Eingeschleppte Arten bedrohen Tiere und Pflanzen auf isolierten Inseln

Neues aus der Forschung

Meldung vom 30.08.2018

Je weiter eine Insel vom Festland entfernt ist, desto mehr vom Menschen eingeschleppte Tier- und Pflanzenarten beherbergt sie. Dies hat ein internationales Forschungsteam, an dem Wissenschaftler der Universität Göttingen beteiligt sind, herausgefunden. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences erschienen.


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Rainbow Falls nahe der Stadt Hilo auf Big Island, Hawaii. Alle Pflanzen in unmittelbarer Umgebung sind nicht-heimisch.
Moser D. et al.
Remoteness promotes biological invasions on islands worldwide
PNAS (2018)
DOI: 10.1073/pnas.1804179115


Weltweit sind Floren und Faunen stark durch die Einfuhr nicht-heimischer Arten – sogenannter Neobiota – beeinflusst. Da auf Inseln viele Tier- und Pflanzenarten endemisch sind, also ausschließlich auf „ihrer“ Insel und sonst nirgendwo auf der Welt vorkommen, stellen Neobiota auf Inseln eine besondere Gefahr für die weltweite Biodiversität dar und sind eine Hauptursache für das Artensterben. Prof. Dr. Holger Kreft und Dr. Patrick Weigelt von der Abteilung Biodiversität, Makroökologie und Biogeographie der Universität Göttingen untersuchten in dem internationalen Projekt, welches von Dr. Dietmar Moser von der Universität Wien geleitet wurde, die Anzahl heimischer sowie nicht-heimischer Säugetiere, Vögel, Reptilien, Ameisen und Pflanzen auf 257 tropischen und subtropischen Inseln.

Das Ergebnis: Wie erwartet nimmt die Anzahl heimischer Tier- und Pflanzenarten mit der Inselgröße zu und mit ihrem Isolationsgrad, also ihrer Entfernung vom Festland, ab. „Überraschenderweise haben wir allerdings in der aktuellen Studie herausgefunden, dass der Isolationsgrad einer Insel einen gegenläufigen Effekt auf die Anzahl eingeschleppter Arten hat: Neobiota nehmen mit Isolation zu“, erklärt Kreft. Je weiter eine Insel vom Festland entfernt ist, desto evolutionsgeschichtlich isolierter und eigentümlicher sind die auf ihr heimischen Arten. Das liegt daran, dass nur wenige Arten die großen Distanzen über offene Ozeane überwinden konnten, sich dann aber in Isolation an die Gegebenheiten auf der Insel angepasst haben. Da beispielsweise natürliche Fressfeinde auf Inseln häufig fehlen, haben viele Arten ihre Scheu oder Verteidigungsstrategien verloren.


 
Mungos (Herpestes javanicus) wurden auf Hawaii eingeführt, um eingeschleppte Ratten in Zuckerrohr-Plantagen (ebenfalls eingeführt) zu bekämpfen.

„Vom Menschen eingeführte Arten haben daher einige Vorteile: Sie überwinden große Distanzen mit Hilfe menschlicher Transportmechanismen und treffen vor Ort auf ungenutzte Ressourcen und eine heimische Artengemeinschaft, die auf die Neuankömmlinge weitgehend unvorbereitet ist“, so Weigelt. Biologische Invasionen auf Inseln bedrohen daher nicht nur viele Arten, sie bedrohen vor allem die ganz besonderen Arten.


Diese Newsmeldung wurde erstellt mit Materialien von idw-online


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