Sammlungsunikat enthüllt Familienbanden

Neues aus der Forschung

Meldung vom 15.05.2018

Senckenberg-Wissenschaftler haben mit einem internationalen Team herausgefunden, dass der auf den Sanighe-Inseln endemische und vom Aussterben bedrohte Blaumonarch enge Verwandte auf den Fidschi-Inseln und in Neuguinea hat. Das hierfür mit genetischen Methoden untersuchte Belegstück aus der ornithologischen Senckenberg-Sammlung in Dresden ist einzigartig – es gibt weltweit nur ein Belegexemplar dieser Vogelart. Die Studie erschien kürzlich im Fachjournal „Biology Letters“.


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Weltweit einmalig: Blaumonarch aus der Senckenberger Vogelsammlung in Dresden.
Knud Andreas Jønsson, Mozes P.K. Blom, Martin Päckert, Per G.P. Ericson, Martin Irestedt
Relicts of the lost arc: High-throughput sequencing of the Eutrichomyias rowleyi (Aves: Passeriformes) holotype uncovers an ancient biogeographic link between the Philippines and Fiji
Molecular Phylogenetics and Evolution, Volume 120, 2018, Pages 28-32, ISSN 1055-7903
DOI: 10.1016/j.ympev.2017.11.021


Nur noch 19 bis 105 lebende Exemplare des Blaumonarchen (Eutrichomyias rowleyi) gibt es laut der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN) – der Vogel wird als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft und steht unter besonderem Schutz.

„Wir haben gemeinsam mit Kollegen vom Natural History Museum of Denmark das weltweit einzige vorhandene Sammlungsstück dieser Vogelart mit genetischen Methoden untersucht und herausgefunden, dass die Blaumonarchen anders als bisher angenommen nah mit dem Drongofächerschwanz aus Neuguinea und dem Seidenfächerschwanz von den Fidschi-Inseln verwandt sind“, erläutert Dr. Martin Päckert von den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen in Dresden, in deren Vogelsammlung das wertvolle Unikat bewahrt wird und ergänzt: „Wir schlagen daher vor, diese drei Arten in die Familie der Lamproliidae zu stellen.“

Gesammelt wurde das untersuchte Typusexemplar, ein Blaumonarchen-Männchen, bereits 1873 vom deutschen Naturforscher Adolf Bernhard Meyer. Es verging mehr als ein Jahrhundert bis es 1978 eine erneute Sichtung des Vogels durch den Ornithologen Murray D. Bruce gab. Nachdem zwischenzeitlich sogar von einem Aussterben der seltenen Vögel ausgegangen wurde, konnte in einem Langzeitprojekt Ende der 90er Jahre eine kleine Population von Silberparadiesschnäppern in fünf Tälern der indonesischen Sanighe-Inseln bestätigt werden.

Doch wie konnten die ausschließlich auf der größten der Sanighe-Inseln – Sangihe Besar – lebenden, etwa 18 Zentimeter großen Blaumonarchen die Distanz von über 6.000 Kilometern zu ihren Verwandten auf den Fidschi-Inseln überwinden?



„Vieles spricht dafür, dass es zur Zeit der Aufspaltung dieser Vogelfamilie vor etwa 20 Millionen Jahren sogenannte ‚Trittsteine’ zwischen den heute weit entfernten Inseln gab“, erläutert Päckert. Tektonische Rekonstruktionen deuten darauf hin, dass die Inselgruppen vor etwa 25 Millionen Jahren durch den melanesischen Inselbogen verbunden waren. Das internationale Team rund um den Dresdner Ornithologen vermutet, dass die Vogelfamilie ursprünglich verteilt auf den verschiedenen Inseln dieses Bogens lebte. Als sich diese innerhalb der Erdgeschichte wieder absenkten, erfolgte eine Separierung der heutigen drei Arten, so dass die Mitglieder der Familie Lamproliidae heute auf weit voneinander getrennten Inseln im Indopazifik leben.

„Unsere Studie zeigt erneut, wie wichtig unsere Sammlungen für das Verständnis des gesamten System Erdes sind und dass durch neue Methoden auch uralte Objekte überraschende wissenschaftliche Ergebnisse bringen können“, resümiert Päckert.


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