Fischleder

Fischleder

Fischleder wird aus der Haut von Fischen hergestellt.

Geschichte

Traditionelle Fischlederjacke der Hezhen

Fischleder ist kein neues Produkt, denn schon sehr früh wurde in Europa die Haut von Fischen zu Leder verarbeitet. In Ermangelung besser geeigneter Leder sollen während des Zweiten Weltkrieges Brandsohlen und Treibriemen aus haltbar gemachten Fischhäuten hergestellt worden sein. Im Jahre 1939 gab es in Deutschland 10 Fabriken, die neben anderen Ledersorten auch Fischleder in Handarbeit herstellten. Im Jahre 1940 wurden im Frankfurter Modeamt Kleidung und Schuhe aus Fischleder präsentiert.[1]

Selbst bei den Naturvölkern gibt es heute nur noch wenige Menschen, die diese Verarbeitung beherrschen.[2] Hier sind z. B. die Nanai in Sibirien, am Fluss Amur, zu nennen. Sie wurden von den Chinesen „Barbaren in Fischhäuten“ genannt. Sie fertigten nicht nur Kleidung aus Fischhäuten, sondern auch Zelte und Bootshäute.[3]

Auch Eskimos sind in der Lage Aalleder herzustellen. Aalleder wurde früher aus Häuten der Tiefseeaale gefertigt. Man erkennt es am charakteristischen Rückenstreifen. Tiefseeaalleder ist sehr geschmeidig, wird aber nur noch selten genutzt.

Heutige Nutzung

Handelsartikel aus Fischleder

Eine industrielle Methode der Fischlederverarbeitung wurde um 2007 in Bayern entwickelt. Auch bei dieser Verarbeitung ist das Fischleder sehr weich, elastisch und leicht. Seine Haltbarkeit entspricht den besten bekannten Ledersorten wie Rinds- und Kalbsleder. Das Material ist sehr individuell, da keine Haut der anderen gleicht. Fischleder wird zu Schuhen, Kleidern, Taschen, Krawatten, Hüten, Hosen und Accessoires verarbeitet. Der Geruch entspricht dem anderer Leder. Obwohl das Fischleder nach der Bearbeitung keine Schuppen hat, bleibt die Hautstruktur mit dem Schuppenmuster, je nach Art, erhalten.[4]

Die beliebtesten Fische für die Ledergewinnung sind Aale, Karpfen, Forellen, Lachse, Tilapia und Rochen.

Artenschutz

Fischleder sieht sehr exotisch aus, daher kann es die Haut bedrohter Reptilien durchaus ersetzen. Da es ausreichend Fischhäute nicht bedrohter Arten aus den Abfallprodukten der Fischfabriken gibt, könnte dies einen Beitrag zum Artenschutz leisten.[3]

Literatur

  • Hans Herfeld (Hrsg.): Bibliothek des Leders. 10 Bände. Umschau Verlag Frankfurt am Main 1990, ISBN 3-524-82004-2.
  • Gerhard E. Moog: Der Gerber. Handbuch für die Lederherstellung, Ulmer (Eugen), Stuttgart, 2005, ISBN 3-8001-1228-0.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Helmut Maier, Rüstungsforschung im Nationalsozialismus. Organisation, Mobilisierung und Entgrenzung der Technikwissenschaften, Wallstein Verlag, S. 228
  2. Fish-Skin Clothes,[1]
  3. 3,0 3,1 amur-art-museum
  4. Ferdinand (Hg.) Pax, Meeresprodukte. Ein Handwörterbuch der Marinen Rohstoffe, Verlag Gebr. Borntraeger Berlin, S. 95/96

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