Angraecum sesquipedale

Angraecum sesquipedale
Angraecum sesquipedale

Angraecum sesquipedale

Systematik
Familie: Orchideen (Orchidaceae)
Unterfamilie: Epidendroideae
Tribus: Vandeae
Untertribus: Angraecinae
Gattung: Angraecum
Art: Angraecum sesquipedale
Wissenschaftlicher Name
Angraecum sesquipedale
Thouars

Angraecum sesquipedale, gelegentlich auch „Stern von Madagaskar“ genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Orchideen (Orchidaceae), die als Epiphyt oder Lithophyt an der Ostküste Madagaskars heimisch ist. Besonders auffällig an dieser Orchidee ist der bis über 40 cm lange Lippensporn, in dessen unterstem Teil Nektar produziert wird. Angraecum sesquipedale hat wissenschaftlich besondere Aufmerksamkeit gefunden, da Charles Darwin anhand einer in England kultivierten Pflanze die These aufgestellt hatte, dass es in Madagaskar einen Schmetterling mit einem extrem langen Saugrüssel geben müsse, der diese Pflanze bestäubt. Dreißig Jahre später (1903) wurde ein Schwärmer entdeckt, auf den diese Prognose zutraf. Er wurde wissenschaftlich unter dem Namen Xanthopan morganii praedicta (lat. praedictus = der Vorausgesagte) beschrieben; zu einem Zeitpunkt als Charles Darwin schon lange tot war. Der Blütenbesuch durch den Schwärmer konnte erst 1997 erstmals photographisch dokumentiert werden.[1].

Beschreibung

Angraecum sesquipedale ist eine monopodial wachsende, bis zu ein Meter hohe Pflanze mit einem dicht beblätterten, kräftigem Stamm. Die riemenförmigen, ledrigen Blätter werden bis zu 30 cm lang und 4 bis 5 cm breit. Die zwei- bis sechsblütigen Blütenstände sind kürzer als die Blätter. Die sternförmigen, fleischigen Blüten sind im Durchmesser etwa zwölf cm groß und nachts stark duftend. Ihre Farbe ist weiß bis cremefarben. Die eiförmig lanzettlichen Kelchblätter (Sepalen) ((äußere Tepalen)) sind 7 bis 9 cm lang und 2 cm breit. Die Kronblätter (Petalen) ((innere Tepalen)) sind ähnlich geformt wie die Sepalen, etwa 7 bis 8 cm lang und 2,5 bis 3 cm breit. Die Lippe (Labellum) ist 6 bis 8 cm lang, 3,5 bis 4 cm breit, hohl, geigenförmig, stumpf zugespitzt und umfasst am Grunde die Säule (Gynostemium). Ein enger Sporneingang führt zu dem bis 45 cm langen, nach unten hängenden und gebogenen Sporn.

Die Blütezeit in Madagaskar ist zwischen Juni und November.

Angraecum sesquipedale hat eine Chromosomenzahl von 2n = 38, 42.

Verbreitung

Das Vorkommen von Angraecum sesquipedale beschränkt sich auf den Küstenwald an der Ostseite der Insel Madagaskar bis zu einer Höhe von 100 m. Im nördlichsten Teil der Insel kommt sie nicht vor.

Systematik

Angraecum sesquipedale

Angraecum sesquipedale wurde von Louis Marie Aubert Du Petit-Thouars (1758-1831) entdeckt und im Jahr 1822 in dem Werk „Histoire particulière des plantes orchidées recueillies sur les trois îles australes d'Afriqueerstbeschrieben. Das Art-Epitheton sesquipedale bedeutet anderthalb Fuß und spielt auf die Länge des Sporns an.

Folgende weiteren Beschreibungen dieser Art werden als Synonyme betrachtet:

  • Aeranthes sesquipedalis (Thouars) Lindl. (1824)
  • Macroplectrum sesquipedale (Thouars) Pfitzer (1889)
  • Angorchis sesquepedalis (Thouars) Kuntze (1891)
  • Mystacidium sesquipedale (Thouars) Rolfe (1904)

Quellen und weiterführende Informationen

Referenzen

  1. Wasserhal: The Pollination of the Malagasy Star Orchids Angraecum sequipedale, A. sororium and A. compactum and the Evolution of the Extremly Long Spurs by Pollinator Shift. Botanica Acta 110, 1997, S. 343-359

