Saugrüssel (Schmetterling)

REM-Aufnahme eines Schmetterlings-Rüssels

Der Saugrüssel dient den meisten Schmetterlingen dazu, ihre Nahrung aufzunehmen. Diese besteht bei nahezu allen Schmetterlingsarten aus Blütennektar, Pflanzensäften und anderen nährstoffreichen Flüssigkeiten. Nur sehr wenige Arten ernähren sich von anderen Flüssigkeiten, wie z. B. Blut, Tränenflüssigkeit oder Tierexkrementen und Urin. An heißen Tagen saugen Schmetterlinge auch gerne Wasser von kleinen Pfützen. Sie tun dies aber auch um Mineralsalze aufzunehmen.[1]

Der Rüssel besteht aus dem zum Labium verwachsenen und veränderten Unterkiefer (Maxille). Dieses bildet zwei flexible Halbröhrchen, die über Falznähte verbunden sind. Dadurch wird zwischen den beiden Röhrchen das Saugrohr gebildet. Es wird in Ruhestellung unter dem Kopf eingerollt.[1]

Diese Halbröhrchen sind beim Schlüpfen des Schmetterlings nicht miteinander verbunden. Sie müssen erst durch mehrmaliges Ein- und Ausrollen so angeordnet werden, dass sie zueinander parallel stehen und dann durch eine Flüssigkeit aneinander haften bleiben. Danach verhaken sich Strukturen auf deren Oberfläche so, dass die beiden Röhrchen irreversibel zum Rüssel verbunden bleiben.[2]

Schwärmer (Sphingidae) besitzen in der Regel auffällig lange Saugrüssel und sind damit teilweise auf bestimmte Blüten spezialisiert. Bei einer in den Subtropen Mittel- und Südamerikas lebenden Schwärmerart (Amphimoea walkeri) beträgt die Rüssellänge 280 Millimeter; bisher wurde noch keine andere Schmetterlingsart entdeckt, die diese Länge übertrifft.

Ein prominentes Beispiel ist auch der Schwärmer Xanthopan morganii praedicta. Als Charles Darwin 1862 die Blüte der Orchidee Angraecum sesquipedale aus Madagaskar mit ihren dünnen, bis zu 28 cm langen Kelchen sah, sagte er voraus, dass es ein Insekt geben müsse, das diese Blüte bestäubt. Diese Vorhersage (Prädiktion) Darwins, der den Falter nie sah, bestätigte sich im Jahre 1903, als der besagte Schwärmer mit seinem bis zu 25 cm langen Rüssel entdeckt wurde. Deshalb nannte man ihn praedicta, also "den Vorhergesagten".[3]

Siehe auch

Referenzen

  1. 1,0 1,1 Roger Philips, David Carter: Kosmos Atlas Schmetterlingsführer, Europäische Tag und Nachtfalter, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co, Stuttgart 1991, ISBN 3-440-06306-2
  2. http://idw-online.de/pages/de/news9835
  3. http://www.amnh.org/exhibitions/darwin/endless/

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