Taipane

Taipane

Inlandtaipan (Oxyuranus microlepidotus)

Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
Familie: Giftnattern (Elapidae)
Gattung: Taipane
Wissenschaftlicher Name
Oxyuranus
Kinghorn 1923

Taipane (Oxyuranus) sind eine in Australien und Papua-Neuguinea verbreitete Gattung der Schlangen aus der Familie der Giftnattern (Elapidae). Eine der insgesamt drei Arten (O. temporalis) wurde erst 2007 anhand eines 2006 gefundenen Exemplars beschrieben, für diese Art liegen daher nur sehr wenige Angaben vor. Die Arten haben ein extrem wirksames, neurotoxisches und die Blutgerinnung störendes Gift; aufgrund ihrer Scheu vor Menschen und der abgelegenen Lebensräume von zwei der drei Arten sind Taipane medizinisch jedoch kaum relevant.

Merkmale

Körperbau

Taipane sind große bis sehr große Giftnattern. Die Kopf-Rumpf-Länge adulter Individuen beträgt 78,3-226,0 cm, bei O. scutellatus erreicht der Schwanz 19-20 % der Kopf-Rumpf-Länge, beim bisher einzigen bekannten Exemplar von O. temporalis 14,8 %. Taipane sind damit die größten Giftnattern Australiens. Die Tiere sind schlank gebaut, der Kopf ist groß, rechteckig und deutlich vom relativ schlanken Hals abgesetzt. Die Geschlechter unterscheiden sich hinsichtlich Größe und Färbung nicht.

Beschuppung

Wie alle Giftnattern haben auch Taipane auf dem Oberkopf neun große, symmetrische Schilde. Die Tiere haben ein oder zwei primäre Temporalia und sechs oder sieben Infralabiala, Subocularia fehlen. Die Rückenschuppen sind glatt oder leicht gekielt. Die Anzahl der Bauchschuppen (Ventralschilde) variiert zwischen 211 und 250, die Zahl der geteilten Subcaudalia zwischen 45 und 80. Das Analschild ist ungeteilt. Die Tiere haben 21-25 dorsale Schuppenreihen in der Körpermitte.

Färbung

Die Grundfarbe der Oberseite ist variabel hellbraun, dunkelbraun, rotbraun, kupferrot oder oliv. Der Taipan zeigt auf dieser Grundfarbe keine Zeichnung, der Inlandtaipan zeigt vor allem in der hinteren Körperhälfte eine schmale dunkle Bänderung. Der Kopf ist beim Taipan deutlich, beim Inlandtaipan nur schwach oder gar nicht aufgehellt. Die Unterseite ist beim Taipan weißlich, beim Inlandtaipan gelb.

Verbreitung und Lebensraum

Die Gattung kommt in Australien und auf Neuguinea vor. Das Verbreitungsgebiet des Taipans umfasst küstennahe Regionen von Ost- bis Nordaustralien sowie in Papua-Neuguinea. Die Art bewohnt dort tropische Savannen und Wälder mit Jahresniederschlägen über 800 mm. Die beiden anderen Arten sind auf das Innere Australiens beschränkt und besiedeln sehr trockene Halbwüsten mit Jahresniederschlägen unter 300 mm.

Systematik

Die Gattung umfasst drei Arten, von denen eine (O. temporalis) erst 2007 beschrieben wurde:

Die nächsten Verwandten der Taipane sind die Braunschlangen (Pseudonaja).[1]

Lebensweise

Taipan und Inlandtaipan sind überwiegend tagaktiv, auch das bisher einzige bekannte Exemplar von O. temporalis wurde tagsüber aktiv angetroffen. Alle Arten sind, soweit bekannt, bodenbewohnend.

Ernährung

Taipane ernähren sich im Gegensatz zu allen anderen Giftnattern Australiens ausschließlich von warmblütigen (homoiothermen) Tieren. Bei Magenuntersuchungen wurden bisher fast ausschließlich Säugetiere als Beute nachgewiesen, nur einmal auch ein Vogel. Das Spektrum der erbeuteten Säuger ist sehr breit und umfasst sowohl Nagetiere als auch kleine Beuteltiere bis zur Größe von Ratten (Rattus sp.).[2] Auch junge Individuen fressen offenbar nur homoitherme Tiere, in Gefangenschaft wurden Reptilien und Amphibien nicht beachtet. Die Beute wird aktiv gesucht, Taipane nutzen hierzu ihren Geruchs- und den offenbar hervorragend ausgebildeten Sehsinn. Die Beute wird blitzschnell gebissen und sofort wieder losgelassen. Dies gilt zusammen mit dem extrem wirksamen Gift als Anpassung an die sehr wehrhafte Beute, die anderenfalls die Schlange gefährden könnte. Die Beute wird verzehrt, wenn sie tot oder bewegungsunfähig ist.

