Epitheton

Epitheton [eˈpiːtetɔn] (gr. ἐπίθετον, von ἐπίθετος epithetos ‚zugeordnet‘, ‚hinzugefügt‘; Plural: Epitheta) bedeutet „das Hinzugefügte“, „das später Eingeführte“.

Rhetorik und Stilistik

Mit Epitheton bezeichnet man in der Rhetorik beziehungsweise Stilistik das Hinzufügen eines im Satzzusammenhang nicht unbedingt erforderlichen Attributs, zum Beispiel die grüne Wiese. Ein Epitheton kann auch eine Individualisierung, Charakterisierung oder Bewertung ausdrücken, z. B. Iwan der Schreckliche oder Land der Tausend Seen.

Allgemeiner werden auch Attribute so benannt. Ein Epitheton ist also ein Zusatz oder Beiwort.

Ein besonderes Epitheton ist das epitheton ornans, der (entbehrliche, aber) schmückende (lat. ornare ‚schmücken‘) Zusatz. Ein Beispiel hierfür ist die grüne Wiese. Weiterhin wurde dieser Begriff von den klassischen Philologen gewählt, um die bei Homer zahlreich vorkommenden schmückenden Attribute bei Götter- und Heldennamen, aber auch bei gewöhnlichen Gegenständen zu bezeichnen. Beispiele: Die kuhäugige Hera, die rosenfingrige Eos, der listenreiche Odysseus, die wolletragenden Schafe. Eric A. Havelock und andere bezeichnen diese als typisches Merkmal für Mnemotechniken präliteraler Kulturen.[1]

Auch die Beinamen insbesondere antiker Herrscher werden als Epitheta bezeichnet. Beispiele sind neben „der Große“ (megas bzw. magnus) zum Beispiel „der Wohltäter“ (euergetes), „der Städtezertrümmerer“ (poliorketes), „der Unbesiegbare“ (invictus) oder „der Fromme“ (pius).

Gerhart Hauptmann lässt in seinem Stück Vor Sonnenaufgang Hoffmann sagen: „Ich sage dir also: daß ich dein Auftreten hier – gelinde gesprochen – für fabelhaft dreist halte“, worauf Loth erwidert: „Vielleicht erklärst du mir, was dich berechtigt, mich mit dergleichen Epitheta …“.

Biologie

In der Botanik bezeichnet der Begriff Epitheton insbesondere den von Carl von Linné eingeführten zweiten Teil des wissenschaftlichen Namens einer Art von Lebewesen (siehe Nomenklatur in der Biologie). Der wissenschaftliche Name setzt sich zusammen aus einer Bezeichnung für die Gattung sowie einem artspezifischen Epitheton. Beispielsweise bezeichnet bei der Rotbuche (Fagus sylvatica) der Namensteil Fagus die zutreffende Gattung, sylvatica ist das Epitheton der Art.

In der Zoologie wurde der Begriff nicht in die nomenklatorisch relevanten Begriffe des deutschsprachigen Nomenklaturcode aufgenommen (und auch nicht in die des englischen), anstattdessen wurde der Begriff Artname verwendet. Dieser Begriff ist jedoch (anders als im englischen ICZN Code) zweideutig (homonym), er bezeichnet sowohl den gesamten aus Gattung und Art bestehenden Namen der Tierart (species name oder name of a species, Beispiel Homo sapiens) als auch den zweiten Teil eines solchen Namens (specific name, in diesem Beispiel sapiens). Begriffe wie epithetum specificum oder epitheton specificum werden gelegentlich auch heute noch informell in der deutschsprachigen zoologischen Literatur verwendet.[2]

Quellen

  1. Für eine kurze Einführung: Walter Ong: Oralität und Literalität. Die Technologisierung des Wortes. Westdeutscher Verlag, Opladen 1987, ISBN 3-531-11768-8, S. 24–30.
  2. Gerhard Becker: Kompendium der zoologischen Nomenklatur. Termini und Zeichen, erläutert durch deutsche offizielle Texte. In: Senckenbergiana Lethaea. Bd. 81, Nr. 1, 2001, ISSN 0037-2110, S. 3–16, hier S. 10 („epithetum specificum“), S. 12 („epitheton specificum“).

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Epitheton – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

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