Wo Honigbienen zu Hause sind

Neues aus der Forschung

Meldung vom 24.04.2018

Nur die Wenigsten wissen von natürlich nistenden Bienenvölkern. Deren Wohnungen sind kaum erforscht. Wissenschaftler der Universität Würzburg wollen das nun ändern.


180429-0201_medium.jpg
Kohl PL, Rutschmann B
The neglected bee trees: European beech forests as a home for feral honey bee colonies
PeerJ 6:e4602
DOI: 10.7717/peerj.4602

 
Wildlebende Honigbienen in einem Baum.

Der Nationalpark Hainich in Thüringen ist einer der größten zusammenhängenden Laubwälder in Mitteleuropa. Neben Buchen gibt es dort verschiedene Ahorn- und Lindenarten, die reiche Nektar- und Pollenquellen für Honigbienen und andere bestäubende Insekten darstellen. Die Wälder des Biosphärengebiets Schwäbische Alb haben ein detailliertes Verzeichnis von Bäumen mit Schwarzspechthöhlen. Verlassene Schwarzspechthöhlen können für Wildbienen geeigneten Unterschlupf bieten. Beide Wälder wurden bisher noch nie systematisch auf die Besiedlung durch Honigbienen untersucht.

Zudem sind bisher “Bienenbäume”, die natürlichen Wohnungen von Bienen, kaum erforscht, und es gibt keine wissenschaftlichen Daten aus Europa über wild lebende Bienenkolonien, die ohne menschliches Eingreifen in Wäldern leben. Benjamin Rutschmann und Patrick Kohl, Wissenschaftler von HOneyBee Online Studies (HOBOS), ein Honigbienenprojekt an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) und vom Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie an der JMU wollen das ändern und haben sich im Wald auf die Suche nach wild lebenden Honigbienen gemacht.

Buchenwälder als Zuhause für wild lebende Honigbienen

Im Nationalpark Hainich und im Biosphärengebiet Schäbische Alb, haben sie die Bienen gezählt und die Koloniedichte erfasst. Eine für Honigbienen geeignete Höhle benötigt ein Volumen von mindestens 20 Liter, damit die Bienen genug Honig zum Überwintern horten können. Schwarzspechte können Baumhöhlen solcher Größe schaffen, sodass deren verlassene Wohnungen eine wichtige Ressource für Honigbienen in bewirtschafteten Wäldern darstellen könnten.

In den Buchenwäldern des Biosphärengebiets Schwäbische Alb untersuchten die Wissenschaftler deshalb knapp 100 Habitatbäume mit alten Schwarzspechthöhlen auf das Vorkommen von Honigbienenvölkern. Sieben Prozent dieser Buchen waren von Honigbienen besetzt. “Wenn Habitatbäume mit Schwarzspechthöhlen in bewirtschafteten Wäldern geschützt werden, hilft das womöglich auch den wild lebenden Honigbienen, welche bis zum jetzigen Zeitpunkt komplett ohne Schutz dastehen”, sagt Benjamin Rutschmann.

Im Hainich verfolgten Kohl und Rutschmann die Heimflugrouten von Bienen, welche an künstlichen Futterstellen sammelten. Auf diese Weise entdeckten sie zahlreiche Bienenbäume im Nationalpark.

Bienenkolonien leben nicht nur am Waldrand

Benjamin Rutschmann und Patrick Kohl fanden heraus, dass wild lebende Honigbienenvölker regelmäßig in Baumhöhlen in naturnahen Buchenwäldern mit Dichten von mindestens 0,11 bis 0,14 Kolonien pro Quadratkilometer leben. Die Dichte von natürlich nistenden Kolonien in abgelegenen Wäldern ist also gering, und Kolonien nisten einzeln, in weit voneinander getrennten Baumhöhlen. Allerdings ist die Verteilung der Bienenkolonien nicht auf die Waldränder beschränkt. Die Tiere leben auch tief im Wald, im Hainich auch mehrere Kilometer vom nächsten Bienenstand entfernt.

Um zu testen, wie weit Bienenschwärme von “Imkervölkern” am Waldrand in das Waldgebiet eindringen, simulierten Kohl und Rutschmann solche Ereignisse und beobachteten am Waldrand aufgestellte Schwärme. Die Bienentänze der Spurbienen zeigten ihnen, dass die Bienen vor allem in einem Umkreis von maximal 500 Metern Höhlen suchen. Diese Höhlen befinden sich größtenteils außerhalb des Waldes oder am Waldrand. Dieses Ergebnis legt nahe, dass tiefer im Wald befindliche Bienenbäume nicht direkt von entflohenen Schwärmen besiedelt wurden. Vielmehr ist es wahrscheinlich, dass Schwärme das Innerste des Waldes in mehreren Schritten, über mehrere Jahre hinweg besiedelt haben.

