In den Farben des Regenbogens

Neues aus der Forschung

Meldung vom 10.04.2018

Madagaskar ist ein Paradies für Chamäleons. Mehr als 40% der 206 bekannten Arten leben ausschließlich auf dieser Insel. Münchner und madagassische Forscher haben nun drei neue Arten entdeckt, darunter das prächtig gefärbte Regenbogenchamäleon und eine Art mit einem Loch im Schädel. Die drei Neuentdeckungen sind nur aus sehr kleinen Verbreitungsgebieten bekannt und vermutlich stark gefährdet. Die Arbeit wurde in der Zeitschrift Zoological Journal of the Linnean Society publiziert.


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Wirbt ein Männchen von Calumma uetzi (li.) mit bunter Prachtfärbung um ein paarungsunwilliges Weibchen (re.), verdunkelt sich dieses, zeigt bunte Muster auf dem Kopf und droht mit aufgerissenem Maul.
Prötzel, D., Vences, M., Scherz, M.D., Hawlitschek, O., Ratsoavina, F. & Glaw, F.
Endangered beauties: Micro-CT osteology, molecular genetics and external morphology reveal three new species of chameleons in the Calumma boettgeri complex (Squamata: Chamaeleonidae)
Zoological Journal of the Linnean Society
DOI: 10.1093/zoolinnean/zlx112


Die Artenvielfalt Madagaskars ist einzigartig. Mehr als 420 verschiedene Reptilienarten sind von der großen Insel vor der ostafrikanischen Küste bereits bekannt, doch die Regenwälder bergen noch so manche Überraschung:

Bei einer Expedition der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) in ein abgelegenes Waldgebiet in Nord-Madagaskar entdeckten die Forscher das spektakulär gefärbte Regenbogenchamäleon Calumma uetzi. Seine volle Farbenpracht, die sich von der aller anderen Chamäleonarten sehr deutlich unterscheidet, entfaltet sich aber erst, wenn beide Geschlechter aufeinandertreffen. Dann versucht das Männchen dem Weibchen mit einem knalligen Muster aus gelb, violett und rot zu imponieren. Doch die bunten Farben allein garantieren noch keinen Erfolg. Ist das Weibchen nicht paarungswillig, droht es dem Männchen mit aufgerissenem Maul und „ärgert“ sich fast schwarz.

Eine weitere Chamäleonart fanden die Forscher nahe einer stark befahrenen Nationalstraße im Osten des Landes. In einem völlig isolierten Waldfragment mit einer Fläche von nicht einmal 15 ha lebt Calumma juliae. „Wir hoffen, dass das Gebiet so schnell wie möglich unter Schutz gestellt wird, da der Waldrest seit der Entdeckung vor zwei Jahren rasch kleiner wird, wie man auch auf Google Earth-Bildern sehen kann,“ sagt David Prötzel, Erstautor der Studie und Doktorand an der LMU. Bisher sind von dieser Art trotz intensiver Suche nur weibliche Tiere bekannt: „Wir sind sehr gespannt, wie die Männchen von Calumma juliae aussehen und wo oder in welcher Jahreszeit sie zu finden sind.“

Nur ein einzelnes Männchen wurde von der dritten neuen Art, Calumma lefona, entdeckt. Bei röntgentomografischen Untersuchungen (Mikro-CT-Scans) fiel den Forschern ein großes Loch im Schädeldach auf, das ausgerechnet direkt über dem Gehirn liegt. Ein solches Schädelloch zeigte sich nicht nur bei dieser neuen Spezies, sondern auch bei sechs weiteren Calumma-Arten, die alle in den Bergen in Höhen von mindestens 1000 m über dem Meeresspiegel leben. Der biologische Sinn dieser Schädelfenster ist noch ein Rätsel, vielleicht helfen sie den Chamäleons bei der Thermoregulation.

„Nach aktuellem Wissensstand haben alle drei neuen Chamäleonarten nur ein sehr kleines Verbreitungsgebiet und leben in Regenwäldern, die stark von Abholzung betroffen sind“, sagt Dr. Frank Glaw, Reptilienforscher an der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM), „aber derzeit werden in Madagaskar viele neue Schutzgebiete eingerichtet, die sicherlich helfen werden, Madagaskars einzigartige Artenvielfalt zu erhalten.“


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