Giftnattern

Giftnattern
Schwarze Tigerotter (Notechis scutatum) auf King Island

Schwarze Tigerotter (Notechis scutatum) auf King Island

Systematik
Überklasse: Kiefermäuler (Gnathostomata)
Reihe: Landwirbeltiere (Tetrapoda)
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
Familie: Giftnattern
Wissenschaftlicher Name
Elapidae
F. Boie, 1827

Die Giftnattern (Elapidae) sind eine Familie der Schlangen (Serpentes), die etwa 250 Arten umfasst. Es handelt sich bei ihnen um die zweite große Gruppe von Giftschlangen neben den Vipern (Viperidae). Innerhalb der Giftnattern finden sich sehr viele Arten mit hochwirksamen Nervengiften, zum Beispiel die Taipane, Kobras, Mambas, Tigerottern oder Braunschlangen. Anders als die Nattern (Colubridae) produzieren Giftnattern ein giftiges Sekret, welches durch vorn im Kiefer stehende Giftzähne über den Giftapparat in ein Beutetier oder in einen potentiellen Feind injiziert werden kann.

Merkmale

Giftnattern unterscheiden sich von den nahe verwandten Nattern durch die speziellen Giftzähne, durch die seitlich liegenden Nasenlöcher und das Fehlen eines Loreale. Eine Reihe von Gattungen hat einen spreizbaren Nackenschild, der in der Drohhaltung ausgebreitet wird. Seeschlangen zeigen einen an das Leben im Meer angepassten Körperbau mit verschiedenen Modifikationen der inneren und äußeren Anatomie.

Proteroglyphe Giftzähne einer Königskobra

Der wichtigste Unterschied zu den Nattern besteht im Aufbau des Giftapparates und der Giftzähne. Diese stehen vorn im Kiefer und sind proteroglyph (vorderständige, feststehende Furchenzähne) gebaut, besitzen also eine Giftrinne, in der das Schlangengift fließt. Bei einigen Arten wie der Südafrikanischen Speikobra (Hemachatus haemachatus) sind diese Zähne so modifiziert, dass die Schlangen das Gift auch mehrere Meter weit speien können.

Verbreitung

Giftnattern leben in fast allen tropischen und subtropischen Regionen und kommen auf allen Kontinenten mit Ausnahme Europas und der Antarktis vor. Zudem sind die zu ihnen zählenden Seeschlangen in großen Teilen der warmen Meeresgebiete, insbesondere im Indischen Ozean und Pazifischen Ozean zu finden. Die Familie bildet nur in Australien die artenreichste Gruppe unter den vorkommenden Schlangen, auf anderen Kontinenten sind Vipern meist und die Echten Nattern immer artenreicher vertreten.

Systematik

Portrait einer Rotbäuchigen Schwarzotter, Totfund

Die Giftnattern sind eine von sieben Familien innerhalb der Überfamilie der Nattern- und Vipernartigen (Colubroidae). Die Systematik der Schlangen ist noch Gegenstand aktueller Untersuchungen. Als wichtigste Autapomorphie der Giftnattern wird der Bau des Giftapparates mit den vorn im Kiefer stehenden, proteroglyphen Giftzähnen angesehen. Die ebenfalls mit Giftdrüsen versehenen Trugnattern gehören den Giftnattern entsprechend nicht an, weil ihre Giftzähne sich weit hinten im Maul befinden – sie werden den Nattern (Colubridae) zugeordnet. Nach Pyron et al. ergibt sich innerhalb der Colubroidae folgende Systematik:[1][2]


Nattern- und Vipernartige



Vipern (Viperidae)


     

Nattern (Colubridae)


     


Giftnattern (Elapidae)


     

Lamprophiidae



     

Wassertrugnattern (Homalopsidae)





     

Pareatidae



     

Höckernattern (Xenodermatidae)



Die Giftnattern werden im Regelfall in zwei Taxa aufgeteilt, denen jeweils der Rang der Unterfamilie gegeben wird. Dabei handelt es sich zum einen um die Echten Giftnattern (Elapinae) und zum anderen um die Seeschlangen und australoasiatische Giftnattern (Hydrophiinae).[3] Die folgende Liste gibt die bekannten Gattungen der Gruppe wieder:

