Prachtnonne


Prachtnonne
Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Prachtfinken (Estrildidae)
Gattung: Bronzemännchen (Lonchura)
Art: Prachtnonne
Wissenschaftlicher Name
Lonchura spectabilis
(Sclater, 1879)

Die Prachtnonne (Lonchura spectabilis), auch Weißbauchnonne genannt, ist eine Art aus der Familie der Prachtfinken. Es werden mehrere Unterarten unterschieden.

Beschreibung

Die Prachtnonne erreicht eine Körperlänge von etwa 9,5 Zentimeter und zählt damit zu den eher kleinen Prachtfinkenarten. Es besteht kein Sexualdimorphismus.

Der Kopf, die Kehle und der Hals sind schwarz gefiedert. Der Rücken und die Flügeldecken sind kastanienbraun, wobei bei den einzelnen Unterarten die Intensität dieses Kastanienbrauns etwas variiert. Die Schwingen sind schwärzlich mit kastanienbraunen Außenfahnen. Die Oberschwanzdecken sowie die Säume der dunkelbraunen Schwanzfedern sind gelblich ockerfarben bis gelb. Der Kropf und die vordere Körperunterseite sind je nach Unterart weiß bis rötlich hellbraun. Die Schenkel, der Hinterbrauch und die Unterschwanzdecken sind dagegen schwarz. Die Augen sind braun bis schwarz mit einem gegenüber dem schwarzen Kopfgefieder deutlich abgesetzten blassgrauen Lidrand. Der Schnabel ist blass grau bis schwärzlich grau.

Die Jungvögel sind am Oberkopf, den Kopfseiten und der Kehle dunkelbraun mit hellen Schaftstrichen. Die Kehle ist weißlich gefleckt und am Oberkopf befinden sich hellere Federsäume. Die Umfärbung ins Alterskleid erfolgt bei dieser Prachtfinkenart verhältnismäßig langsam und ist erst mit etwa sechs Monaten abgeschlossen.[1]

Verbreitung und Lebensweise

Die Nominatform Lonchura spectabilis spectabilis kommt auf Neubritannien, Umboi und Long Island vor. Vier weitere Unterarten, nämlich L. s. wahgiensis, L. s. mayri sowie L. s. gajduseki und L. s. sepikensis sind im Norden und Nordosten Neuguineas beheimatet. Ihr Lebensraum ist Grasland vom Meeresniveau bis in Höhenlagen von 2.450 Meter. Prachtnonnen haben sich auch menschlichen Siedlungsraum als Lebensraum erobert und kommen in Siedlungen vor, die von Grasflächen umgeben sind. Sie ist neben Dickschnabelnonne, Graukopfnonne, Braunbrustnonne, Höhennonne und Trauerbronzemännchen eine der Prachtfinkenarten, die als Kulturfolger vermehrt in Höhenlagen Neuguineas vorkommt und dort unter anderem mit der seltenen Arfaknonne konkurriert.[2]

Es handelt sich bei dieser Art um einen sozial lebenden Vogel, der gewöhnlich in kleineren Gruppen von zehn bis zwölf Vögeln beobachtet wird. Gelegentlich können Schwärme jedoch auch bis zu achtzig Individuen umfassen.[3] Die Nahrung besteht überwiegend aus Grassamen. Während der Brutzeit nehmen sie außerdem Algen auf, die sie an Gewässern finden.

Prachtnonnen bauen sowohl Brut- als auch Schlafnester. Beide Nestformen finden sich gewöhnlich einzeln am Rande von Grasland. Das Gelege besteht aus vier weißschaligen Eiern. Die Brutzeit beträgt vierzehn bis fünfzehn, die Nestlingszeit dagegen 21 Tage. Bei in menschlicher Obhut gehaltenen Prachtnonnen hat man beobachtet, dass sich tagsüber die beiden Elternvögel beim Brüten ablösen. Nachts dagegen brütet nur das Weibchen, während das Männchen im Schlafnest übernachtet. Im Schnitt sind die Jungvögel zwei Wochen, nachdem sie das Brutnest verlassen haben, selbständig.

