Zungarowels


Zungarowels

Zungaro zungaro, Zeichnung von Castelnau

Systematik
Unterkohorte: Ostariophysi
Otophysi
Ordnung: Welsartige (Siluriformes)
Familie: Antennenwelse (Pimelodidae)
Gattung: Zungaro
Art: Zungarowels
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Zungaro
Bleeker, 1858
Wissenschaftlicher Name der Art
Zungaro zungaro
(Humboldt, 1821)

Der Zungarowels (Zungaro zungaro) ist ein südamerikanischer Riesenwels aus der Familie der Antennenwelse, der in den großen Strömen und Flüssen vorkommt.

Beschreibung

Der von angelsächsischen Autoren als Giant Jelly Catfish oder Gilded Catfish beschriebene Wels, wird in Brasilien Jaú und in Argentinien Manguruyú genannt. Die 1877 von Franz Steindachner beschriebene Art Paulicea luetkeni ist mit dem Zungarowels identisch. Ebenso synonym ist das Taxon Brachyplatystoma flavicans. Es werden drei Unterarten unterschieden: Zungaro z. jahu[1] bzw. Zungaro z. mangurus und die Nominatform Zungaro z. zungaro.[2]

Der Zungarowels erreicht ein Gewicht von 50 Kilogramm. Der momentane IGFA-Weltrekord liegt bei 49,44 kg, dieses Exemplar wurde im Rio Urariquera, im Bundesstaat Roraima in Brasilien gefangen.[3] Es sind jedoch schon Gewichte von bis zu 150 Kilogramm und eine Länge von 1,5 Meter bekannt geworden. Angebliche Längenangaben von über zwei Meter sind nicht bestätigt. Er ist durch einen breiten, abgeflachten Kopf charakterisiert. Sein Maul ist mit scharfen Zähnen ausgestattet. Die Fettflosse ist klein. Die erwachsenen Fische sind kaffeebraun, die juvenilen Fische gräulichgelb mit dunklen Flecken in Form eines U oder eines C am Rücken oder an der Fettflosse.

Verbreitung

Zungarowelse haben ihr Hauptverbreitungsgebiet in der nördlichen und zentralwestlichen Amazonasregion in Brasilien, Peru und Bolivien, im Einzugsgebiet des Araguaia-Tocantins und des Rio São Francisco in Ostbrasilien. In Kolumbien findet man lokale Populationen von ihnen im Río Magdalena, im Orinoco in Venezuela außerdem im Río Paraguay, Río Iguazú, Río Paraná und Río de la Plata in Argentinien. In São Paulo, Minas Gerais und Paraná ist er teilweise eingeführt.[4]

Lebensweise

Der Zungarowels ist ein nachtaktiver Wels, der in tiefen Gewässern und stromaufwärts der großen Ströme im schlammigen Grund vorkommt. Man findet ihn häufig im Hauptstrom des Flusses an tiefen ausgespülten Stellen, Vertiefungen unterhalb von Stromschnellen und Wasserfällen. Während der Trockenperiode folgt er den Futterfischen, hauptsächlich Prochilodus lineatus, denen er auch auf dem Weg zu ihren Laichgründen stromaufwärts folgt. Während der Regenzeit dringen Zungarowelse auch weit in die Überschwemmungsauen vor. Er ernährt sich überwiegend von Fischen und anderen Kleintieren.[4] Der Jaú entwickelt am Rio de la Plata ein ausgesprochenes Wanderverhalten. Auch hat man im Rio Grande / Minas Gerais Welse markiert, die später im 8 bis 20 Meter tiefen Flussbetts im Funil Stausees wiedergefangen wurden.[5] Die Laichreife ist ab einem Gewicht von ca. 10 Kilogramm und einer Länge von ca. 70 Zentimetern erreicht, dabei können die Eierstöcke der Rogner über drei Millionen Eier enthalten. Bevorzugt laicht der Zungarowels im Mündungsgebiet großer Flüsse ab. Im Rio Paraná haben Zungarowels in den Monaten Dezember bis Februar Laichzeit.

Nutzung

Als Sportfisch hat er eine gewisse Bedeutung.[4] Als Speisefisch ist er aufgrund seiner Fleischkonsistenz in Amazonien nicht sehr geschätzt, eine größere Bedeutung spielt er in Südostbrasilien. Der Bestand im Rio Paraná und Rio Paraguay ist durch Überfischung bereits stark bedroht. In ihrem ursprünglichen südlichen Verbreitungsgebiet sind sie in natürlichen Gewässern bereits vielerorts verschwunden.

