Papageien denken ökonomisch

Neues aus der Forschung

Meldung vom 23.08.2018

Wenn sie für die Zukunft eine größere Belohnung erwarten, verzichten die Vögel auf den unmittelbaren Vorteil


180828-1602_medium.jpg
 
Ein afrikanischer Graupapagei vor der Entscheidung "Futter oder Spielmarke". Der Vogel entscheidet sich in der Regel für die Marke, wenn er sie später gegen höherwertiges Futter eintauschen kann.
Anastasia Krasheninnikova, Friederike Höner, Laurie O’Neill, Elisabetta Penna & Auguste M. P. von Bayern
Economic Decision-Making in Parrots
Scientific Reports; 22. August 2018
DOI: https://doi.org/10.1038/s41598-018-30933-5


Manchmal lohnt es sich zu warten – zum Beispiel, bei einer Wahl zwischen einer sofortigen kleinen und einer großen Belohnung später. Papageien haben dies offenbar verstanden: Frei nach dem Sprichwort „Lieber die Taube auf dem Dach, als den Spatz in der Hand“ können sie lernen, wann sie einen sofortigen Vorteil ausschlagen sollten. Forscherinnen des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Seewiesen haben herausgefunden, dass die Vögel minderwertiges Futter ausschlagen, wenn sie später mit besserem Futter rechnen können – eine Fähigkeit, die ihnen womöglich das Überleben in der Natur sichert.

Manchmal müssen Menschen wie auch Tiere auf einen unmittelbaren Vorteil zugunsten eines höheren Gewinns in der Zukunft verzichten. Um zu entscheiden, ob sich das Warten auch lohnt, müssen sie ihre unmittelbaren Impulse kontrollieren und das erwartete Endergebnis einschätzen können. Um herauszufinden, ob auch Papageien dazu in der Lage sind, haben die Wissenschaftlerinnen an der Max-Planck-Forschungsstation für Vergleichende Kognition auf Teneriffa 36 Papageien aus der Loro Parque Stiftung untersucht, darunter Soldaten-, Blaukehl- und Blaukopf-Aras sowie Graupapageien. Sie brachten den Vögeln zunächst bei, Spielmarken gegen Futter auszutauschen: Unterschiedliche Marken repräsentierten dabei Getreide- und Sonnenblumenkörner sowie Walnüsse – für die Vögel Futter von niedrigem, mittlerem und hohem Wert.

Die Papageien sollten nun zwischen einer sofortigen Futterbelohnung und einer Spielmarke wählen, die sie später gegen hochwertigeres Futter eintauschen konnten. In Kontrolltests erhielten die Vögel für eine Spielmarke dagegen lediglich eine gleichwertige oder sogar eine minderwertigere Belohnung. Damit überprüften die Forscherinnen, ob die Vögel tatsächlich ökonomisch entschieden, oder ob sie die Marken aus einem anderen Grund bevorzugten.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Papageien meist nur dann auf sofortige Belohnung verzichten und sich für eine Spielmarke entscheiden, wenn deren Wert einem höher wertigeren Futter entspricht als die sofortige Belohnung. „Papageien können folglich überlegt entscheiden und ihren Gewinn maximieren“, erklärt Anastasia Krasheninnikova, die Erstautorin der Studie. Die Vögel schnitten dabei vergleichbar gut ab, wie Schimpansen in ähnlichen Versuchen.



Die Studie liefert auch Hinweise darauf, dass auch andere Faktoren die Entscheidungsfindung der Vögel beeinflussten können. So entschieden sich die Graupapageien in einigen der Kontrollversuche auch dann für eine Spielmarke anstelle des Futters, wenn sie dafür später genau dasselbe Futter erhielten. „Offenbar haben die Marken für die Vögel einen besonderen Wert bekommen, für den sie sogar bereit sind, auf schnelles Futter zu verzichten – angesichts des ausgeprägten Spieltriebs dieser Vögel, kann man sich das gut vorstellen“, erklärt Krasheninnikova.

Offenbar benötigen Papageien diese Fähigkeit, um in ihrer natürlichen Umgebung überleben zu können. "Da Papageien in der freien Natur so schwer zu verfolgen sind, wissen wir bisher aber zu wenig über die Herausforderungen, vor denen die Vögel stehen, zum Beispiel zu entscheiden, wo sie Futter suchen und wie lange sie bei einer Futterquelle bleiben sollten“, sagt die Leiterin des Forscherteams Auguste von Bayern.


Diese Newsmeldung wurde erstellt mit Materialien von idw


News der letzten 2 Wochen


Meldung vom 19.01.2019 14:41

Sehen was du fühlst

Gefühle, Motivation und Handlungen entstehen in unserem Gehirn. Eine zentrale Rolle dabei spielt die Kommunik ...

Meldung vom 19.01.2019 14:29

Wenn für Fischlarven die Nacht zum Tag wird

Biologinnen der Universität Siegen haben herausgefunden, dass Zebrafischlarven Infrarotlicht wahrnehmen könn ...

Meldung vom 19.01.2019 14:22

Süßwasserfische der Mittelmeerregion in der Klimakrise

Viele Süßwasserfische Europas sind durch den Klimawandel zukünftig stark bedroht. Dies gilt insbesondere f ...

Meldung vom 19.01.2019 14:12

Auch künstlich erzeugte Zellen können miteinander kommunizieren: Modelle des Lebens

Friedrich Simmel und Aurore Dupin, Forschende an der Technischen Universität München (TUM), ist es erstmals ...

