Invasive Wasserfrösche zu dominant für einheimische Arten

Neues aus der Forschung

Meldung vom 01.03.2016

Wasserfrösche haben sich in Mitteleuropa in den letzten zwanzig Jahren stark ausgebreitet. Mithilfe eines neuen statistischen Modells zeigen nun Forscher der Universität Basel, dass einheimische Arten wie Gelbbauchunke und Geburtshelferkröte stark unter der Zunahme der Wasserfrösche leiden.


160301-1111_medium.jpg
 
Invasive Art: Der Seefrosch wurde seit den 1960er Jahren für den menschlichen Verzehr nach Mitteleuropa importiert und gelangte dann in die Freiheit.
Foto: Christoph Buehler
Tobias Roth, Christoph Bühler und Valentin Amrhein. Estimating effects of species interactions on populations of endangered species. American Naturalist (2016)
DOI: 10.1086/685095

Die Artengemeinschaften von Tieren und Pflanzen werden oft kräftig durcheinandergewirbelt, nicht selten durch den Menschen. Während viele Arten dadurch seltener werden, gibt es aber auch einige wenige, die davon profitieren. Solche sogenannten invasiven Arten können andere Arten bejagen oder aus ihren Lebensräumen verdrängen. Einige der invasivsten Amphibien Europas stammen aus dem Wasserfrosch-Artkomplex. Insbesondere der vor allem in Osteuropa beheimatete Seefrosch tritt in der Schweiz inzwischen dominant auf. Schuld daran ist auch hier der Mensch, denn die Froschart wurde seit den 1960er Jahren für den menschlichen Verzehr nach Mitteleuropa importiert und gelangte dann in die Freiheit.

Die Basler Zoologen Tobias Roth, Christoph Bühler und Valentin Amrhein haben nun Daten von über 1000 Gewässern im Kanton Aargau benutzt, um den Einfluss der Wasserfrösche auf andere einheimische Amphibienarten mit einem neuen statistischen Modell zu untersuchen. Das kantonale Amphibienmonitoring Aargau stellte dafür die Beobachtungsdaten zur Verfügung.

Solche Daten sind allerdings oft schwer zu interpretieren: Wenn etwa von einer Art nur wenige Beobachtungen vorliegen, heisst das dann, dass die Art tatsächlich selten ist, oder wird sie nur selten gefunden? Das statistische Modell der Basler Forscher berücksichtigt die unterschiedlichen Beobachtungswahrscheinlichkeiten der Arten sowie weitere Umweltfaktoren.

Heimische Kröten werden seltener

Die Ergebnisse zeigen, dass vor allem Gelbbauchunke und Geburtshelferkröte bedeutend kleinere Bestände haben, wenn am selben Gewässer auch Wasserfrösche vorkommen. «Aufgrund unserer Analyse schätzen wir, dass die Bestände beider Arten ohne Wasserfrösche mindestens fünfmal grösser wären», sagt Christoph Bühler, Projektleiter des Amphibienmonitoring Aargau.

Wenn eine solche Konkurrenzsituation durch menschlichen Einfluss zustande kommt, müssen Naturschützer entscheiden, ob sie regulierend eingreifen sollen. Da der Einfluss des invasiven Seefrosches auf die Bestände einheimischer Arten gross ist, könnten einzelne Aktionen gegen den dominanten Frosch aus Naturschutz-Perspektive durchaus sinnvoll sein, um die Bestände einheimischer Arten zu fördern.

Die Einschätzung der Situation wird dadurch erschwert, dass es nicht der Seefrosch alleine ist, der für die Konkurrenz sorgt. Durch die Kreuzung zwischen Seefröschen und einheimischen Amphibien sind nahe verwandte Wasserfrosch-Arten entstanden, die sich ebenfalls invasiv verhalten und die aufgrund des durchmischten Erbmaterials nicht eindeutig als gebietsfremd zu bezeichnen sind.

«Klar ist hingegen, dass die Veränderungen in der Landschaft gegenwärtig die Wasserfrösche begünstigen», sagt Valentin Amrhein vom Departement Umweltwissenschaften der Universität Basel. «Kleine und schnell trocken fallende Gewässer, die von Wasserfröschen eher gemieden, aber von anderen Arten gesucht werden, sind heute selten. Die Ausbreitung von invasiven Arten wird oft durch menschliches Handeln bewusst oder unbewusst gefördert und kann nicht einfach wieder rückgängig gemacht werden.»


