Edmond Tulasne

Edmond Tulasne

Louis René Étienne auch Edmond Tulasne[1] (* 12. September 1815 in Azay-le-Rideau, Frankreich; † 22. Dezember 1885 in Hyères) war ein französischer Botaniker und Mykologe. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „Tul.“.

Leben und Wirken

Tulasne studierte zunächst Rechtswissenschaften und war danach Rechtsanwalt. Neben seinem Beruf beschäftigte er sich mit botanischen Studien. 1842 wurde er Assistent (aide-naturaliste) am Muséum national d’histoire naturelle in Paris, wo er sich mit Blütenpflanzen und mit Kryptogamen beschäftigte. 1854 wurde Tulasne Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Paris.

Seine ersten Arbeiten bezogen sich auf Systematik der Phanerogamen (Leguminosen, Podostemaceen, Monimiaceen). Dann veröffentlichte er mit seinem Bruder Charles Tulasne Arbeiten zur Entwicklungsgeschichte der Pilze. Damit trug Tulasne wesentlich zur Kenntnis der kleineren parasitischen Pilze, vor allem der Rost- und Brandpilze und deren Entwicklungszyklen bei. Weitere Taxa, die von Tulasne bearbeitet wurden, waren Mutterkorn und andere Schlauchpilze, damals Pyrenomyceten (Formen mit Perithecium) und Diskomyceten (mit Apothecium) genannt.

Von Tulasne wurden unter anderem folgende Pilztaxa beschrieben:

  • Hypomyces chrysospermus Tulasne
  • Hypomyces hyalinus (Schweinitz: Fries) Tulasne
  • Hypomyces lactifluorum (Schweinitz: Fries) Tulasne
  • Hypomyces luteovirens (Fries: Fries) Tulasne
  • Sebacina incrustans (Fries) Tulasne
  • Claviceps Tulasne
  • Crucibulum Tulasne
  • Glomus Tulasne & C. Tulasne
  • Hypomyces (Fries) Tulasne
  • Sebacina Tulasne
  • Terfezia Tulasne
  • Tilletia Tulasne

Sein Bruder Charles Tulasne (1816–1884) steuerte vor allem die Illustrationen zu den Büchern bei.

Werke (Auswahl)

  • Légumineuses arborescentes de l'Amérique du Sud. J.-B. Baillière et fils, Paris (o. J.), (Aus: Archives du Museum d'histoire naturelle, t. IV, 1844).
  • Fungi hypogæi. Histoire et monographie des champignons hypogés. En collaboration, pour l'Iconographie analytique avec Charles Tulasne. Klincksieck, Paris 1851.
  • Mémoire pour servir a l'histoire organographique et physiologique des lichens. Masson, Paris 1853, (Aus: Annales des Sciences naturelles. Partie Botanique. Tom. 17).
  • Nouvelles observations sur les "Erysiphe". Impr. de L. Martinet, Paris 1857, (Aus: Annales des sciences naturelles. 4e série, t. VI, botanique, juillet-décembre 1856).
  • Selecta fungorum carpologia. Ea documenta et icones potissimum exhibens quæ varia fructuum et seminum genera in eodem fungo simul aut vicissim adesse demonstrent. Junctis studiis ediderunt Ludovicus-Renatus Tulasne et Carolus Tulasne. 3 Bände. Paris, Imperiali Typogr., 1863-1865.
T. 1. Erysiphei. Præmittuntur prolegomena de fungorum conditione naturali, crescendi modo et propagatione. Accedunt tabulæ V ære incisæ.
T. 2. Xylariei, Valsei, Sphæriei. Accedunt tabulæ XXXIV ære incisæ.
T. 3. Nectriei, Phacidiei, Pezizei. Accedunt tabulæ XXII ære incisæ.

Quellen

  • Meyers Konversationslexikon 1888–1889
  • Ilse Jahn (Hrsg.): Geschichte der Biologie. Theorien, Methoden, Institutionen, Kurzbiographien. 3. neubearbeitete und erweiterte Auflage. 2. Auflage. Spektrum, Heidelberg 2000, ISBN 3-8274-1023-1.
  • Karl Mägdefrau: Geschichte der Botanik. Leben und Leistung grosser Forscher. Fischer, Jena u. a. 1992, ISBN 3-437-20489-0.

Anmerkungen

  1. Philippe Jaussaud & Édouard R. Brygoo (2004). Du Jardin au Muséum en 516 biographies. Muséum national d’histoire naturelle de Paris : 630 p.

Weblinks

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