Brutpflege-Gen steuert Arbeitsteilung bei Ameisen

Neues aus der Forschung

Meldung vom 18.06.2018

Der Erfolg von Ameisenstaaten beruht auf einer klaren Arbeitsteilung. Welche Gene das Verhalten der Arbeiterinnen steuern, ist aber bisher kaum bekannt. WissenschaftlerInnen der Universität Mainz und des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums haben jetzt ein Gen identifiziert, dessen Aktivität die Empfindlichkeit für Brutgeruch steuert und damit das Brutpflegeverhalten von Ameisen beeinflusst. Dies zeigen genetische Untersuchungen und Experimente an der nordamerikanischen Ameisenart Temnothorax longispinosus, berichtet die Gruppe aktuell in der Fachzeitschrift „PLoS Biology“.


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Junge Ameisen der nordamerikanischen Ameisenart Temnothorax Longispinosus bei der Brutpflege.
Kohlmeier, P., Feldmeyer, B. and Foitzik, S.
Vitellogenin-like A–associated shifts in social cue responsiveness regulate behavioral task specialization in an ant
PLoS Biology 16(6): e2005747
DOI: 10.1371/journal.pbio.2005747


Im Ameisenstaat herrscht strenge Arbeitsteilung. Die Königin ist primär für die Fortpflanzung zuständig. Die Arbeiterinnen erledigen den Rest der anfallenden Aufgaben, die sich im Laufe ihres Lebens wesentlich ändern. Junge Arbeiterameisen kümmern sich um den Nachwuchs und betreiben Brutpflege. Im mittleren Alter kümmern sich Arbeiterinnen um ihre erwachsenen Nestgenossinnen. Gegen Ende ihres Lebens gehen sie dann auf Nahrungssuche.

WissenschaftlerInnen der Universität Mainz und des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums haben jetzt ein Gen identifiziert, das bei diesen wechselnden Zuständigkeiten eine zentrale Rolle spielt. „In einer Genexpressionsstudie haben wir gesehen, dass bei Brutpflegerinnen das Vitellogenin-Gen like-A viel aktiver ist als bei Arbeiterinnen, die auf Nahrungssuche gehen. Diese unterschiedliche Genaktivität beeinflusst, wie stark die Ameisen aufgabenbezogene Reize wahrnehmen. Dementsprechend ändern sich die von ihnen ausgeführten Aufgaben“, erklärt Prof. Susanne Foitzik, Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Im Anschluss an die genetischen Studien prüfte die Gruppe die Rolle des Vitellogenin-Gens like-A experimentell. Dazu wurde das Gen in jungen Arbeiterinnen der nordamerikanischen Art Temnothorax longispinosus inaktiviert. Die so manipulierten Ameisen pflegten die Brut in geringerem Maße als gleichaltrige Ameisen einer Kontrollgruppe. Stattdessen kümmerten sie sich vermehrt um erwachsene Nestgenossinnen, eine Aufgabe, die sie normalerweise erst später im Leben übernehmen.

Entsprechend theoretischer Modelle zur Aufgabenverteilung in sozialen Insekten zeigte sich, dass dieser Aufgabenwechsel damit einhergeht, dass die Ameisen für Brutgerüche weniger und für die Signale der erwachsenen Arbeiterinnen stärker empfindlich sind.



Ameisen sind wie Bienen, Wespen und Termiten soziale Insekten. Ihre komplexen Gemeinschaften sind erfolgreich, weil sich Gruppenmitglieder auf bestimmte Aufgaben spezialisieren und diese effizienter ausführen. Bisher liegen jedoch wenige Erkenntnisse dazu vor, welche Mechanismen die Spezialisierung der Arbeiterinnen steuern.

„Lediglich bei Honigbienen wurde bisher ein Gen nachgewiesen, das die Sammelaktivität steuert. Mit unserem Erstnachweis eines Gens bei Ameisen, das die Brutpflege – also eine weitere wichtige Aufgabe – reguliert, schließen wir eine Wissenslücke in der genetisch basierten Verhaltenssteuerung sozialer Insekten“, resümiert Dr. Barbara Feldmeyer, Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum.


Diese Newsmeldung wurde erstellt mit Materialien von idw-online


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