Ährenfischartige

Ährenfischartige
Melanotaenia splendida

Melanotaenia splendida

Systematik
Ctenosquamata
Acanthomorpha
Stachelflosser (Acanthopterygii)
Barschverwandte (Percomorpha)
Überordnung: Ährenfischverwandte (Atherinomorpha)
Ordnung: Ährenfischartige
Wissenschaftlicher Name
Atheriniformes
Rosen, 1964

Die Ährenfischartigen (Atheriniformes) sind eine Ordnung meist klein bleibender Knochenfische (Osteichthyes). Die meisten Arten sind silbrig, nur die Männchen der Regenbogenfische (Melanotaeniidae) sind oft sehr bunt.

Verbreitung

Ährenfischartige sind weltweit, aber in sehr weit voneinander isolierten Gebieten verbreitet. Die meisten Arten leben in den Tropen und Subtropen. 210 Arten leben hauptsächlich im Süßwasser, es gibt aber auch zahlreiche im Brackwasser vorkommende Arten. 58 Arten leben an den Küsten Nordamerikas, weitere Arten in Mittelamerika und Kuba, auf Madagaskar, in Teilen Südostasiens, auf den Philippinen, auf Neuguinea und in den Flüssen Nord- und Ostaustraliens.

In der Nordsee leben nur zwei Arten: aus der Familie der Altweltlichen Ährenfische der Gewöhnliche Ährenfisch (Atherina presbyter) und der Kleine Ährenfisch (Atherina boyeri), der nur an einigen Abschnitten an der niederländischen und britischen Küste vorkommt. Im Mittelmeer kommen zwei weitere Arten hinzu, Atherina hepsetus und Atherinomorus lacunosus, der erst in jüngster Zeit durch den Suezkanal zugewandert ist (Lessepssche Migration).

Merkmale

Atherina hepsetus

Ährenfischartige sind für gewöhnlich eher kleine, meist silbrige Fische mit langgestrecktem, seitlich abgeflachten Körper. Ausnahmen sind vor allem die oft plakativ bunt gefärbten männlichen Regenbogenfische, die in vielen Fällen auch mit zunehmendem Alter relativ hochrückig werden können. Die größte Art der Ährenfischartigen, Odontesthes bonariensis[1] wird einen halben Meter lang.

Ährenfischartige besitzen üblicherweise zwei Rückenflossen, die erste wird von flexiblen Flossenstacheln gestützt, die zweite von einem flexiblen Stacheln und folgenden Weichstrahlen. Sie ist wahrscheinlich homolog zur einzigen Rückenflosse der nah verwandten Zahnkärpflinge (Cyprinodontiformes). Die Afterflosse hat für gewöhnlich einen Stacheln und darauf folgenden Weichstrahlen. Die Brustflossen sitzen hoch am Körper. Die Bauchflossen sind in den meisten Fällen bauchständig, seltener brust- oder kehlständig. Eine Seitenlinie ist nur schwach entwickelt und auf einige Gruben oder Kanäle in der Körpermitte reduziert oder fehlt völlig. Die Nasenöffnungen sind paarig. Die Anzahl der Branchiostegalstrahlen liegt bei 4 bis 7. Das Scheitelbein fehlt einigen Familien, bei anderen ist es vorhanden.[2] Der Körper der Ährenfischartigen einschließlich ihres Kopfes ist mit Rundschuppen bedeckt. Sie besitzen Schlundzähne und sind Physoclisten, d.h. Schwimmblase und Darm sind nicht miteinander verbunden[3].

Ein charakteristisches Merkmal der Larven der Ährenfischartigen ist eine einzelne Reihe von Melanophoren auf der Rückenmittellinie, während die Larven der meisten anderen Atherinomorpha zwei oder mehr Melanophorreihen haben. Die präanale Länge (Länge vor dem Anus) der Larven beträgt weniger als 40 % der Körperlänge. Bei den meisten anderen Eurypterygii ist sie länger.