Weblinks

Commons: Zungarowels (Zungaro zungaro) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

Die News der letzten Tage

30.01.2023
Ökologie | Physiologie
Ernährungsumstellung: Die Kreativität der fleischfressenden Pflanzen
In tropischen Gebirgen nimmt die Zahl der Insekten mit zunehmender Höhe ab.
27.01.2023
Land-, Forst-, Fisch- und Viehwirtschaft | Neobiota | Ökologie
Auswirkungen von fremden Baumarten auf die biologische Vielfalt
Nicht-einheimische Waldbaumarten können die heimische Artenvielfalt verringern, wenn sie in einheitlichen Beständen angepflanzt sind.
27.01.2023
Biochemie | Botanik | Physiologie
Wie stellen Pflanzen scharfe Substanzen her?
Wissenschaftler*innen haben das entscheidende Enzym gefunden, das den Früchten der Pfefferpflanze (lat Piper nigrum) zu ihrer charakteristischen Schärfe verhilft.
26.01.2023
Biochemie | Mikrobiologie | Physiologie
Ein Bakterium wird durchleuchtet
Den Stoffwechsel eines weit verbreiteten Umweltbakteriums hat ein Forschungsteam nun im Detail aufgeklärt.
26.01.2023
Bionik, Biotechnologie und Biophysik | Botanik | Physiologie
Schutzstrategien von Pflanzen gegen Frost
Fallen die Temperaturen unter null Grad, bilden sich Eiskristalle auf den Blättern von winterharten Grünpflanzen - Trotzdem überstehen sie Frostphasen in der Regel unbeschadet.
26.01.2023
Entwicklungsbiologie | Genetik
Neues vom Kleinen Blasenmützenmoos
Mithilfe mikroskopischer und genetischer Methoden finden Forschende der Universität Freiburg heraus, dass die Fruchtbarkeit des Laubmooses Physcomitrella durch den Auxin-Transporter PINC beeinflusst wird.
26.01.2023
Klimawandel | Mikrobiologie | Mykologie
Die Art, wie Mikroorganismen sterben beeinflusst den Kohlenstoffgehalt im Boden
Wie Mikroorganismen im Boden sterben, hat Auswirkungen auf die Menge an Kohlenstoff, den sie hinterlassen, wie Forschende herausgefunden haben.
25.01.2023
Entwicklungsbiologie | Evolution
Wie die Evolution auf unterschiedliche Lebenszyklen setzt
Einem internationalen Forscherteam ist es gelungen, eines der Rätsel der Evolution zu lösen.
24.01.2023
Biochemie | Ökologie | Physiologie
Moose verzweigen sich anders... auch auf molekularer Ebene
Nicht-vaskuläre Moose leben in Kolonien, die den Boden bedecken und winzigen Wäldern ähneln.
24.01.2023
Bionik, Biotechnologie und Biophysik | Genetik
Verfahren der Genom-Editierung optimiert
Im Zuge der Optimierung von Schlüsselverfahren der Genom-Editierung ist es Forscherinnen und Forschern in Heidelberg gelungen, die Effizienz von molekulargenetischen Methoden wie CRISPR/Cas9 zu steigern und ihre Anwendungsgebiete zu erweitern.
24.01.2023
Ökologie | Zoologie
Kooperation der männlichen australischen Spinnenart Australomisidia ergandros
Forschende konnten in einer Studie zeigen, dass Männchen der australischen Spinne Australomisidia ergandros ihre erjagte Beute eher mit den anderen Mitgliedern der Verwandtschaftsgruppe teilen als die Weibchen.
24.01.2023
Bionik, Biotechnologie und Biophysik | Physiologie
Mutante der Venusfliegenfalle mit Zahlenschwäche
Die neu entdeckte Dyscalculia-Mutante der Venusfliegenfalle hat ihre Fähigkeit verloren, elektrische Impulse zu zählen.
23.01.2023
Biochemie | Physiologie
neue Einblicke in Mechanismen der Geschmackswahrnehmung
Die Komposition der Lebensmittel, aber auch die Speisenabfolge ist für das perfekte Geschmackserlebnis eines Menüs entscheidend.
19.01.2023
Biodiversität | Neobiota | Ökologie
Starke Zunahme von gebietsfremden Landschnecken
Invasive Landschneckenarten können heimische Arten verdrängen und der menschlichen Gesundheit schaden.