Die Studie liefert den Startpunkt für eine genaue Erforschung der Populationsdynamik und Ökologie dieser wild lebenden Honigbienen in Europäischen Waldgebieten. “Schon jetzt deutet unsere Studie an, dass immer eine gewisse Anzahl von Bienenvölkern wild in Waldgebieten leben. Das heißt: Egal wie lange das einzelne Bienenvolk im Wald überdauert, ständig werden wild lebende Honigbienen mit anderen Waldbewohnern interagieren. Dieser Aspekt der Honigbienenbiologie ist weitgehend unerforscht”, sagt Patrick Kohl.

BEEtrees-Projekt

Im Rahmen des BEEtrees-Projekts werden natürlich nistende Honigbienenvölker in Europa erforscht. Die Wissenschaftler wollen deren Häufigkeit und geographische Verteilung erfassen, sowie das Nestklima und das Mikro-Ökosystem in den Baumhöhlen untersuchen. Zudem interessieren sie sich für deren Überlebensraten, die Volksgröße, die Schwarmneigung, den Parasitenbefall sowie auch deren Gesundheitszustand.


News der letzten 2 Wochen


Meldung vom 11.12.2018 17:36

Ausweitung des Energiepflanzenanbaus ist für Natur genauso schädlich wie der Klimawandel

Eigentlich profitiert die Natur vom Klimaschutz, für den die Bioenergie lange als Heilsbringer galt. Um das 1 ...

Meldung vom 11.12.2018 17:28

Klein und vielseitig: Schlüsselorganismen im marinen Stickstoffkreislauf nutzen Cyanat und Harnstoff

Ammoniak-oxidierende Archaeen, oder Thaumarchaea, zählen zu den häufigsten Mikroorganismen im Meer. Allerdin ...

Meldung vom 11.12.2018 17:23

Neues über ein Pflanzenhormon

Das Pflanzenhormon Jasmonsäure übernimmt auch eine Funktion, die bislang unbekannt war: Es sorgt dafür, das ...

Meldung vom 11.12.2018 17:15

Regensburger Biologen heben „versteckten Schatz“

Schlammpackungen halten fit – zumindest scheint das für Samen von einer Reihe von Pflanzenarten zu stimmen. ...

Meldung vom 11.12.2018 17:12

Drei Nervenzellen reichen, um eine Fliege zu steuern

Uns wirft so schnell nichts um. Eine Fruchtfliege kann dagegen schon ein kleiner Windstoß vom Kurs abbringen. ...

Meldung vom 06.12.2018 14:53

Durchs Netz gefallen - Weniger Tagfalter auch in Schutzgebieten

Wie ein Rettungsnetz für die Artenvielfalt zieht sich das Schutzgebietssystem „Natura 2000“ quer durch di ...

Meldung vom 06.12.2018 14:44

Erfolgreich seit mindestens 99 Millionen Jahren

Biologen der Universität Jena finden frühesten Beweis für Parasitismus bei Fächerflüglern.

Meldung vom 06.12.2018 14:39

Mehr Diversität als zuvor

Eine Studie der Universitäten Konstanz und Glasgow findet Hinweise auf die Erholung eines Ökosystems nach ei ...

Meldung vom 06.12.2018 14:32

Wie Lärchen den hohen Norden Sibiriens erobern

Rekonstruktion der Entwicklung riesiger Lärchenwälder Sibiriens: Verbreitungsgrenzen verschiedener Lärchena ...

Meldung vom 30.11.2018 17:16

UFZ-Modelle im Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA (European Food Safety Authority) hat einen neuen wi ...

Meldung vom 30.11.2018 17:08

Gesundheitsrisiko Brille

Kann ich mich an meiner eigenen Brille anstecken? Und wie sollte ich sie reinigen, um eine Infektionsgefahr ge ...

Meldung vom 30.11.2018 16:57

Klimaflüchtling Kabeljau

Aktuelle Untersuchungen von AWI-Forschern zeigen, dass sich die Überlebenschancen für den Nachwuchs wichtige ...

Meldung vom 30.11.2018 16:10

Düngen führt zum Schmetterlingssterben - Hohe Stickstoffkonzentration in der Wirtspflanze

Die Düngung von Pflanzen führt zum Schmetterlingssterben: Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, an der apl. ...

Meldung vom 30.11.2018 16:07

Gedankenlesen bei Ratten

Wissenschaftler können vorhersagen, wohin eine Ratte als nächstes gehen wird, je nachdem, wie Neuronen in ih ...


24.11.2018:
Wenn das Meer blüht
24.11.2018:
Durchsichtige Fliegen
15.11.2018:
Plastik im Fisch
03.10.2018:
Gestresste Pflanzen

13.08.2018:
Wie Vögel lernen
20.07.2018:
Magie im Reagenzglas

18.06.2018:
Primaten in Gefahr
28.05.2018:
Störche im Aufwind
07.05.2018:
Misteln atmen anders

27.03.2018:
Kenne Deinen Fisch!

01.09.2016:
Elefanten im Sinkflug
13.12.2015:
Leben ohne Altern
22.05.2014:
Lebensraum Käse
22.05.2014:
Domino im Urwald
04.04.2014:
Nationalpark Asinara
13.03.2014:
Trend-Hobby Imker
04.09.2013:
Harmloser Terrorvogel
07.02.2013:
Wie Bienen riechen

Newsletter

Neues aus der Forschung