Bestände des invasiven Kalikokrebses reduzieren und heimische Arten schützen

Neues aus der Forschung

Meldung vom 24.04.2018

Wissenschaftler der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe haben Maßnahmen entwickelt, um Kleingewässer erfolgreich vor der Besiedelung durch den Kalikokrebs zu schützen / Staatssekretär Dr. Andre Baumann (Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg) informierte sich über das Forschungsprojekt des Instituts für Biologie und Schulgartenentwicklung / Gefördert wird das Forschungsvorhaben von der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg


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Kalikokrebse breiten sich schnell und massiv aus. Weibchen haben durchschnittlich 150 Eier.
Regina Schneider
Bestände des invasiven Kalikokrebses reduzieren und heimische Arten schützen
Pädagogische Hochschule Karlsruhe

Die Bestände des hochinvasiven Kalikokrebses in Kleingewässern am Oberrhein nachhaltig zu reduzieren, ist Ziel eines Forschungsprojekts am Institut für Biologie und Schulgartenentwicklung der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe. Die ursprünglich aus Nordamerika stammenden Flusskrebse vernichten schützenswerte Amphibien- sowie Libellenbestände.

Mitarbeiter des Instituts für Biologie und Schulgartenentwicklung stellten Staatssekretär Dr. Andre Baumann (Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg) und Rheinstettens Oberbürgermeister Sebastian Schrempp am 23. April Maßnahmen vor, die Kleingewässer erfolgreich vor der Besiedlung durch den Krebs schützen. Hierzu zählen beispielsweise Baumstammbarrieren, die nur Kalikokrebse nicht überwinden können, sowie Verkiesungen des Ufers. Letztere verhindern, dass die Krebse Gänge bauen, in denen sie sogar das Austrocknen der Gewässer überleben. Außerdem kommen Lochsteine zum Einsatz, mit denen die Krebse zwecks Monitoring amphibienschonend gefangen werden können.

Biologische Vielfalt erhalten

Staatssekretär Baumann betonte: „Der Erhalt der biologischen Vielfalt als einer unserer wesentlichen Lebensgrundlagen stellt eine Herausforderung dar, der sich nicht nur der ‚klassische‘ Naturschutz stellen muss. Vielmehr ist dies eine Herausforderung, die konzentriertes und koordiniertes Handeln in vielen Verwaltungs- und Politikbereichen erfordert. Invasive Krebsarten gefährden nicht nur unsere heimischen drei Krebsarten. Der Kalikokrebs bedroht sogar durch hohe Dichten in Naturschutzteichen Zielarten wie Gelbbauchunke, Europäischen Laubfrosch, Kammmolch, Springfrosch und Teichmolch aber auch Libellen wie den Großen Blaupfeil, die Große Heidelibelle, Spitzenfleck und Frühe Adonislibelle.“

Rheinstettens Oberbürgermeister Sebastian Schrempp sagte: „In den letzten Jahren habe ich bei meinen Touren mit dem Kanadier auf dem Altrhein und beim Angeln an unseren Gewässern die dramatische Ausbreitung des Kalikokrebses beobachten können. Mich besorgt die Aggressivität, mit der die Kalikokrebse gegen unsere heimische Tier- und Pflanzenwelt vorgehen und bisher überall, wo sie aufgetaucht sind, zu Lasten der anderen Wasserbewohner obsiegt haben.“

Kalikokrebs breitet sich am Oberrhein immer weiter aus

„Die von uns vorgestellten Maßnahmen sind enorm wichtig, denn der Kalikokrebs breitet sich am Oberrhein immer weiter aus und stellt eine der größten Bedrohungen für die Biodiversität heimischer Gewässer dar“, informierte Prof. Dr. Andreas Martens, Leiter des Instituts für Biologie und Schulgartenentwicklung. Außerdem führt das Massenaufkommen des Krebses zu einer starken Trübung der Gewässer. Einen Eindruck davon konnten sich Dr. Baumann, Sebastian Schrempp sowie Vertreter des Regierungspräsidiums Karlsruhe am sogenannten „Milchkaffeegewässer“ machen.

Statt in klares Wasser blickten die Exkursionsteilnehmer hier in milchkaffeebraunes. „Die Trübung entsteht, weil die Krebse das Feinsediment aufwirbeln. Dadurch sind sie auch für Störche und Reiher schlechter zu finden“, erläuterte Karsten Grabow, Akademischer Mitarbeiter am Institut für Biologie und Schulgartenentwicklung. Im Gegensatz zu heimischen Flusskrebsarten ist der Kalikokrebs außerdem in der Lage über Land zu wandern und in Amphi­bienschutzteichen sowie Kleinge­wässern zu überleben, die im Sommer hohe Wassertemperaturen aufweisen. Auch das trägt zur schnellen und massiven Ausbreitung bei.

Amphibien und Libellen schützen

Im Rahmen des Forschungsprojekts „Management des invasiven Kalikokrebses zum Schutz von Amphibien und Libellen in Kleingewässern“, das von der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg aus Erträgen der Glücksspirale mit rund 110.000 Euro gefördert wird, entwickeln die Wissenschaftler nachhaltige Management­maßnah­men, um die Bestände des Kalikokrebses zu reduzieren. Fernziel des Projekts ist es, Amphibien wie Kammmolche, Laub-, Moor- und Springfrösche, Kleinfische und Libellen langfristig zu schützen sowie Konzepte zur Anlage von Kleingewässern zu entwickeln, die vor der Besiedelung durch den Kalikokrebs geschützt sind. Auch das Regierungspräsidium Karlsruhe ist fachlich eingebunden und unterstützt die Arbeit der Naturwissenschaftler.

Hintergrundinfos zum Kalikokrebs

Die Heimat des Kalikokrebses ist Nordamerika. Die Tiere erreichen eine Gesamtlänge von circa 8 bis 9 Zentimetern. Mit etwa 5 Zentimetern werden sie geschlechtsreif. Unter unseren klimatischen Bedingungen schlüpft die Brut im späten Frühjahr, zumindest ein Teil der Krebse kann bereits im ersten Jahr geschlechtsreif werden. Mit bis zu 495 Eiern pro Weibchen (Durchschnitt: 150) haben Kalikokrebse eine hohe Fortpflanzungsrate und können Massen­bestände mit 45 Krebsen pro Quadratmeter Wasserfläche entwickeln.

Kalikokrebse gehen über Land und besiedeln so auch isolierte Gewässer, im Frühjahr wandern selbst die Eier tragenden Weibchen. Der Kalikokrebs überträgt - wie alle amerikanischen Flusskrebs-Arten - den Erreger der Krebspest, ohne daran selbst unter normalen Bedingungen ernsthaft zu erkranken. Werden einheimische Flusskrebse damit infiziert, ist ein dramatisches Sterben vorprogrammiert. Darüber hinaus ist der Kalikokrebs gegenüber anderen bei uns vorkommenden Flusskrebs-Arten ziemlich aggressiv. Kalikokrebse dürfen daher auf keinen Fall weiterverbreitet werden. Insbesondere sollten sie nicht in Gartenteiche eingesetzt werden, denn von dort können sie leicht entkommen und zu Gewässern gelangen, die in der Nähe liegen.


Diese Newsmeldung wurde erstellt mit Materialien von idw-online


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