Ginsterzikade

Ginsterzikade
Ginsterzikade (Gargara genistae)

Ginsterzikade (Gargara genistae)

Systematik
Ordnung: Schnabelkerfe (Hemiptera)
Unterordnung: Rundkopfzikaden (Cicadomorpha)
Überfamilie: Membracoidea
Familie: Buckelzirpen (Membracidae)
Unterfamilie: Centrotinae
Art: Ginsterzikade
Wissenschaftlicher Name
Gargara genistae
(Fabricius, 1775)

Die Ginsterzikade (Gargara genistae) ist eine Rundkopfzikade (Cicadomorpha) aus der Ordnung der Schnabelkerfe (Hemiptera). Sie ist weit verbreitet und mit 4,4 bis 5,5 Millimetern Körperlänge der kleinste Vertreter der Buckelzirpen (Membracidae) in Mitteleuropa.

Verbreitung und Lebensraum

Die Ginsterzikade ist in der Holarktis mit Ausnahme Nordeuropas, in der Äthiopis und der Orientalis verbreitet. Die Tiere leben vorwiegend in Trockenlebensräumen, auf besonnten bis halbschattigen, oft wärmebegünstigten Standorten zum Teil in Symbiose mit Ameisen, welche deren Ausscheidungen (Honigtau) nutzen.

Merkmale

Die in der Grundfärbung dunkelbraunen Ginsterzikaden erreichen Körperlängen zwischen 4,4 und 5,5 Millimeter, wobei die Weibchen etwas größer werden als die Männchen. Der Körperbau ist gedrungen. Der mächtige und fein behaarte Halsschild (Pronotum) ist nach oben gewölbt und nach hinten in einen langen, geraden Fortsatz ausgezogen. Im Gegensatz zur ähnlichen, aber deutlich größeren Dornzikade (Centrotus cornutus) verfügt diese Art nicht über seitliche, ohrenförmige Auswüchse im Kopfbereich. Die Vorderflügel sind bräunlich durchscheinend und mit hellbraunen Adern durchzogen.

Lebensweise

Die Larven und erwachsenen Tiere ernähren sich von Pflanzensäften, die sie mit ihren speziell gebauten, stechend-saugenden Mundwerkzeugen aufnehmen. Sie sind oligophag ersten Grades, das heißt sie nutzen nur die Pflanzenarten einer Pflanzenfamilie als Nahrung. Ginsterzikaden saugen ausschließlich den zuckerhaltigen Phloem-Saft der Leitungsbahnen von strauchigen Hülsenfrüchtlern (Fabaceae), den sie als Honigtau zum Teil wieder ausscheiden. Dazu zählen beispielsweise Hauhecheln (Ononis), Ginster (Genista), Blasensträucher (Colutea), Kronwicken (Coronilla), Süßhölzer (Glycyrrhiza) und Erbsensträucher (Caragana).

Die Insekten überwintern im Eistadium. Erwachsene Tiere erscheinen ab Ende Juni und sind bis Mitte Oktober zu finden. Sie bilden eine Generation im Jahr (univoltin).

Quellen

Literatur

Die Informationen stammen aus folgender Literatur:

  • W. E. Holzinger, I. Kammerlander, H. Nickel: The Auchenorrhyncha of Central Europe - Die Zikaden Mitteleuropas. Volume 1: Fulgoromorpha, Cicadomorpha excl. Cicadellidae. - Brill, Leiden 2003, ISBN 90-04-12895-6.
  • R. Biedermann & R. Niedringhaus: Die Zikaden Deutschlands – Bestimmungstafeln für alle Arten. Fründ, Scheeßel 2004, ISBN 3-00-012806-9.
  • R. Remane & E. Wachmann: Zikaden - kennenlernen, beobachten. Naturbuch Verlag, Augsburg 1993, ISBN 3-89440-044-7.
  • H. Nickel: The leafhoppers and planthoppers of Germany (Hemiptera, Auchenorrhyncha): Patterns and strategies in a highly diverse group of phytophagous insects. Pensoft, Sofia and Moskau 2003, ISBN 954-642-169-3.

Weblinks

 Commons: Ginsterzikade – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

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