Knospe

Baumknospe (Bergahorn)
Rosenknospe kurz nach der Öffnung

In der Botanik ist Knospe (Auge, Gemma) der jugendliche Zustand eines Sprosses, in welchem die Stängelglieder desselben noch ganz kurz, die an denselben befindlichen Blättern daher noch dicht zusammengedrängt und in ihrer Entwicklung ebenfalls noch wenig fortgeschritten sind. Jeder in der Fortbildung begriffene Spross endet daher in einer Knospe (Gipfel-, Haupt-, End- oder Terminalknospe).

Stellung und Verteilung

Bei vielen Pflanzen bilden sich aber auch an der Seite des Stängels und zwar in den Achseln der Blätter regelmäßig Anlagen neuer Sprosse (Seiten- oder Achselknospen, lat. Gemmae laterales s. axillares).

Ihre Verteilung am Stängel ist lediglich durch die Blattstellung bedingt, und das Blatt, welches die Knospe in seiner Achsel trägt, heißt ihr Trag-, Stütz- oder Mutterblatt.

Meistens steht nur eine einzige Knospe in der Blattachsel, doch finden sich z. B. bei Lonicera noch eine oder mehrere unmittelbar über derselben; diese nennt man Neben- oder Beiknospen (Gemmae accessoriae). Die Achselknospen bedingen die normale Verzweigung des Stängels, weil jede zu einem neuen Zweig erwächst; darum ist auch die Stellung der Zweige von der Blattstellung des Muttersprosses abhängig, und darum bleiben Stämme, welche keine Seitenknospen entwickeln, auch unverzweigt (Palmen, Baumfarne). Anderseits schlägt auch bei manchen Pflanzen regelmäßig die Gipfelknospe fehl, und es übernimmt die zunächst darunter stehende Seitenknospe, die dann leicht mit einer wahren Endknospe verwechselt werden kann, die Fortsetzung des Zweigs.

Dies kommt besonders bei Holzgewächsen (Linde, Ulme, Hainbuche, Gemeine Hasel) vor; bei Flieder (Syringa) endigt der gipfelknospenlose Zweig mit zwei gegenständigen Seitenknospen.

Eigentliche Gipfelknospen haben z. B. Eiche, Rosskastanie, Pappel, Ahorn (Fig. l) und Obstbäume. Je nach der Art des Sprosses, zu welchem sich eine Knospe entwickelt, unterscheidet man:

  • Blattknospen (Gemmae follipara), wenn sie zu einem nur mit Blättern versehenen Spross werden,
  • Tragknospen oder Fruchtaugen (Gemmae floripara), wenn sie einen blütentragenden Spross hervorbringen, endlich
  • Blütenknospen (Gemmae florales s. Alabastra), welche die noch unentfaltete Blüte selbst darstellen.

Bei allen Seitenknospen entsteht der Vegetationspunkt an der Oberfläche des Muttersprosses und zwar schon in der frühsten Periode, kurz nach oder fast gleichzeitig mit der Anlage des Tragblattes, wenngleich die vollständige Erstarkung der Knospe in ein späteres Alter des Sprosses fällt. Die so genannten zufälligen oder Adventivknospen (Gemmae adventitiae) bilden sich dagegen immer nur an schon entwickelten, oft ganz alten Pflanzenteilen, sind in ihrer Stellung ganz regellos, indem sie bald mehrzerstreut, bald haufenweise zum Vorschein kommen, wie besonders an alten Baumstämmen (Stockausschlag), und entstehen dann stets im Innern und zwar in der Kambiumschicht, so dass sie also die Rinde durchbrechen. Sie treten auch an den obersten, horizontal an der Bodenoberfläche hinlaufenden Wurzeln auf und bedingen dann einen Wurzelausschlag (Pappeln, Sauerkirschen und auch bei manchen krautigen Pflanzen, wie Taraxacum, Gänsedisteln (Sonchus) u. a.); sogar auf Blättern entstehen sie bisweilen, besonders wenn dieselben in feuchte Erde gesteckt werden, wie bei den Begonien, den Hyazinthenblättern u. a., oder auch an nicht abgelösten Blättern, wie bei Cardamine.

Aufbau

Knospen im Winter, von Eis umschlossen

An jeder Knospe unterscheidet man die Knospenachse, das heißt den noch ganz verkürzten Stängelteil, und die an dieser sitzenden, noch dicht aufeinander liegenden Blattorgane. Bei den Winterknospen unserer Holzgewächse sind die letzteren meist schuppenförmig, von mehr oder minder lederartiger Beschaffenheit und oft dunkler Farbe. Sie bedecken meist die Knospe vollständig und gewähren den zarteren, inneren Teilen einen Schutz gegen die Einflüsse der winterlichen Witterung (Knospendecken, Tegumenta; Knospenschuppen, Squamae s. Perulae); nach innen gehen sie in der Gestalt und Ausbildung allmählich in die Laubblätter über, welche in der Knospe schon angelegt sind. Knospen, welche keine Knospendecken besitzen und nur von den äußersten Laubblättern bedeckt sind, heißen nackte (Gemma nuda), z. B. beim Blutroten Hartriegel (Cornus sanguinea), Wolligen Schneeball (Viburnum lantana) und beim Faulbaum (Rhamnus frangula).