Literatur

  • H. Bechtel, Ph. Cribb, E. Launert: Orchideenatlas. Ulmer, Stuttgart 1993 (3.Aufl.). ISBN 3-8001-6199-0
  • R. Schlechter: Die Orchideen. 4 Bd.& Regist. Überarb. K. Senghas. Blackwell-Wiss.-Verl., Berlin/Wien 2003 (3. Aufl.). ISBN 3-8263-3410-8
  • K. Senghas: Orchideen: Pflanzen der Extreme, Gegensätze und Superlative. Parey, Berlin Hamburg, 1993. ISBN 3-489-64024-1

Weblinks

 Commons: Angraecum sesquipedale – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Die News der letzten Tage

19.05.2022
Virologie | Parasitologie | Insektenkunde
Neue Virusvariante bedroht Bienengesundheit weltweit
Eine gefährliche Variante des Krüppelflügelvirus ist weltweit auf dem Vormarsch: Das Virus befällt Honigbienen, wird von der Varroamilbe übertragen und sorgt dafür, dass ihre Flügel verkümmern und die Tiere sterben.
17.05.2022
Evolution | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Leben am Vulkan – in zwei Schritten zur Anpassung
Ein internationales Team hat eine Wildpopulation der Ackerschmalwand (Arabidopsis thaliana) untersucht, die sich am Fuß eines Stratovulkans angesiedelt hat.
18.05.2022
Klimawandel | Insektenkunde | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Insektensterben: Was stört die Kolonie-Entwicklung der Steinhummel?
Bestäubende Insekten sind für die Biodiversität und die landwirtschaftliche Produktion unersetzlich - doch seit Jahren geht der Bestand an Bienen, Hummeln und weiteren Insekten stark zurück.
18.05.2022
Biodiversität | Insektenkunde | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Insektenvielfalt: Öko-Landbau oder Blühstreifen besser?
Wie wirksam Agrarumweltmaßnahmen für die biologische Vielfalt sind, hängt von verschiedenen Faktoren und dem jeweiligen Blickwinkel ab.
18.05.2022
Ethologie | Primatologie
Wie flexibel Orang-Utan-Mütter mit ihrem Nachwuchs kommunizieren
Ein Forschungsteam hat Mutter-Kind-Interaktionen bei Orang-Utans untersucht und dabei besonderes Augenmerk auf individuelle Unterschiede und Flexibilität in den Kommunikationsstrategien von Orang-Utan-Müttern gelegt.
17.05.2022
Ökologie | Biodiversität | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Ökologie: Fließgewässer stehen weltweit schlecht da
Landwirtschaft, Habitatverlust oder Abwässer – menschgemachte Stressoren wirken sich negativ auf die biologische Vielfalt in Bächen und Flüssen aus.
17.05.2022
Ethologie | Primatologie
Schimpansen kombinieren Rufe zu einer Vielzahl von Lautsequenzen
Verglichen mit dem menschlichen Sprachgebrauch erscheint Tierkommunikation einfach, doch unklar blieb bisher, wie sich unsere Sprache aus einem so einfachen System entwickelt haben könnte.
17.05.2022
Anatomie | Taxonomie | Paläontologie
Unbekannte Delfinarten aus dem Schweizer Mittelland identifiziert
Vor 20 Millionen Jahren schwammen Delfine dort, wo heute das Schweizer Mittelland liegt.
12.05.2022
Physiologie | Neurobiologie
Das bewusstlose Gehirn ist alles andere als stumm
Die Grosshirnrinde gilt als zentrale Hirnregion für bewusste Verarbeitung: Während einer Vollnarkose wird dieser Bereich jedoch nicht lahmgelegt.
12.05.2022
Ökologie | Insektenkunde
Was Heuschrecken fressen
Über die Nahrungsnetze pflanzenfressender Insekten ist nicht viel bekannt: Ein Team vom Biozentrum forscht nach – in Unterfranken ebenso wie in den Berchtesgadener Alpen.
12.05.2022
Mykologie | Biodiversität
Artenschutz für Pilze
Eines vorweg: Es geht nicht um die großen Speisepilze, sondern um die mikroskopisch kleinen Vertreter im Wasser.
11.05.2022
Evolution | Biochemie
Der Ursprung des Lebens: Eine neue Weltsicht
Chemiker schlagen ein neues Konzept vor, eine Mischung aus RNA-Molekülen und Peptiden brachten die Evolution hin zu komplexeren Lebensformen in Gang.
10.05.2022
Genetik
Für Weinliebhaber: Roter Riesling entstand aus Weißem Riesling
Die Erbinformation für die Riesling-Rotfärbung ist auf dem Chromosomensatz des weißbeerigen Elter "Weißer Heunisch" verortet.