Meldung vom 19.01.2019 14:05

Insekten lernten das Fliegen erst an Land

Analyse genetischer Daten weist auf Bodenoberfläche als Lebensraum ursprünglicher Fluginsekten hin.

Meldung vom 17.01.2019 13:47

Mieser Fraß: Wie Mesozooplankton auf Blaualgenblüten reagiert

Warnemünder MeeresforscherInnen ist es mithilfe der Analyse von stabilen Stickstoff-Isotopen in Aminosäuren ...

Meldung vom 17.01.2019 13:41

Einblicke in das Wachstum einer tropischen Koralle

Kalkbildung in Korallen: Ein doppelter Blick und dreifache Messungen erlauben neue Einblicke in das Wachstum e ...

Meldung vom 17.01.2019 13:31

Plötzlich gealtert

Coralline Rotalgen gibt es seit 130 Millionen Jahren, also seit der Kreidezeit, dem Zeitalter der Dinosaurier. ...

Meldung vom 17.01.2019 13:19

Mehr Platz für Vögel und Schmetterlinge in der Landwirtschaft

Um den schwindenden Bestand von Vögeln und Schmetterlingen im Schweizer Kulturland wieder zu erhöhen, müsse ...

Meldung vom 17.01.2019 13:14

Ernst Haeckel als Erzieher

Biologiedidaktiker der Uni Jena geben Reprint der Dodel-Schrift „Ernst Haeckel als Erzieher“ mit heraus.

Meldung vom 17.01.2019 13:10

Das Ohr aus dem 3-D-Drucker

Aus Holz gewonnene Nanocellulose verfügt über erstaunliche Materialeigenschaften. Empa-Forscher bestücken d ...

Meldung vom 17.01.2019 13:04

Menschliche Darmflora durch Nanopartikel in der Nahrung beeinflussbar

Neue Studie der Universitätsmedizin Mainz über die (patho)biologischen Auswirkungen von Nanopartikeln auf da ...

Meldung vom 10.01.2019 19:47

Erster direkter Nachweis eines Wal jagt Wal - Szenarios in früheren Ozeanen

In einer im open-access Journal PLOS ONE publizierten Studie, liefern Manja Voss, Paläontologin am Museum fü ...

Meldung vom 10.01.2019 19:33

Zahnwechsel sorgt bei Elefanten für Jojo-Effekt

Das Gewicht von Zoo-Elefanten schwankt im Laufe ihres erwachsenen Lebens in einem Zyklus von etwa hundert Mona ...

Meldung vom 10.01.2019 19:24

Intensives Licht macht schläfrig

Insekten und Säugetiere besitzen spezielle Sensoren für unterschiedliche Lichtintensitäten. Diese nehmen ge ...

Meldung vom 10.01.2019 19:11

Alpenwanderung mit Folgen: Forscher verifizieren fast 70 Jahre alte genetische Hypothese

An einer Orchideen-Population in Südtirol belegen Forscher der Universitäten Hohenheim, Zürich und Wien die ...

Meldung vom 08.01.2019 17:54

Clevere Tiere upgraden ihr Genom

Puzzlestein in der Evolution der Tintenfische entschlüsselt - Kopffüßer wie Tintenfisch, Oktopus oder Nauti ...

Meldung vom 08.01.2019 17:45

Gekommen, um zu bleiben: Drachenwels aus Ostasien in der bayerischen Donau

Die bayerische Donau ist inzwischen Heimat für viele Fisch- und andere Tierarten, die ursprünglich nie dort ...

Meldung vom 08.01.2019 17:37

Entwicklung eines grösseren Gehirns

Ein Gen, das nur der Mensch besitzt und das in der Großhirnrinde aktiv ist, kann das Gehirn eines Frettchens ...

Meldung vom 07.01.2019 16:31

Bei Blaumeisen beeinflusst das Alter der Weibchen und die Legefolge die Qualität der Eier

Brütende Blaumeisen-Weibchen stimmen die Zusammensetzung ihrer Eier auf die Bedürfnisse der aus ihnen schlü ...

Meldung vom 07.01.2019 16:03

Phytolith- und Wassergehalt von Futterpflanzen beeinflussen Zahnschmelzabrieb von Wirbeltieren

Verschiedene Futterpflanzen reiben den Zahnschmelz von Wirbeltieren unterschiedlich stark ab, was unter andere ...



26.12.2018:
Baum der Schrecken
24.11.2018:
Wenn das Meer blüht
24.11.2018:
Durchsichtige Fliegen
15.11.2018:
Plastik im Fisch
03.10.2018:
Gestresste Pflanzen

13.08.2018:
Wie Vögel lernen
20.07.2018:
Magie im Reagenzglas

18.06.2018:
Primaten in Gefahr
28.05.2018:
Störche im Aufwind
07.05.2018:
Misteln atmen anders

27.03.2018:
Kenne Deinen Fisch!
01.09.2016:
Elefanten im Sinkflug
13.12.2015:
Leben ohne Altern
22.05.2014:
Lebensraum Käse
22.05.2014:
Domino im Urwald
04.04.2014:
Nationalpark Asinara
13.03.2014:
Trend-Hobby Imker
04.09.2013:
Harmloser Terrorvogel
07.02.2013:
Wie Bienen riechen

Newsletter

Neues aus der Forschung