Daniel Tammet

Daniel Tammet in der Universität Reykjavík

Daniel Paul Tammet (* 31. Januar 1979 in London) ist ein britischer „Savant“, also eine Person mit einer sogenannten Inselbegabung. Er hat die Gabe, mathematische Probleme und Rechnungen außerordentlich schnell zu lösen und die Ergebnisse auf bis zu hundert Nachkommastellen wiederzugeben. Außerdem hat er in einem Test bewiesen, dass er eine ihm bis dahin unvertraute Sprache – Isländisch – innerhalb einer Woche erlernen konnte.

Leben

Daniel Tammet wurde 1979 in London als ältestes von neun Kindern geboren. Er ist einer der wenigen Savants, die nicht von Geburt an ihre Fähigkeiten besaßen, ein sogenannter „acquired Savant“. Tammet erlitt im Alter von drei Jahren einen schweren epileptischen Anfall. Dieser Anfall veränderte ihn dauerhaft. Er begann Mathematikbücher zu lesen und Pflanzenmuster zu studieren. Er schafft es, schwierige Rechenaufgaben kopfrechnend zu lösen und hat innerhalb einer Woche die isländische Sprache so weit erlernt, dass er in ihr ein Fernsehinterview geben konnte. Beim internationalen Pi-Treffen 2004 stellte er einen neuen Europarekord auf, als er innerhalb von fünf Stunden bei einem Gedächtniswettbewerb 22.514 Nachkommastellen der Kreiszahl Pi referierte. So wie die meisten Savants nur in einem Bereich Außergewöhnliches leisten und dafür manches Alltägliche überhaupt nicht können, hat Tammet beispielsweise Schwierigkeiten, links und rechts zu unterscheiden.

Ungefähr die Hälfte der Savants sind Autisten, und auch Tammet hat nach eigenen Angaben das Asperger-Syndrom. Für Wissenschaftler besonders interessant ist, dass Tammet, anders als die meisten anderen Autisten, genau berichten kann, was in seiner Vorstellung vorgeht, während er beispielsweise rechnet. So berichtet er, dass zum Beispiel bei der Multiplikation zweier Zahlen diese sich als zwei Symbole darstellen, die sich zu einem neuen Symbol vereinigen – dem Ergebnis. In seinem Geist hat jede Zahl bis zur 10.000 nach seinen Angaben ihr eigenes Erscheinungsbild. Er hat sein visuelles Bild der Zahl 289 als besonders hässlich beschrieben, 333 als besonders attraktiv und die Kreiszahl Pi als wunderschön.

Tammet beherrscht die Sprachen Englisch (Muttersprache), Französisch, Finnisch, Estnisch, Spanisch, Deutsch, Litauisch, Esperanto, Rumänisch, Walisisch und Isländisch. Zudem hat er auch eine Sprache namens Mänti entworfen, deren Grammatik dem Finnischen und Estnischen ähnelt. Der Name „Mänti“ stammt vom finnischen mänty, was „Kiefer“ bedeutet. Da Kiefern immer zusammen vorkommen, erinnern Tammet diese Bäume an eine Gemeinschaft.

In New York lernte Tammet seinen Lebenspartner, den ein Jahr jüngeren südfranzösischen Fotografen Jérôme Tabet, kennen.[1]

Literatur

  •  Daniel Tammet: Born on a Blue Day. A Memoir of Asperger's and an Extraordinary Mind. Hodder & Stoughton, London 2006, ISBN 0-340-89974-3.
    • Deutsche Ausgabe:
       Daniel Tammet: Elf ist freundlich und Fünf ist laut. Ein genialer Autist erklärt seine Welt. Patmos Verlag, Düsseldorf 2007, ISBN 978-3-491-42108-0.
  •  Daniel Tammet: Wolkenspringer. Von einem genialen Autisten lernen. Patmos Verlag, Düsseldorf 2009, ISBN 978-3-491-42116-5.

Einzelnachweise

  1. Biografie von Daniel Tammet

Weblinks

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