Fortpflanzung

Alle Arten sind eierlegend (ovipar). Weibchen mit Eiern im Körper wurden von August bis November gefunden, die Eiablage findet von September bis März statt. Die Gelege umfassen nach Freiland- und Haltungsbeobachtungen 7 bis 20 Eier. In Gefangenschaft schlüpfen die Jungschlangen nach 64-69 Tagen, sie haben beim Schlupf Kopf-Rumpf-Längen von 30-34 cm.

Verhalten gegenüber Menschen

Der Taipan ist sehr scheu und weicht Menschen aufgrund seines sehr guten Gesichtssinnes frühzeitig aus. Begegnungen des Menschen mit Inlandtaipanen sind extrem selten, die Art wurde nach der Erstbeschreibung im Jahr 1879 erst 1967 wiederentdeckt. Beide Arten beißen nur, wenn sie plötzlich mit Menschen konfrontiert oder in die Enge getrieben werden. In diesen Fällen wehren sich die Tiere vehement und beißen oft mehrfach zu.

Gift

Wirkung

Das Gift ist vor allem neurotoxisch, hat aber auch Komponenten, die die Blutgerinnung stören. Das Neurotoxin blockiert praesynaptisch die Signalübertragung auf die Muskulatur und verursacht so Lähmungen. Die durchschnittliche Giftmenge je Biss wird mit 44-120 mg Trockengewicht angegeben.[3] Das Gift der Taipane ist extrem wirksam, der LD50-Wert bei Mäusen liegt bei 0,064 (Taipan) bzw. 0,010 mg pro kg Körpergewicht (Inlandtaipan). Der Inlandtaipan ist damit, soweit bekannt, die Schlangenart mit dem wirksamsten Gift überhaupt.

Aufgrund der großen Giftmenge und der hohen Giftigkeit ist der Biss unbehandelt meist tödlich. Der Biss wird oft nicht bemerkt, lokale Symptome im Bereich der Bissstelle fehlen häufig. Typische Symptome eines Bisses sind anfangs Übelkeit und Erbrechen, danach kommt es zu fortschreitenden Lähmungen der Muskulatur bis hin zum ohne Behandlung tödlichen Atemstillstand sowie zu Blutgerinnungsstörungen. Bei einem durch einen Taipan offenbar mehrfach gebissenen 4-jährigen Kind trat der Tod etwa eine Stunde nach den Bissen ein. Bei einem 39-jährigen Mann trat etwa 7-10 Stunden nach dem Biss ein Atemstillstand ein, der Mann wurde 19 Tage lang künstlich beatmet und konnte nach 27 Tagen entlassen werden.[4]

Epidemiologie

Taipane werden trotz ihrer extremen Giftigkeit aufgrund ihrer Scheu als medizinisch kaum relevant beschrieben, Bissunfälle sind offenbar sehr selten. Der Inlandtaipan und O. temporalis leben zudem in Regionen, die von Menschen kaum besiedelt sind. Für den Inlandtaipan sind bis 1990 nur vier Bissunfälle bekannt geworden, von denen einer einen Herpetologen beim Fang eines Tieres betraf und ein zweiter einen Pfleger in einem Labor für Antiseren; beide Bissopfer überlebten.[5]

Quellen

Einzelnachweise

  1. Doughty, P., B. Maryan, S. C. Donnellan und M. N. Hutchinson: A new species of taipan (Elapidae: Oxyuranus) from central Australia. Zootaxa 1422, 2007: S. 45-58.
  2. Shine, R. und J. Covacevich: Ecology of Highly Venomous Snakes: the Australian Genus Oxyuranus (Elapidae). Journal of Herpetology 17, Heft 1, 1983: S. 63
  3. Mirtschin, P. J., G. R. Crowe und R. Davis: Dangerous Snakes Of Australia. In: P. Gopalakrishnakone, L. M. Chou: Snakes of Medical Importance. Venom and Toxin Research Group, National University of Singapore, 1990: S. 80-81 und 89.
  4. Mirtschin, P. J., G. R. Crowe und R. Davis: Dangerous Snakes Of Australia. In: P. Gopalakrishnakone, L. M. Chou: Snakes of Medical Importance. Venom and Toxin Research Group, National University of Singapore, 1990: S. 83-85
  5. Mirtschin, P. J., G. R. Crowe und R. Davis: Dangerous Snakes Of Australia. In: P. Gopalakrishnakone, L. M. Chou: Snakes of Medical Importance. Venom and Toxin Research Group, National University of Singapore, 1990: S. 90-91

