Barschartige


Barschartige

Amerikanischer Flussbarsch (Perca flavescens)

Systematik
Teilkohorte: Eurypterygii
Ctenosquamata
Acanthomorpha
Stachelflosser (Acanthopterygii)
Barschverwandte (Percomorpha)
Ordnung: Barschartige
Wissenschaftlicher Name
Perciformes

Die Barschartigen (Perciformes), auch Barschfische genannt, sind eine Ordnung der Knochenfische. Die taxonomische Bezeichnung setzt sich aus dem griechischen "perke" (Barsch) und dem lateinischen "forma" (Form) zusammen. Zu den Barschartigen gehören der heimische Flussbarsch und der Zander, bedeutende Speisefische, wie die Makrelen und Thunfische, bekannte Aquarienfische wie die Buntbarsche und die Labyrinthfische und aus Film und Fernsehen bekannte Gruppen wie die Barrakudas oder die Clownfische.

Die Barschartigen sind mit einem Drittel der Fischarten die größte Fischordnung und auch die artenreichste Ordnung der Wirbeltiere (Vertebrata). Nelson gibt über 10.000 Arten, über 1500 Gattungen, 160 Familien und 20 Unterordnungen an. Die Barschartigen selbst, viele ihrer Unterordnungen und eine Reihe von Familien sind nur ungenügend durch abgeleitete Merkmale definiert und nicht monophyletisch.

Verbreitung

Die meisten Barschartigen leben im Meer, etwa 2000 Arten, vor allem Buntbarsche kommen ausschließlich in Süßgewässern vor und etwa 2200 Arten werden im Meer geboren, leben aber einen großen Teil ihres Erwachsenenlebens in Süßgewässern. Barschartige dominieren die küstennahe Fischfauna der tropischen und subtropischen Meere und auch verschiedene Süßwasserbiotope, so die ostafrikanischen großen Seen, die Seen Mittelamerikas und die Kraterseen Kameruns.

Merkmale

Die Körpergestalt der Barschartigen kann sehr verschieden sein. Er kann diskusförmig (Fledermausfische), spindelförmig (Thunfische) oder aalartig langgestreckt (Weißstreifen-Aalgrundel) sein. Typischerweise besitzen Barschartige zwei getrennte Rücken- und eine Afterflosse, deren vorderen Teil von Stachelstrahlen gestützt wird. Eine Fettflosse fehlt stets. Die Bauchflossen sind brustständig, können aber auch fehlen. Die Schwanzflosse hat höchstens 17 Flossenstrahlen. Der Körper der meisten Arten wird von Ctenoidschuppen (Kammschuppen) bedeckt, bei einigen Familien z. B. den Lippfischen (Labridae) sind es Cycloidschuppen (Rundschuppen). Es kommen auch schuppenlose Arten vor. Gräten, Bindegewebsverknöcherungen zwischen den Muskelsegmenten ohne Kontakt zur Wirbelsäule, fehlen. [1]

Stammesgeschichte

Paleoperca proxima aus der Grube Messel

Viele rezente Familien der Barschartigen tauchen im Eozän in der fossilen Überlieferung auf. Besonders in der norditalienischen Monte Bolca-Formation, die aus Ablagerungen der Tethys entstand, finden sich viele Fossilien barschartiger Fische. Sehr gut untersuchte frühe Barschartige sind Amphiperca und Paleoperca aus der Grube Messel. Die damaligen Vertreter weichen nicht wesentlich vom heutigen Erscheinungsbild ab, woraus geschlossen wird, das die Barschartigen in der Oberkreide und im frühen Tertiär eine Phase der beschleunigten Evolution durchgemacht haben. Wahrscheinlich stammen sie von oberkreidezeitlichen Formen ab, die den Beryciformes ähnelten und entwickelten ihre hohe Diversität in einem Zeitraum von nur 20 Millionen Jahren. Von sechs der 20 Unterordnungen sind keine Fossilien bekannt. Elf Unterordnungen sind schon seit dem Paläozän oder dem Eozän mit heute noch lebenden Gattungen vertreten. Drei weitere erscheinen im Oligozän bzw. im Miozän. [2]

Systematik

Die Barschartigen sind eine Sammelordnung, in der alle Familien untergebracht wurden, die keine der abgeleiteten Merkmale die die anderen Stachelflosser- oder Percomorphaordnungen definieren, aufweisen. Deshalb gelten die Barschartigen als paraphyletisch. Die Ordnung der Plattfische (Pleuronectiformes) und insbesondere die Panzerwangen (Scorpaeniformes), eventuell auch die Stichlingsartigen (Gasterosteiformes) und Seenadelartigen (Syngnathoidei) müssten bei einer konsequent monophyletischen Systematik möglicherweise als Unterordnungen zu den Barschartigen gezählt werden. Jede Systematik der Barschartigen und aller Stachelflosser ist deshalb nur vorläufig.

Unterordnungen

Riesen-Antarktisdorsch (Dissostichus mawsoni)
Weißkehl-Doktorfisch (Acanthurus leucosternon)

Einige Wissenschaftler erkennen heute die Ordnung der Panzerwangen (Scorpaeniformes) nicht mehr an und zählen die Unterordnungen Cottoidei (Groppen und Verwandte), Scorpaenoidei (Skorpionfische und Verwandte) und Anoplopomatoidei (Skilfische) mit allen Familien der Panzerwangen zu den Barschartigen [3].

Für eine ausführliche Systematik mit allen Unterordnungen und Familien siehe: Systematik der Barschartigen.

Literatur

  • Joseph S. Nelson: Fishes of the World. John Wiley & Sons, 2006, ISBN 0-471-25031-7
  1. Kurt Fiedler: Lehrbuch der Speziellen Zoologie, Band II, Teil 2: Fische. Gustav Fischer Verlag Jena, 1991, ISBN 3-334-00339-6
  2. Robert L. Carroll: Paläontologie und Evolution der Wirbeltiere. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1993, ISBN 3-13-774401-6.
  3. Leo Smith & Matthew Craig: Casting the Percomorph Net Widely: The Importance of Broad Taxonomic Sampling in the Search for the Placement of Serranid and Percid Fishes. Copeia 2007(1):35-55. 2007 doi:10.1643/0045-8511(2007)7[35:CTPNWT]2.0.CO;2

Weblinks

Commons: Barschartige – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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