Jakob Henle

Jakob Henle, 'Lithographie von Rudolf Hoffmann, 1857
Jakob Henle

Friedrich Gustav Jakob Henle (* 19. Juli 1809 in Fürth; † 13. Mai 1885 in Göttingen) war ein deutscher Anatom, Pathologe und Arzt. Als Könner am Mikroskop entdeckte er die später nach ihm benannten Henleschen Schleife in der Niere. In seinem Handbuch der systematischen Anatomie des Menschen findet sich die erste Darstellung von sich teilenden Zellkernen, allerdings noch ohne deren Deutung.

Leben

Henle wurde 1809 als Sohn einer angesehenen jüdischen Kaufmannsfamilie in Fürth geboren, sein Großvater war Elkan Henle. Wegen der fehlenden Entwicklungsmöglichkeiten für jüdische Kinder in Bayern siedelte die Familie in das Rheinland über. Jakob Henle studierte in Bonn und Heidelberg Medizin.

Nach der Promotion 1832 wurde er Assistent und Prosektor im Institut von Johannes Peter Müller in Berlin. 1840 wurde Henle als Professor für Anatomie und Physiologie an die Universität Zürich berufen. Er hielt dort eine Vorlesung über Gewebelehre. Er galt als ein Meister am Mikroskop und brachte die junge Wissenschaft der Histologie entscheidend voran.

1844 folgte der Ruf an die Universität Heidelberg auf den zweiten ordentlichen Lehrstuhl für Anatomie und Physiologie. Hier entstand sein Handbuch der rationellen Pathologie, hier hielt er 1848 auch jenes berühmte anthropologische Kolleg, das einen seiner Hörer, den Schweizer Dichter Gottfried Keller, so sehr beeindruckte, dass er es in seinem Roman Der grüne Heinrich beschrieb. Mit der Novelle Regine setzte Keller zudem der ersten Ehefrau von Henle, Elise Egloff, ein literarisches Denkmal.

Henle übernahm 1852 die Leitung des Instituts für Anatomie der Universität Göttingen. Dort lebte, forschte und lehrte er bis zu seinem Tod im Jahre 1885. Im Jahre 1855 veröffentlichte er sein berühmtes Handbuch der systematischen Anatomie des Menschen.

Einen entscheidenden Beitrag leistete Henle auch zur Anatomie, Histologie und Pathologie der Nebennierenrinde durch die Entwicklung der Färbung mit chromsaurer Kalilösung 1865.

Henle prägte die Begriffe contagium vivum bzw. contagium animatum und damit auch die Theorie von Mikroorganismen als Ursache von Infektionskrankheiten. Dementsprechend sind die Grundregeln der Definition eines Krankheitserregers, die Henle-Koch-Postulate, nach ihm und seinem Schüler Robert Koch benannt.

Eine Gedenktafel wurde bereits vor 1888 an seinem früheren Wohnhaus in Göttingen angebracht und wurde 1942 in der NS-Zeit wegen seiner jüdischen Herkunft wieder entfernt. Nach dem Kriege wurde die Gedenktafel erneut angebracht[1]. Auch am Geburtshaus Henles in der Helmstraße 9 in Fürth befindet sich eine Gedenktafel. Das anatomische Institut zu Heidelberg ehrt Henle mit einer Büste im ersten Obergeschoss vor dem Präpariersaal. Die medizinische Fakultät der Universität Göttingen verleiht ihm zu Ehren jährlich die Jacob-Henle-Medaille.

Literatur

  • Fritz Dross, Kamran Salimi (Hrsg.): Henle. Bürgerliches Leben und „rationelle Medicin“. Schriftenreihe des Stadtarchivs und Stadtmuseums Fürth. Bd. 2. Fürth 2009, ISBN 978-3-940889-01-0.
  • Georg B. Gruber: Henle, Jakob. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 8, Duncker & Humblot, Berlin 1969, S. 531 f. (Digitalisat).
  • Friedrich Merkel: Jacob Henle: Ein deutsches Gelehrtenleben, nach Aufzeichnungen und Erinnerungen. Braunschweig 1891.
  • Julius Leopold Pagel: Henle, Friedrich Gustav Jacob. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 50, Duncker & Humblot, Leipzig 1905, S. 190 f.
  • Victor Robinson: The Life of Jacob Henle. New York 1921.

Weblinks

 Wikisource: Jakob Henle – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. Gedenktafel Jakob Henle, Göttingen, Geiststraße 3 [1]


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