Ratten-Lungenwurm


Ratten-Lungenwurm

Ratten-Lungenwurm (Angiostrongylus cantonensis)

Systematik
Überstamm: Urmünder (Protostomia)
Überstamm: Häutungstiere (Ecdysozoa)
Stamm: Fadenwürmer (Nematoda)
Familie: Angiostrongylidae
Gattung: Angiostrongylus
Art: Ratten-Lungenwurm
Wissenschaftlicher Name
Angiostrongylus cantonensis
(Chen, 1935)

Der Ratten-Lungenwurm (Angiostrongylus cantonensis) ist ein Parasit, der als Hauptwirt in den Lungen von Ratten lebt. Als Zwischenwirt dienen verschiedene Landschnecken und Krabben. Experimentell sind auch Meeresfische infizierbar, allerdings wird angenommen, dass die Larven keine große Resistenz gegen Salzwasser aufweisen.

Verbreitung

Ursprüngliches Verbreitungsgebiet ist der Pazifische Raum und Südostasien. Die Erstbeschreibung stammt aus China. Allerdings wurde der Parasit auch in die Karibik eingeschleppt. Es wurden einige Exemplare in Ratten aus Kuba, Puerto Rico, der Dominikanischen Republik und Jamaika gefunden. Ein Einzelfall einer Infektion durch das Verschlucken einer unbekannten Schneckenart wurde auch in den USA festgestellt.

Merkmale

Der Parasit weist die typische Nematodenform auf. Die Haut besteht aus drei Kollagenschichten, welche es dem Parasit ermöglichen, das Immunsystem des Wirtes zu umgehen. Die männlichen Tiere besitzen eine Art Beutel, mit dem sich das Männchen am Weibchen festklammert. Es besteht ein Geschlechtsdimorphismus, die Weibchen werden 25 bis 33 mm lang, die Männchen hingegen nur 15 bis 19 mm. Der Körper ist von einem s-förmigen schwarzen Band durchzogen, das den Darm und den Uterus darstellt.

Lebenszyklus

Die Entwicklung beginnt in der Ratte, in der die adulten Weibchen leben. Diese halten sich in der rechten Herzkammer und den Lungenarterien auf. Die Eier werden dort freigesetzt. Sie wandern in die Kapillaren der Lunge, wo die Eier schlüpfen und die Larven im 1. Larvenstadium durch die Alveolen ausbrechen und ausgehustet werden. Einige werden wieder geschluckt und nun im 2. Larvenstadium über den Kot ausgeschieden.

Der Zwischenwirt nimmt nun über den Rattenkot die Larven auf. Diese entwickeln sich in ihm zum 3. Larvenstadium. Ein als Nebenwirt dienender Frosch oder Fisch kann nun durch Fressen des Zwischenwirtes die Larven ebenfalls aufnehmen. Hier findet jedoch keine Entwicklung mehr statt.

Der Hauptwirt infiziert sich, indem er den Zwischenwirt oder den Nebenwirt frisst. Allerdings dringt die Larve in der Schnecke auch aktiv nach außen, sodass in der Schleimspur infektiöse Larven vorhanden sind, die von der Ratte (dem Hauptwirt) auch aufgenommen werden. Dort wandern sie entlang des Nervensystems über den Blutstrom ins Gehirn. Vom Gehirn aus verbreiten sie sich im ganzen Körper, verlassen über die Kapillare den Blutstrom und treten ins Gewebe über. Dort entwickelt sich das 5. Larvenstadium. Dieses sucht erneut das Gehirn auf und lässt sich danach hauptsächlich in den Lungenarterien nieder, aber auch andere Stellen wie das Auge oder die Hirnhäute oder das Zentralnervensystem werden befallen. In circa 6 Wochen entwickelt sich aus der Larve das adulte Tier. Nach mehreren Häutungen und der Paarung werden erneut Eier ins Blut abgegeben.

Schadwirkung

Durch die Aufnahme des Zwischenwirtes beziehungsweise des 3. Larvenstadiums durch den Menschen kommt es zu einer Wanderung der Larve ins Gehirn. Es tritt eine Eosinophile Meningoenzephalitis (Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute) auf. Der Erreger selbst ist eine der häufigsten Ursachen für die Erkrankung.

Quellen

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