Edmontonia

Edmontonia
Lebendrekonstruktion von Edmontonia im Royal Tyrrell Museum.

Lebendrekonstruktion von Edmontonia im Royal Tyrrell Museum.

Zeitraum
Oberkreide (mittleres Campanium bis Maastrichtium)[1]
80,6 bis 65,5 Mio. Jahre
Fundorte
  • Nordamerika
Systematik
Vogelbeckensaurier (Ornithischia)
Thyreophora
Eurypoda
Ankylosauria
Nodosauridae
Edmontonia
Wissenschaftlicher Name
Edmontonia
Sternberg, 1928
Arten
  • Edmontonia longiceps (Sternberg, 1928)
  • Edmontonia rugosidens (Gilmore, 1930)

Edmontonia ist eine Gattung der Vogelbeckensaurier. Sie wird innerhalb der Ankylosauria zu den Nodosauridae gerechnet und lebte in der Oberkreide in Nordamerika.

Merkmale

Edmontonia erreichte eine Länge von rund 6 bis 7 Metern. Er hatte den üblichen Körperbau der Ankylosauria mit dem stämmigen Rumpf und den kräftigen Gliedmaßen, er bewegte sich quadruped (auf allen vieren) fort. Wie bei allen Ankylosauria war die Oberseite des Kopfes, des Nackens, des Rumpfes und des Schwanzes mit einer Panzerung aus Knochenplatten (Osteodermen) bedeckt. Auffällig waren die Platten am Nacken, die rechteckig und sehr breit waren. Zusätzlich waren knöcherne Dornen vorhanden, die die Flanken der Tiere bedeckten. Der Schwanz endete wie bei allen Nodosauridae nicht in einer knöchernen Keule.

Der Schädel war rund 49 Zentimeter lang und wie bei allen Nodosauridae verhältnismäßig schmal. Er war an der Oberseite ebenfalls gepanzert, darüber hinaus war auch die Wange von einer Knochenplatte bedeckt. Die kleinen, blattförmigen Zähne waren an eine pflanzliche Ernährung angepasst. Im Gegensatz zu vielen älteren, urtümlicheren Nodosauridae war der knöcherne Gaumen gut entwickelt und das Praemaxillare (der vorderste Knochen des Oberkiefers) zahnlos.

Entdeckung und Benennung

Fossile Überreste von Edmontonia - darunter mehrere komplette Schädel und auch große Teile des postkranialen Skelettes - wurden an zahlreichen Orten in Nordamerika gefunden, so in den US-Bundesstaaten Montana, South Dakota, Wyoming, Texas, aber auch in der kanadischen Provinz Alberta sowie in Alaska. Der Name leitet sich von der Edmonton-Formation im südöstlichen Alberta (und nicht von der Stadt Edmonton) ab. Die Funde von Edmontonia werden in die Obere Kreidezeit (mittleres Campanium bis Maastrichtium) auf ein Alter von rund 80 bis 66 Millionen Jahre datiert.

Systematik

Typusart ist der 1928 erstbeschriebene E. longiceps, 1930 wurde mit E. rugosidens eine zweite Art beschrieben. Diese wird gelegentlich in einer eigenen Gattung (Chassternbergia) geführt. Die beiden Arten unterscheiden sich unter anderem in den Schädelproportionen. Eine dritte, im Jahr 2000 anhand einiger Knochenplatten als E. australis beschriebene Art, gilt als nomen dubium. Die verschiedenen Fossilfunde lassen aber auf die Existenz weiterer, bislang nicht beschriebener Arten der Gattung Edmontonia schließen. Bei dem 1988 beschriebenen Denversaurus handelt es sich nach heutigem Kenntnisstand um ein Synonym von E. longiceps.

Edmontonia wird innerhalb der Ankylosauria in die Gruppe der Nodosauridae gerechnet. Sein nächster Verwandter dürfte Panoplosaurus sein, gemeinsam bilden sie eine unbenannte Klade höher entwickelter Nodosauridae, die erst am Ende der Kreidezeit lebten und beim Massenaussterben der Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren verschwanden.

Einzelnachweise

  1. Gregory S. Paul: The Princeton Field Guide To Dinosaurs, 2010. ISBN: 978-0-691-13720-9, S. 238 Online

Literatur

  • Matthew K. Vickaryous, Teresa Maryańska und David B. Weishampel: Ankylosauria. In: David Weishampel, Peter Dodson und Halszka Osmólska (Hrsg.): The Dinosauria. University of California Press, 2004. ISBN 0-520-24209-2; S. 363-392.

Die News der letzten Tage

26.05.2022
Zytologie | Immunologie
Ein potenzieller Jungbrunnen für das Immunsystem
Im Alter nimmt die Leistung der Immunabwehr ab, ältere Menschen sind anfälliger für Infektionen.
25.05.2022
Klimawandel | Meeresbiologie
Schwund von Kieselalgen wegen Ozeanversauerung
Kieselalgen sind die wichtigsten Produzenten von pflanzlicher Biomasse im Ozean.
25.05.2022
Klimawandel | Meeresbiologie
Neues von großen Korallenriffen und ihrer Anpassungsfähigkeit an die Klimaerwärmung
Viele Steinkorallen leben in einer Symbiose mit einzelligen Algen, die die Grundlage für die Entstehung der großen Korallenriffe darstellt.
25.05.2022
Ökologie | Klimawandel
Sibirische Tundra: Bis Mitte des Jahrtausends komplett verschwunden?
Die Erderhitzung lässt die Temperaturen in der Arktis rasant steigen.
25.05.2022
Primatologie
Wenn männliche Kumpel weniger wichtig werden als weibliche Paarungspartner
Enge Freundschaften zwischen Männchen sind im Tierreich selten, da Männchen in der Regel um Rang und Zugang zu Weibchen konkurrieren.
24.05.2022
Entwicklungsbiologie
Sind Mütter von Zwillingen fruchtbarer?
Sind Frauen, die Zwillinge haben, fruchtbarer?
23.05.2022
Bionik, Biotechnologie, Biophysik
Mikropartikel mit Gefühl
Ein internationales Forschungsteam hat winzige Partikel entwickelt, die den Sauerstoffgehalt in ihrer Umgebung anzeigen.
23.05.2022
Paläontologie | Klimawandel | Meeresbiologie
Korallen als Klimaarchive
Ungewöhnlich gut erhaltene Riffkorallen aus der Geologisch-paläontologischen Sammlung der Universität Leipzig bergen ein großes Geheimnis: Sie lassen uns weit in die Vergangenheit reisen und die klimatischen Verhältnisse in unseren Breiten rekonstruieren.
19.05.2022
Ethologie | Meeresbiologie | Säugetierkunde
Delfine behandeln Hautprobleme an Korallen
Indopazifische Grosse Tümmler reiben sich vom Schnabel bis zur Schwanzflosse an Korallen: Forscherinnen belegen nun, dass die von den Delfinen speziell ausgesuchten Korallen biofunktionelle Eigenschaften aufweisen.
19.05.2022
Taxonomie | Paläontologie | Amphibien- und Reptilienkunde
Neue Krokodilart lebte vor 39 Millionen Jahren in Asien
Wissenschaftler haben in Vietnam die Fossilien einer bisher unbekannten Krokodilart identifiziert: Das knapp vier Meter lange, fast vollständig erhaltene Skelett aus der Fundstelle Na Duong gehört zu den langschnäuzigen Krokodilen aus der Verwandtschaft der Sundagaviale.