Oryctodromeus


Oryctodromeus

Lebendrekonstruktion

Zeitliches Auftreten
Oberkreide (Cenomanium)
99,6 bis 93,6 Mio. Jahre
Systematik
Dinosaurier (Dinosauria)
Vogelbeckensaurier (Ornithischia)
Cerapoda
Ornithopoda
Euornithopoda
Oryctodromeus
Wissenschaftlicher Name
Oryctodromeus
Varricchio et al., 2007

Oryctodromeus („grabender Läufer“) ist eine Gattung kleiner ornithopoder Dinosaurier, von der nur die Typusart Oryctodromeus cubicularis (lat. cubiculum - Schlafzimmer) wissenschaftlich beschrieben wurde. Der lateinische Artname weist darauf hin, dass die Fossilien der Art, ein unvollständig erhaltenes ausgewachsenes Exemplar und zwei unvollständige Jungtiere, offenbar in einem selbst gegrabenen Erdbau gefunden wurden. Die Funde stammen aus der frühen Oberkreide (Cenomanium) des US-Bundesstaates Montana.

Beschreibung

Oryctodromeus cubicularis war ein mittelgroßer, zweibeiniger Dinosaurier von etwa zwei Metern Länge, wovon auf den Schwanz etwas über die Hälfte entfiel. Das Gewicht wurde auf 22 bis 32 kg geschätzt. Die Vorderbeine waren kräftiger entwickelt als bei verwandten Arten und die Becken- und Hinterbeinknochen waren stark entwickelt. Der breite Kopf trug eine schaufelartige Schnauze. Aus der Summe dieser Merkmale schlossen die Entdecker, dass die Art gut an das Graben in der Erde angepasst war.

Lebensweise

Die Überreste der Art wurden in einem Erdbau gefunden, der einen abfallenden, gewundenen Tunnel und eine erweiterte Kammer an dessen Ende in etwa zwei Metern Tiefe aufwies. Der Gang hatte einen Durchmesser von etwa 30 cm, was knapp über der Breite des erwachsenen Tieres liegt. Die Entdecker nehmen an, dass das Tier den Bau als Versteck für seine Jungen gegraben hat. Die relative Größe der Jungtiere weist dabei auf eine längere Dauer der Brutpflege hin. Der Erdbau könnte auch als Schutz vor ungünstigen Umwelteinflüssen gedient haben.

Die Art war wahrscheinlich herbivor und konnte aufgrund der langen Hinterbeine an der Erdoberfläche schnell laufen.

Systematik

Oryctodromeus gehört zu den basalen Euornithopoden und ist wahrscheinlich nah mit den Gattungen Orodromeus und Zephyrosaurus verwandt. Aufgrund der Ähnlichkeiten des Körperbaus zwischen diesen Tieren wird angenommen, dass alle diese Arten zum Graben von Erdbauten und nach Nahrung fähig waren. Die Einordnung in eine Familie wurde nicht vorgenommen.

Literatur

  • David J. Varricchio, Anthony J. Martin, Yoshihiro Katsura: First trace and body fossil evidence of a burrowing, denning dinosaur. In: Proceedings of the Royal Society B (Biological Sciences). Band 274, Nr. 1616, 2007, S. 1361–1368 (nih.gov).

Weblinks

  • Artikel in Der Spiegel mit Abbildung

Die News der letzten Tage

17.11.2022
Meeresbiologie | Taxonomie
Dornenkronenseesterne aus dem Roten Meer sind endemisch!
Neben dem Klimawandel stellen korallenfressende Dornenkronenseesterne (Acanthaster spp.
17.11.2022
Klimawandel | Meeresbiologie
Eisbedeckung im Südpolarmeer: Auswirkungen auf Meiofauna und Makrofauna
Wissenschaftlerinnen haben erstmals untersucht, wie sich Gemeinschaften von Meiofauna und Makrofauna unter verschiedenen Umweltbedingungen im Südpolarmeer zusammensetzen.
16.11.2022
Biochemie | Physiologie
Pflanzen zwischen Licht und Schatten
In der Forschung werden Pflanzen häufig unter konstantem Licht angezogen, was nicht den natürlichen Bedingungen in der Natur entspricht.
15.11.2022
Anthropologie | Ethologie | Paläontologie
Guten Appetit! Homo hat bereits vor 780.000 Jahren Fisch gekocht
Fischzähne der archäologischen Fundstelle Gesher Benot Ya’aqov in Israel liefern den frühesten Hinweis auf das Garen von Nahrungsmitteln durch unsere Vorfahren.
15.11.2022
Biodiversität | Bioinformatik | Botanik
Eine Weltkarte der Pflanzenvielfalt
Warum gibt es an manchen Orten mehr Pflanzenarten als an anderen?
15.11.2022
Biodiversität | Land-, Forst-, Fisch- und Viehwirtschaft | Ökologie
Biodiversität von Wiesen- und Weideflächen: Ein Gewinn für Natur, Landwirtschaft und Tourismus
Ein internationales Team hat in einer langangelegten Studie nachgewiesen, wie wichtig die Biodiversität von Wiesenflächen für ein breites Spektrum von Ökosystemleistungen und unterschiedliche Interessengruppen ist.
15.11.2022
Biochemie | Land-, Forst-, Fisch- und Viehwirtschaft | Zytologie
Wie funktioniert der Mangantransport in Pflanzen?
Das Protein BICAT3 ist einer der wichtigsten Mangan-Verteiler in Pflanzen - ist es defekt, hat das einen verheerenden Einfluss auf das Wachstum der Pflanzen.
14.11.2022
Ökologie | Säugetierkunde
Kollisionsrisiko für Fledermäuse bei großen Windkraftanlagen
Um Fledermäuse vor der Kollision mit Windenergieanlagen zu schützen, werden in Genehmigungsverfahren akustische Erhebungen durchgeführt.
09.11.2022
Physiologie | Vogelkunde
Kohlmeisen: Hormonschwankungen als Überlebensvorteil?
Bei freilebenden Kohlmeisen gibt es zwischen Individuen große Unterschiede in der Menge an Stresshormonen im Blut.
14.11.2022
Amphibien- und Reptilienkunde | Paläontologie
Grube Messel: eine lebendgebärende Schlange vor 47 Millionen Jahren
Ein argentinisch-deutsches Forschungsteam hat den weltweit ersten fossilen Beleg für eine Lebendgeburt bei Schlangen erbracht.
11.11.2022
Biodiversität | Evolution
Warum ist auf unserem Planeten eine solch enorme Artenvielfalt entstanden?
Warum gibt (gab) es so viele Arten auf der Erde?
11.11.2022
Anthropologie | Physiologie
Studie über die biologische Aktivität von Fruchtsäften und Fruchtkonzentraten
Forschende haben in einer Studie die biologische Aktivität von 20 Fruchtsäften und Konzentraten getestet.
10.11.2022
Biodiversität
Ranking der Ursachen für den Verlust der biologischen Vielfalt
Die Umwandlung von naturnahen Wäldern und Grünland in landwirtschaftliche Flächen ist hauptverantwortlich für den weltweiten Verlust der biologischen Vielfalt.