Schimpansen wählen Freunde mit ähnlicher Persönlichkeit wie sie

Neues aus der Forschung

Meldung vom 11.10.2013

Wie Menschen schließen viele Tierarten stabile und enge Freundschaften. Bis jetzt war es jedoch unklar, wie diese Bindungen zwischen Individuen entstehen.


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Schimpanse Tushi
© Jorg Massen
Massen, J.JM., & Koski, S.E. 2013. Chimps of a feather sit together: chimpanzee friendships are based on homophily in personality. Evolution and Human Behavior,
DOI: 10.1016/j.evolhumbehav.2013.08.008

KognitionsbiologInnen der Universität Wien und der Universität Zürich haben jetzt herausgefunden, dass Schimpansen jene Artgenossen als Freunde wählen, die eine ähnliche Persönlichkeit haben wie sie selbst. Die Ergebnisse der Studie wurden im renommierten Fachjournal "Evolution and Human Behaviour" publiziert.

Jorg Massen vom Department für Kognitionsbiologie der Universität Wien erforschte gemeinsam mit Sonja Koski von der Universität Zürich die Persönlichkeit von Schimpansen in zwei Zoos. Anhand von jahrelangen Beobachtungen untersuchten sie, welche Schimpansen die meiste Zeit miteinander in Körperkontakt waren. "Das gilt als klares Zeichen von Freundschaft zwischen Schimpansen", erklärt Jorg Massen. Zudem wurden über Verhaltensexperimente die Persönlichkeitsmuster erstellt. Anschließend testeten die Wissenschaftlerinnen, ob jene Schimpansen, die häufig zusammen waren und somit Freundschaft geschlossen hatten, ähnliche oder unterschiedliche Persönlichkeitsstrukturen hatten.

"Wir fanden heraus, dass unter nicht verwandten Freunden die geselligsten und mutigsten Individuen die Gesellschaft von anderen sehr geselligen und mutigen Tieren bevorzugten, während schüchterne Schimpansen die meiste Zeit mit ähnlich scheuen Artgenossen verbrachten", so Jorg Massen. Die starke Präferenz für ähnliche Individuen ist wahrscheinlich adaptiv: Wenn die befreundeten Schimpansen ähnliche Verhaltensmuster zeigen, funktioniert die Zusammenarbeit zwischen den Tieren besser und zuverlässiger.

Diese Ergebnisse entsprechen auch dem bekannten "Ähnlichkeits-Effekt" bei Menschen: Wir tendieren zu Freundschaften mit Menschen, die ähnlich extrovertiert, freundlich und mutig sind wie wir selbst. "Es scheint, dass die Ähnlichkeit in Verhaltensmustern wie Geselligkeit und Mut das ist, was Freundschaften sowohl zwischen Schimpansen als auch zwischen Menschen entstehen lässt und sie in weiterer Folge zusammenhalten lässt. Wir vermuten, dass diese Präferenz noch von den letzten gemeinsamen Vorfahren stammt", meint Jorg Massen abschließend.


Diese Newsmeldung wurde erstellt mit Materialien von idw-online


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