Diese Newsmeldung wurde erstellt mit Materialien von idw-online


News der letzten 7 Tage

www.biologie-seite.de 16 Meldungen

Meldung vom 21.05.2019

Neue Studie zeigt: Tropische Korallen spiegeln die Ozeanversauerung wider

Das Kalkskelett tropischer Korallen weist bereits Veränderungen in der chemischen Zusammensetzung auf, die au ...

Meldung vom 21.05.2019

Namenlose Fliegen

Unsere heimischen Fliegen und Mücken zählen mit knapp 10.000 bekannten Arten zu einer der vielfältigsten In ...

Meldung vom 20.05.2019

Bonobo Mütter verhelfen ihren Söhnen zu mehr Nachwuchs

Bei vielen sozialen Tierarten teilen sich Individuen die Aufgaben der Kindererziehung, doch neue Forschungserg ...

Meldung vom 20.05.2019

Auf die Größe kommt es an

Ökologe der Universität Jena und des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) ent ...

Meldung vom 20.05.2019

3D-Technologie ermöglicht Blick in die Vergangenheit

Studie identifiziert Fischarten anhand vier Millionen Jahre alter Karpfenzähne ‒ Modell zur Evolution der B ...

Meldung vom 20.05.2019

Auswirkungen von Klimaveränderungen auf die genetische Vielfalt einer Art

Über das Genom des Alpenmurmeltiers.

Meldung vom 17.05.2019

Ernst Haeckel: Vordenker hochmoderner Disziplinen

Wissenschaftshistoriker der Universität Jena erklären Ernst Haeckels Ökologie-Definition.

Meldung vom 17.05.2019

Echoortung von Fledermäusen - Exzellente Navigation mit wenig Information

LMU-Forscher widerlegen bisherige Annahmen über die Echoortung: Fledermäuse haben deutlich weniger räumlich ...

Meldung vom 17.05.2019

Neues Petersilien-Virus von Braunschweiger Forschern entdeckt space

Neues Petersilien-Virus kommt im Raum Braunschweig und anderen Teilen Deutschlands vor.

Meldung vom 16.05.2019

Bettgenosse gesucht: Wer war der erste Wirt der Bettwanzen

Ein internationales Team von Wissenschaftlern unter der kooperativen Leitung des TUD Biologen Prof. Klaus Rein ...

Meldung vom 15.05.2019

Schimpansen graben mit Werkzeugen nach Futter

Forschungsteam filmt im Zoo erstmals, wie die Menschenaffen vorgehen, um an vergrabene Leckereien zu kommen.

Meldung vom 15.05.2019

Übersatte Bakterien machen den Menschen krank

SFB 1182-Forschungsteam schlägt in einer neuen Hypothese vor, dass Entzündungskrankheiten durch ein Nahrungs ...

Meldung vom 15.05.2019

Große Fragen zur Rolle mikroskopischen Lebens für unsere Zukunft

Wie Mikroorganismen die dynamische Entwicklung unserer Erde beeinflussen.

Meldung vom 15.05.2019

Wälder tragen weniger zum Klimaschutz bei als vermutet

Eine Studie mit Beteiligung der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL könnte ein Dämp ...

Meldung vom 15.05.2019

Ausgezirpt - Drastischer Biomasseverlust bei Zikaden in Deutschland

In der April- Ausgabe der vom Bundesamt für Naturschutz herausgegebenen Zeitschrift „Natur und Landschaft ...

Meldung vom 14.05.2019

Relaisstation im Gehirn steuert unsere Bewegungen

Die Relaisstation des Gehirns, die Substantia nigra, beherbergt verschiedene Arten von Nervenzellen und ist f ...


03.05.2019
Eine Frage der Zeit
24.04.2019
Kraftwerk ohne DNA

06.03.2019
Bindung mit Folgen
16.01.2019
Plötzlich gealtert

19.12.2018
Baum der Schrecken
07.11.2018
Plastik im Fisch
28.09.2018
Gestresste Pflanzen

13.08.2018
Wie Vögel lernen

15.06.2018
Primaten in Gefahr
24.05.2018
Störche im Aufwind
01.03.2016
Kenne Deinen Fisch!
01.03.2016
Leben ohne Altern
01.03.2016
Lebensraum Käse
01.03.2016
Domino im Urwald
01.03.2016
Trend-Hobby Imker
01.03.2016
Wie Bienen riechen

Newsletter

Neues aus der Forschung