al. 1985
  • C. nitrofigilis McClung et al. 1983
  • C. sputorum (Prévot 1940) Véron & Chatelain 1973
  • C. upsaliensis Sandstedt & Ursing 1991

Campylobacter (vereinzelt auch Camphylobacter) ist eine Gattung korkenzieherförmiger (Spirillen) Bakterien. Sie sind gramnegativ, mikroaerophil und polar begeißelt. Der Gattungsname wurde 1963 von Sebald und Veron geschaffen. Früher wurden Vertreter der Gattung als „mikroaerophile Vibrionen“ bezeichnet und zu der Familie Vibrionaceae gestellt.

Das Genom der folgender Arten ist vollständig sequenziert: Campylobacter concisus, C. curvus, C. fetus, C. hominis und C. jejuni

Merkmale

Die Zellgröße liegt im Bereich von 0,2–0,8 × 0,5–5 Mikrometer. Sie sind entweder mit jeweils einer einzelnen Geißel unipolar an einem Ende oder bipolar an beiden Enden der Zelle begeißelt. Die Zellen können sich im Laufe der Zellkultur von korkenzieherartigen zu kokkenförmigen ändern. Die meisten Arten von Campylobacter sind Katalase- und Oxidase-positiv, zu den katalase-negativen zählen beispielsweise C. sputorum, C. concisus, C. mucosalis und C. helveticus. Die medizinisch wichtigen C. fetus subsp. fetus, C. coli, C. jejun subsp. jejuni sind katalase-positiv.

Stoffwechsel

Die Arten der Gattung Campylobacter sind chemoorganotroph, und zwar Nitrat-Atmer. Das bedeutet, sie haben einen oxidativen Energiestoffwechsel und verwenden Nitrat als Oxidans, anstelle des bei der „normalen“ aeroben Atmung verwendeten Sauerstoffs (O2). Elektronendonatoren sind Aminosäuren und Zwischenprodukte des Tricarbonsäurezyklus, die durch Nitrat oxidiert werden. Kohlenhydrate werden nicht verwendet.

Pathogenität

Viele Arten sind für den Menschen krankheitserregend, andere sind ungefährlich und natürliche Mitbewohner des Menschen und verschiedener Tiere.

Die pathogenen Bakterien der Campylobacter-Gruppe gehören zur Gruppe der Zoonoseerreger, die von Tieren auf den Menschen übertragen werden und dort zu einer Erkrankung führen können. Sie befinden sich auch oft auf rohem Geflügelfleisch. Bei Tieren wie Schwein oder Geflügel bleibt die Erkrankung häufig unentdeckt, weil sie meistens keine Krankheitssymptome zeigen.

Die Erreger C. jejuni und C. coli können beim Menschen eine entzündliche Durchfallerkrankung (Campylobacter-Enteritis) auslösen. C. jejuni zählt mit den Salmonellen zu den häufigsten bakteriellen Durchfallerregern. Für den Menschen weniger wichtige Durchfallerreger sind C. lari, C. fetus und C. upsaliensis. Sehr selten tritt auch C. helveticus als Erreger auf. Einige Arten wie C. curvus, C. showae und C. gracilis können an Parodontitis beteiligt sein.

C. fetus (Synonym: Vibrio fetus) verursacht neben dem Durchfall beim Menschen auch einen enzootischen Campylobacter-Abort bei Rindern und Schafen. C. hyointestinalis und C. mucosalis sind Verursacher einer nekrotisierenden Enterocolitis bei Schweinen.

Literatur

  • George M. Garrity: Bergey's manual of systematic bacteriology. 2. Auflage. Springer, New York, 2005, Vol. 2: The Proteobacteria Part C: The Alpha-, Beta-, Delta-, and Epsilonproteabacteria ISBN 0-387-24145-0
  • Werner Köhler (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie, 8. Aufl., München / Jena 2001 ISBN 978-3-437-41640-8
  • Björn-Martin Werth: Vergleichende Untersuchungen zu Schnellmethoden für den Nachweis thermophiler Campylobacter spp. in natürlich und artifiziell kontaminiertem Geflügelfleisch und - innereien sowie in Geflügelkot, Berlin 2006 ISBN 3-86664-113-3.

Weblinks

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