Streptomyces achromogenes

Streptomyces achromogenes
Systematik
Abteilung: Actinobacteria
Klasse: Actinobacteria
Ordnung: Actinomycetales
Familie: Streptomycetaceae
Gattung: Streptomyces
Art: Streptomyces achromogenes
Wissenschaftlicher Name
Streptomyces achromogenes
(Okami und Umezawa 1953)

Streptomyces achromogenes ist ein fadenförmiges, unbewegliches, gram-positives und aerobes Bakterium der Gattung Streptomyces. Der Typstamm Streptomyces achromogenes subsp. achromogenes (ATCC 12767)[1] wurde 1953 von Yoshiro Okami und Hamao Umezawa, dem Entdecker von Kanamycin und Bleomycin, aus Gartenboden aus dem Tokioter Stadtbezirk Suginami isoliert.[2] Verschiedene Stämme von Streptomyces achromogenes produzieren eine Reihe von Substanzen und Enzymen, die in der Medizin als Chemotherapeutika und in der molekularbiologischen Forschung als Restriktionsendonukleasen von Bedeutung sind.

Morphologie und Physiologie

Streptomyces achromogenes ist fadenförmig und unbeweglich sowie gram-positiv und aerob, und zählt zur Risikogruppe 1.[3] Als Kohlenstoffquellen kann Streptomyces achromogenes Glucose, Arabinose, Mannit, Fructose, Rhamnose und Cellulose nutzen.[4] Es ist ist der Lage, Gelatine zu verflüssigen, Citrat zu verwerten und Schwefelwasserstoff zu produzieren.[4] Darüber hinaus besitzt es eine Urease, eine Dihydrolase für Arginin, eine β-Galactosidase sowie Decarboxylasen für Ornithin und Lysin, und ist positiv für die Voges-Proskauer-Reaktion.[4] Die optimale Kulturtemperatur liegt bei 28 °C auf GYM-Medium.[4]

Bedeutung

Verschiedene Stämme von Streptomyces achromogenes produzieren unter anderem die aufgrund ihrer Betazelltoxizität in der Krebstherapie und in der experimentellen Diabetesforschung eingesetzte Substanz Streptozocin,[5] die Antibiotika Sarcidin,[6] Rubradirin[7] und Tomaymycin[8] sowie die antiviral wirksame Verbindung Achromoviromycin.[9] Auch die in der molekularbiologischen Forschung genutzten Typ-II-Restriktionsenzyme (EC 3.1.21.4) SacI und SacII[10] sowie SacNI,[11] ein Isoschizomer zu BanII aus Bacillus aneurinolyticus, stammen aus Streptomyces achromogenes.

Einzelnachweise

  1. Victor B. D. Skerman, Vicki McGowan, Peter H. A. Sneath: Approved Lists of Bacterial Names. In: International Journal of Systematic Bacteriology. 30/1980. Society for General Microbiology, S. 225–420 (speziell S. 369), ISSN 0020-7713
  2. JSCC: JCM 4121 - Streptomyces achromogenes subsp. achromogenes Okami and Umezawa 1953 (abgerufen am 22. August 2010)
  3. DSMZ: DSM 40028 - Streptomyces achromogenes subsp. achromogenes Okami and Umezawa 1953 (abgerufen am 22. August 2010)
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 Joachim M. Wink: Streptomyces achromogenes subsp. achromogenes In: Compendium of Actinobacteria Elektronische Resource (PDF-Datei, ca. 140KB; abgerufen am 22. August 2010)
  5. James J. Vavra, Clarence DeBoer, Alma Dietz, Ladislav J. Hanka, Walter T. Sokolski: Streptozotocin, a new Antibacterial Antibiotic. In: Antibiotics Annual. 7/1959. Medical Encyclopedia Inc., S. 230–235, ISSN 0570-3131
  6. Tomio Takeuchi, Kazuo Nitta, Hamao Umezawa: On an Antibiotic, Sarcidin, produced by Streptomyces n. sp. S. achromogenes. In: Journal of Antibiotics. 6(1)/1953. Japan Antibiotics Research Association, S. 31/32, ISSN 0021-8820
  7. Bijoy K. Bhuyan, Stanley P. Owen, Alma Dietz: Rubradirin, a new Antibiotic. I. Fermentation and Biological Properties. In: Antimicrobial Agents and Chemotherapy. 10/1964. American Society for Microbiology, S. 91–96, ISSN 0066-4804
  8. Kei Arima, Masanobu Kohsaka, Gakuzo Tamura, Hiroshi Imanaka, Heiichi Sakai: Studies on Tomaymycin, a new Antibiotic. I Isolation and Properties of Tomaymycin. In: Journal of Antibiotics. 25(8)/1972. Japan Antibiotics Research Association, S. 437–444, ISSN 0021-8820
  9. Hamao Umezawa, Tomio Takeuchi, Yoshiro Okami, Tadakatsu Tazaki: On Screening of Antiviral Substances produced by Streptomyces and on an Antiviral Substance Achromoviromycin. In: Japanese Journal of Medical Science & Biology. 6(3)/1953. Kokuritsu Yobo Eisei Kenkyujo, S. 261–268, ISSN 0021-5112
  10. Richard J. Roberts: Restriction and Modification Enzymes and their Recognition Sequences. In: Nucleic Acids Research. 13/1985 (Ergänzungsband). Oxford University Press, S. r165–r200, ISSN 0305-1048
  11. Sylwia M. Rutkowskaa, Piotr M. Skowrona, Krzysztof Bielawskib, Anna J. Podhajska: SacNI, an Isoschizomer of BanII isolated from Streptomyces achromogenes recognizes the 5′-GRGCY/C Sequence. In: Gene. 157(1-2)/1995. Elsevier, S. 319/320, ISSN 0378-1119

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