Literatur

  • Doughty, P., B. Maryan, S. C. Donnellan und M. N. Hutchinson: A new species of taipan (Elapidae: Oxyuranus) from central Australia. Zootaxa 1422, 2007: S. 45-58.
  • Mirtschin, P. J., G. R. Crowe und R. Davis: Dangerous Snakes Of Australia. In: P. Gopalakrishnakone, L. M. Chou: Snakes of Medical Importance. Venom and Toxin Research Group, National University of Singapore, 1990: S. 1-174. ISBN 9971-62-217-3
  • Shine, R. und J. Covacevich: Ecology of Highly Venomous Snakes: the Australian Genus Oxyuranus (Elapidae). Journal of Herpetology 17, Heft 1, 1983: S. 60-69.

Weblinks

Die News der letzten Tage

17.11.2022
Meeresbiologie | Taxonomie
Dornenkronenseesterne aus dem Roten Meer sind endemisch!
Neben dem Klimawandel stellen korallenfressende Dornenkronenseesterne (Acanthaster spp.
17.11.2022
Klimawandel | Meeresbiologie
Eisbedeckung im Südpolarmeer: Auswirkungen auf Meiofauna und Makrofauna
Wissenschaftlerinnen haben erstmals untersucht, wie sich Gemeinschaften von Meiofauna und Makrofauna unter verschiedenen Umweltbedingungen im Südpolarmeer zusammensetzen.
16.11.2022
Biochemie | Physiologie
Pflanzen zwischen Licht und Schatten
In der Forschung werden Pflanzen häufig unter konstantem Licht angezogen, was nicht den natürlichen Bedingungen in der Natur entspricht.
15.11.2022
Anthropologie | Ethologie | Paläontologie
Guten Appetit! Homo hat bereits vor 780.000 Jahren Fisch gekocht
Fischzähne der archäologischen Fundstelle Gesher Benot Ya’aqov in Israel liefern den frühesten Hinweis auf das Garen von Nahrungsmitteln durch unsere Vorfahren.
15.11.2022
Biodiversität | Bioinformatik | Botanik
Eine Weltkarte der Pflanzenvielfalt
Warum gibt es an manchen Orten mehr Pflanzenarten als an anderen?
15.11.2022
Biodiversität | Land-, Forst-, Fisch- und Viehwirtschaft | Ökologie
Biodiversität von Wiesen- und Weideflächen: Ein Gewinn für Natur, Landwirtschaft und Tourismus
Ein internationales Team hat in einer langangelegten Studie nachgewiesen, wie wichtig die Biodiversität von Wiesenflächen für ein breites Spektrum von Ökosystemleistungen und unterschiedliche Interessengruppen ist.
15.11.2022
Biochemie | Land-, Forst-, Fisch- und Viehwirtschaft | Zytologie
Wie funktioniert der Mangantransport in Pflanzen?
Das Protein BICAT3 ist einer der wichtigsten Mangan-Verteiler in Pflanzen - ist es defekt, hat das einen verheerenden Einfluss auf das Wachstum der Pflanzen.
14.11.2022
Ökologie | Säugetierkunde
Kollisionsrisiko für Fledermäuse bei großen Windkraftanlagen
Um Fledermäuse vor der Kollision mit Windenergieanlagen zu schützen, werden in Genehmigungsverfahren akustische Erhebungen durchgeführt.
09.11.2022
Physiologie | Vogelkunde
Kohlmeisen: Hormonschwankungen als Überlebensvorteil?
Bei freilebenden Kohlmeisen gibt es zwischen Individuen große Unterschiede in der Menge an Stresshormonen im Blut.
14.11.2022
Amphibien- und Reptilienkunde | Paläontologie
Grube Messel: eine lebendgebärende Schlange vor 47 Millionen Jahren
Ein argentinisch-deutsches Forschungsteam hat den weltweit ersten fossilen Beleg für eine Lebendgeburt bei Schlangen erbracht.