Haltung

Prachtnonnen wurden erstmals im Jahre 1934 nach Europa eingeführt. Weitere Importe folgten erst im Jahre 1970. Die Erstzucht gelang ein Jahr später. Prachtnonnen werden verglichen zu anderen Arten der Gattung Bronzemännchen verhältnismäßig häufig gehalten, jedoch deutlich weniger häufig als beispielsweise die australischen Prachtfinkenarten. Sie gelten als ideale Volierenvögel, allerdings muss bei der Einrichtung berücksichtigt werden, dass sich Prachtnonnen gerne zurückziehen und ausreichend Bademöglichkeiten benötigen.[4]

Belege

Literatur

  • Jürgen Nicolai (Hrsg), Joachim Steinbacher (Hrsg), Renate van den Elzen, Gerhard Hofmann: Prachtfinken - Australien, Ozeanien, Südostasien. Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3249-4.
  • Peter Clement, Alan Harris, John Davis: Finches and Sparrows – An Identification Guide. Christopher Helm, London 1993, ISBN 0-7136-8017-2.

Einzelbelege

  1. Nicolai et al., S. 277
  2. Nicolai et al., S. 269
  3. Nicolai et al., S. 275
  4. Nicolai et al., S. 276

Die News der letzten Tage

06.12.2022
Biodiversität | Ökologie
Es geht ums Ganze beim Erhalt der biologischen Vielfalt
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Forschungsnetzwerks Biodiversität sowie Kolleginnen und Kollegen haben eine Liste konkreter Handlungen zum aktiven Schutz der biologischen Vielfalt vorgelegt.
05.12.2022
Botanik | Ökologie
Wie das Mikrobiom der Pflanzen mit dem Samen vererbt wird
Erst kürzlich konnten Forschende experimentell nachweisen, dass über den Samen Mikroorganismen von einer Pflanzengeneration zur nächsten vererbt werden.
05.12.2022
Biochemie | Bioinformatik | Mikrobiologie
Wie man zwei Milliarden Jahre zurückgeht und ein altes Enzym rekonstruiert
Forscher:innen der Universität Leipzig haben ein Rätsel in der Evolution von bakteriellen Enzymen gelöst.
02.12.2022
Ethologie | Säugetierkunde
Markierungsbäume von Geparden sind Hotspots der Kommunikation – auch für andere Tierarten
Markierungsbäume sind für Geparde wichtige Hotspots der Kommunikation: Dort tauschen sie über Duftmarken, Urin und Kot Informationen mit anderen und über andere Geparde aus.
02.12.2022
Land-, Forst-, Fisch- und Viehwirtschaft | Ökologie
DBU: Weltbodentag am 5. Dezember
Mittlerweile leben acht Milliarden Menschen auf der Welt und Ernährungssicherung wird zu einer dringendsten Herausforderungen unserer Zeit.
01.12.2022
Physiologie
Altern Frauen anders als Männer?
Studien an Fruchtfliegen zeigen, wie das biologische Geschlecht die Wirkung des derzeit vielversprechendsten Anti-Aging-Medikaments Rapamycin beeinflusst.
29.11.2022
Ethologie | Zoologie
Geschlechterrollen im Tierreich hängen vom Verhältnis von Weibchen und Männchen ab
Wie wählerisch sollten Weibchen und Männchen sein, wenn sie einen Partner auswählen?
28.11.2022
Ökologie | Paläontologie | Säugetierkunde
Fossil aus dem Allgäu: Biber leben seit mehr als 11 Millionen Jahren im Familen-Clan
Die Hammerschmiede im Allgäu, Fundstelle des Menschenaffen Danuvius, ist eine einmalige Fundgrube für Paläontologen: Bereits über 140 fossile Wirbeltierarten konnten hier geborgen werden.