Blattnarbe

Herzförmige vielspurige Blattnarbe bei der Echten Walnuss (Juglans regia)

Blattnarben entstehen auf den Sprossachsen von mehrjährigen Pflanzen nach dem Abfall der Blätter. Sie sind insbesondere direkt nach dem Laubfall gut erkennbar. Durch Umwandlung der äußeren Zellschichten in ein später verholzendes Cutisgewebe verblassen die Spuren mit der Zeit, aber sind in der Regel über mehrere Jahre sichtbar. Bei Bedarf kann die oberste Korkschicht mit einer scharfen Klinge sorgfältig entfernt werden, um ältere Narben zu untersuchen. Da jede Art spezifische Blattnarben aufweist, sind diese neben Knospe und Rinde für die Artbestimmung von Gehölzen im Winter ein wichtiges Merkmal. Sie finden sich immer unterhalb einer Knospe. Die Blattnarben sitzen entweder flach auf dem Zweig, oder aber auf einer mehr oder weniger starken Anschwellung des Zweiges, welche auch Blattkissen genannt wird.

Charakteristisch für Blattnarben sind neben dem Umriss die Lage und Anzahl der Leitbündel (Blattspuren oder Bündelmerkmale). Die Leitbündel ermöglichen den Stofftransport zwischen Blatt und Sprossachse während der Vegetationszeit. Beim Abfall der Blätter zerreißen sie und sind in Form von Punkten oder Strichen meist gut sichtbar. Bei einspurigen Blattnarben ist nur ein Leitbündel sichtbar, bei vielspurigen dementsprechend mehrere.

Blattnarben bilden allerdings auch oft eine Eingangspforte für Pflanzenkrankheiten, wie beispielsweise beim Baumkrebs (Nectria) oder dem Bakterienbrand (Pseudomonas mors-prunorum) bei der Kirsche.

Literatur

  • Bernd Schulz: Taschenatlas Knospen und Zweige. 270 Gehölze nach Farbzeichnungen bestimmen. Ulmer, Stuttgart. 2004
  • Ludwig Staby: Ueber den Verschluss der Blattnarben nach Abfall der Blätter. Berlin: Schade 1885. 39 S. Berlin, Phil. Diss. 1885

Weblinks

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die News der letzten 7 Tage

13.05.2021
Botanik | Klimawandel | Biodiversität | Bioinformatik
Mit Smartphones den ökologischen Wandel erfassen
Smartphone-Apps zur Pflanzenbestimmung wie „Flora Incognita“ können nicht nur Pflanzenarten erkennen, sie erfassen auch großräumige ökologische Muster.
13.05.2021
Genetik | Evolution | Immunologie
Neue Erkenntnisse über die Evolution des Immunsystems
Der menschliche Körper verfügt, wie alle anderen Lebewesen auch, über ein sogenanntes angeborenes Immunsystem.
13.05.2021
Toxikologie | Biochemie | Insektenkunde
Meerrettich-Erdfloh: Geschützt mit den Waffen seiner Nahrungspflanze
Wenn Meerrettich-Erdflöhe an ihren Wirtspflanzen fressen, nehmen sie nicht nur Nährstoffe, sondern auch Senfölglykoside, die charakteristischen Abwehrstoffe des Meerrettichs und anderer Kreuzblütengewächse, auf.
13.05.2021
Toxikologie | Insektenkunde | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Die Achillesferse eines Käfers: Glyphosat
Der Getreideplattkäfer lebt in enger Gemeinschaft mit symbiotischen Bakterien.
13.05.2021
Zoologie | Ökologie
Globaler Atlas soll große Tierwanderungen bewahren
Wildtiere soweit das Auge reicht: Millionen von Gnus ziehen gemeinsam mit Zebras, Gazellen und Antilopen durch das grüne Gras weiter Ebenen in Ostafrika.
11.05.2021
Zytologie | Physiologie | Bioinformatik
Wie man als Einzeller ans Ziel gelangt
Wie ist es ohne Gehirn und Nervensystem möglich, sich gezielt in die gewünschte Richtung zu bewegen? Einzellern gelingt dieses Kunststück offenbar problemlos.
11.05.2021
Ökologie
Studie zur Funktionsweise aquatischer Ökosysteme
Die Funktionen wassergeprägter Ökosysteme können durch hydrologische Schwankungen erheblich beeinflusst und verändert werden.
11.05.2021
Klimawandel | Meeresbiologie
Mit Bakterien gegen die Korallenbleiche
Korallen sind das Rückgrat mariner Ökosysteme der Tropen.
11.05.2021
Zoologie | Ökologie
Afrikanische Wildhunde als Botschafter für das weltweit grösste Naturschutzgebiet
Das weltweit grösste Landschutzgebiet liegt im Süden Afrikas und umfasst 52039000 Quadratkilometer in fünf Ländern.
10.05.2021
Physiologie
Orientierungssinn von Fledermäusen
Säugetiere sehen mit den Augen, hören mit den Ohren und riechen mit der Nase.
06.05.2021
Anthropologie | Ethologie
Ältestes menschliches Begräbnis in Afrika
Eine neue Studie berichtet über die älteste bekannte Bestattung eines modernen Menschen in Afrika.