Texas-Korallenotter (Micrurus tener)
Königskobra
(Ophiophagus hannah)
Ringhalskobra
(Hemachatus haemachatus)
Inlandtaipan
(Oxyuranus microlepidotus)
Laticauda colubrina
  • Unterfamilie Echte Giftnattern (Elapinae)
    • Tribus Calliophini
      • Schmuckottern (Calliophis)
      • Arizona-Korallenottern (Micruroides)
      • Korallenottern (Micrurus)
      • Sinomicrurus
    • Tribus Hemibungarini
  • Unterfamilie Seeschlangen und australoasiatische Giftnattern (Hydrophiinae)
    • terrestrische Gattungen
      • Todesottern (Acanthophis)
      • Neuguinea-Kronenschlangen (Aspidomorphus)
      • Australische Kupferköpfe (Austrelaps)
      • Kronenschlangen (Cacophis)
      • Australische Braunschlangen (Demansia)
      • Ornamentottern (Denisonia)
      • Drysdalia
      • Bardicks (Echiopsis)
      • Elapognathus
      • Furina
      • Hemiaspis
      • Harlekinkobras (Homoroselaps)
      • Hoplocephalus
      • Loveridgelaps
      • Micropechis
      • Tigerottern (Notechis)
      • Fidschiottern (Ogmodon)
      • Taipane (Oxyuranus)
      • Schwarzottern (Pseudechis)
      • Braunottern (Pseudonaja)
      • Rhinoplocephalus
      • Salomonelaps
      • Australische Korallenottern (Simoselaps)
      • Suta
      • Neuguinea-Waldottern (Toxicocalamus)
      • Rauschuppenottern (Tropidechis)
      • Bandy-Bandys (Vermicella)
    • Seeschlangen
      • Acalyptophis
      • Aipysurus
      • Astrotia
      • Disteira
      • Schildkrötenkopf-Seeschlangen (Emydocephalus)
      • Enhydrina
      • Ephalophis
      • Hydrelaps
      • Ruderschlangen (Hydrophis)
      • Kerilia
      • Kolpophis
      • Plump-Seeschlangen (Lapemis)
      • Parahydrophis
      • Parapistocalamus
      • Plättchen-Seeschlangen (Pelamis)
      • Thalassophina
      • Thalassophis
  • Unterfamilie Laticaudainae

Literatur

  • Roland Bauchot (Hrsg.): Schlangen. Bechtermünz Verlag, Augsburg 1998. ISBN 3-8289-1501-9
  • Storr, G. M., L. A. Smith und R. E. Johnstone: Snakes of Western Australia. Perth, 1986: S. 55, ISBN 0-7309-0399-0
  • Chris Mattison: Enzyklopädie der Schlangen. BLV Verlagsgesellschaft mbH, 2007, ISBN 978-3-8354-0360-4

Einzelnachweise

  1.  R. Alexander Pyron, Frank T. Burbrink, Guarino R. Colli, Adrian Nieto Montes de Oca, Laurie J. Vitt, Caitlin A. Kuczynski und John J. Wiens: The phylogeny of advanced snakes (Colubroidea), with discovery of a new subfamily and comparison of support methods for likelihood trees. In: Molecular Phylogenetics and Evolution. 2010, S. 329–342, doi:10.1016/j.ympev.2010.11.006.
  2. Elapidae in The Reptile Database
  3. The Reptile Database: Higher Taxa in Extant Reptiles – Ophidia (Serpentes) – Snakes.

Weblinks

 Commons: Elapidae – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die News der letzten 7 Tage

22.10.2021
Physiologie | Toxikologie | Insektenkunde
Summ-Summ-Summ, Pestizide schwirr´n herum
Was Rapsfelder und Obstplantagen schützt, bedeutet für manche Organismen den Tod: Insektizide und Fungizide werden in der Landwirtschaft gegen Schädlinge und Pilze eingesetzt.
21.10.2021
Mikrobiologie | Genetik | Virologie
Kampf gegen Viren mit austauschbaren Verteidigungsgenen
Bakterien verändern mobile Teile ihres Erbgutes sehr schnell, um Resistenzen gegen Viren zu entwickeln.
21.10.2021
Genetik | Säugetierkunde
Endlich geklärt: Die Herkunft der heutigen Hauspferde
Pferde wurden zuerst in der pontisch-kaspischen Steppe im Nordkaukasus domestiziert, bevor sie innerhalb weniger Jahrhunderte den Rest Eurasiens eroberten.
21.10.2021
Bionik, Biotechnologie, Biophysik | Entwicklungsbiologie | Säugetierkunde
Eizellenentnahme bei einem von zwei Nördlichen Breitmaulnashörnern eingestellt
Nach einer speziellen, umfassenden ethischen Risikobewertung hat das Team nun beschlossen, das ältere der beiden verbleibenden Weibchen – die 32-jährige Najin –, als Spenderin von Eizellen (Oozyten) in den Ruhestand zu schicken.
20.10.2021
Toxikologie | Insektenkunde | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Verheerende Auswirkungen von Insektenvernichtungsmittel
Neonicotinoide beeinflussen menschliche Neurone und schädigen potentiell somit nicht nur Insektenzellen, sie sind synthetisch hergestellte Wirkstoffe, die zur Bekämpfung von Insekten eingesetzt werden.
19.10.2021
Biochemie | Bionik, Biotechnologie, Biophysik | Bioinformatik
Wie Künstliche Intelligenz dabei hilft, Enzymtätigkeit zu quantifizieren
Ein internationales Bioinformatikerteam entwickelte ein neues Verfahren, um die die Reaktionskinetik bestimmende Michaelis-Konstante vorherzusagen.
19.10.2021
Physiologie | Neurobiologie | Vogelkunde
Vogel-Pupillen verhalten sich anders als erwartet
Die Pupille regelt nicht nur den Lichteinfall ins Auge, sondern spiegelt den Zustand des wachen Gehirns wider.
20.10.2021
Ethologie | Neurobiologie | Säugetierkunde
Findet Rico - „den ganz besonderen Hund“
Zwei Forscherinnen sind auf der Suche nach „dem einen ganz besonderen Hund“.