Häufig sind die äußeren Blattorgane der Knospe mit einem Überzug bekleidet, durch welchen der Schutz vor äußeren Einflüssen erhöht wird. So finden sich Haarbildungen (Gemma pubescens), noch häufiger ein klebriges, aus Harz oder Harz und Gummi bestehendes Sekret, welches die Knospenschuppen miteinander verklebt und sie überzieht (Gemma glutinosa). Sowohl die Art, wie sich die Blätter der Knospe gegenseitig decken (Deckung, Ästivation), als auch die Lage des einzelnen Blattes in der Knospe (Knospenlage, Vernation) zeigen wichtige Eigentümlichkeiten.

Siehe auch

Weblinks

Commons: Knospe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

News mit dem Thema Knospe

Die News der letzten Tage

02.02.2023
Anthropologie | Ökologie | Paläontologie
Erster Beweis für Elefantenjagd durch den frühen Neandertaler
Untersuchung von Funden in Neumark-Nord bei Halle erbringen den ersten eindeutigen Beweis für die Jagd von Elefanten in der menschlichen Evolution und neue Erkenntnisse über die Lebensweise der Neandertaler.
02.02.2023
Biochemie | Neurobiologie
Untersuchung von Prozessen im Kleinhirn
An verschiedenen Erkrankungen, die das motorische Lernen betreffen, sind Prozesse im Kleinhirn beteiligt.
01.02.2023
Biodiversität | Land-, Forst-, Fisch- und Viehwirtschaft | Ökologie
Wovon die Widerstandskraft von Savannen abhängt
Extreme klimatische Ereignisse gefährden zunehmend Savannen weltweit.
01.02.2023
Biochemie | Mikrobiologie
Proteinvielfalt in Bakterien
Als Proteinfabrik der Zelle hat das Ribosom die Aufgabe, bestimmte Teile der mRNA in ein Eiweiß zu übersetzen: Um zu erkennen, wo es damit anfangen und wieder aufhören muss, braucht es so genannte Start- und Stopcodons.
30.01.2023
Ökologie | Physiologie
Ernährungsumstellung: Die Kreativität der fleischfressenden Pflanzen
In tropischen Gebirgen nimmt die Zahl der Insekten mit zunehmender Höhe ab.
27.01.2023
Land-, Forst-, Fisch- und Viehwirtschaft | Neobiota | Ökologie
Auswirkungen von fremden Baumarten auf die biologische Vielfalt
Nicht-einheimische Waldbaumarten können die heimische Artenvielfalt verringern, wenn sie in einheitlichen Beständen angepflanzt sind.
27.01.2023
Biochemie | Botanik | Physiologie
Wie stellen Pflanzen scharfe Substanzen her?
Wissenschaftler*innen haben das entscheidende Enzym gefunden, das den Früchten der Pfefferpflanze (lat Piper nigrum) zu ihrer charakteristischen Schärfe verhilft.
26.01.2023
Biochemie | Mikrobiologie | Physiologie
Ein Bakterium wird durchleuchtet
Den Stoffwechsel eines weit verbreiteten Umweltbakteriums hat ein Forschungsteam nun im Detail aufgeklärt.
26.01.2023
Bionik, Biotechnologie und Biophysik | Botanik | Physiologie
Schutzstrategien von Pflanzen gegen Frost
Fallen die Temperaturen unter null Grad, bilden sich Eiskristalle auf den Blättern von winterharten Grünpflanzen - Trotzdem überstehen sie Frostphasen in der Regel unbeschadet.
26.01.2023
Entwicklungsbiologie | Genetik
Neues vom Kleinen Blasenmützenmoos
Mithilfe mikroskopischer und genetischer Methoden finden Forschende der Universität Freiburg heraus, dass die Fruchtbarkeit des Laubmooses Physcomitrella durch den Auxin-Transporter PINC beeinflusst wird.
26.01.2023
Klimawandel | Mikrobiologie | Mykologie
Die Art, wie Mikroorganismen sterben beeinflusst den Kohlenstoffgehalt im Boden
Wie Mikroorganismen im Boden sterben, hat Auswirkungen auf die Menge an Kohlenstoff, den sie hinterlassen, wie Forschende herausgefunden haben.
25.01.2023
Entwicklungsbiologie | Evolution
Wie die Evolution auf unterschiedliche Lebenszyklen setzt
Einem internationalen Forscherteam ist es gelungen, eines der Rätsel der Evolution zu lösen.
24.01.2023
Biochemie | Ökologie | Physiologie
Moose verzweigen sich anders... auch auf molekularer Ebene
Nicht-vaskuläre Moose leben in Kolonien, die den Boden bedecken und winzigen Wäldern ähneln.
24.01.2023
Bionik, Biotechnologie und Biophysik | Genetik
Verfahren der Genom-Editierung optimiert
Im Zuge der Optimierung von Schlüsselverfahren der Genom-Editierung ist es Forscherinnen und Forschern in Heidelberg gelungen, die Effizienz von molekulargenetischen Methoden wie CRISPR/Cas9 zu steigern und ihre Anwendungsgebiete zu erweitern.