Äußere Systematik

Die Ährenfischartigen bilden zusammen mit den Hornhechtartigen (Beloniformes) und den Zahnkärpflingen (Cyprinodontiformes) die Überordnung der Ährenfischverwandten (Atherinomorpha), die in älteren Systematiken, aber auch noch bei Nelson (2006) von den Barschverwandten (Percomorpha) abgegrenzt wird. Neuere Untersuchungen sehen die Ährenfischverwandten jedoch innerhalb der Percomorpha.[4]

Innere Systematik

Die Ährenfischartigen umfassen 48 Gattungen und über 310 Arten. Über die Anzahl der Familien gibt es derzeit unterschiedliche Auffassungen.

Das von Joseph S. Nelson in Fishes of the World (2006) verwendete System geht von sechs Familien aus. Die nahe verwandten Gruppen der Madagassischen Ährenfische, der Blauaugen, der Sonnenstrahlenfische und der Regenbogenfische im engeren Sinn wurden dabei als Unterfamilien innerhalb der Familie der Melanotaeniidae zusammengefasst. 2004 wurden diese geographisch weit voneinander entfernt lebenden Gruppen wegen ihrer Unterschiede als eigene Familien etabliert.[5] Um ihre Monophylie anzuzeigen wurden die vier neuen Familien gemeinsam in die neue Unterordnung Regenbogenfischverwandte (Melanotaenioidei) gestellt. Diese Unterordnung ist aber nicht allgemein anerkannt, weil sie im Widerspruch zu anderen Gruppierungen innerhalb der höheren Systematik der Ährenfischartigen steht. Allerdings stellt sie auch für Praktiker die sinnvollste Ordnung dar.

Eine Studie aus dem Jahr 2012, die mittels vergleichender genetischer Analyse erfolgte, kommt zu dem Schluß, dass die Familien Atherinopsidae, Notocheiridae, Atherinidae und Melanotaeniidae nicht monophyletisch sind. Danach steht Notocheirus hubbsi innerhalb der Neuweltlichen Ährenfische (Atherinopsidae), während die Gattung Iso das Schwestertaxon zu einer Klade aus allen übrigen altweltlichen Ährenfischfamilien darstellt.[6]

Die Verwandtschaftsverhältnisse nach Bloom et al.[6]:
 Atheriniformes 
 Neuweltliche Ährenfische (Atherinopsidae) 


 Menidiinae


     

 Notocheirinae



     

 Atherinopsinae



 Altweltklade 





 Regenbogenfische (Melanotaeniidae)


     

 Kehlphallusfische (Phallostethidae)



     


 Blauaugen (Pseudomugilidae)


     

 Sulawesi-Regenbogenfische (Telmatherinidae)



     

 Cairnsichthys rhombosomoides




     

 Altweltliche Ährenfische (Atherinidae) I


     

 Madagassische Ährenfische (Bedotiidae)




     

 Altweltliche Ährenfische (Atherinidae) II



     

 Isonidae




Systematik nach Joseph S. Nelson[7] mit Ergänzung durch John S. Sparks und W. Leo Smith[5]:

Quellen

Literatur

  • Joseph S. Nelson: Fishes of the World. John Wiley & Sons, 2006, ISBN 0-471-25031-7.

Einzelnachweise

  1. Odontesthes bonariensis auf Fishbase.org (englisch)
  2. Nelson (2006), Seite 266.
  3. Kurt Fiedler: Lehrbuch der Speziellen Zoologie, Band II, Teil 2: Fische. Seite 317, Gustav Fischer Verlag Jena, 1991, ISBN 3-334-00339-6
  4. E. O. Wiley & G. David Johnson: A teleost classification based on monophyletic groups. in Joseph S. Nelson, Hans-Peter Schultze & Mark V. H. Wilson: Origin and Phylogenetic Interrelationships of Teleosts. 2010, Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München, ISBN 978-3-89937-107-9
  5. 5,0 5,1 John S. Sparks und W. Leo Smith: Phylogeny and biogeography of the Malagasy and Australasian rainbowfishes (Teleostei: Melanotaenioidei): Gondwanan vicariance and evolution in freshwater. Molecular Phylogenetics and Evolution, 33, 3, S. 719-734, 2004
  6. 6,0 6,1 D. Bloom, P. Unmack, A. Gosztonyi, K. Piller, N. Lovejoy: It’s a family matter: Molecular phylogenetics of Atheriniformes and the polyphyly of the surf silversides (Family: Notocheiridae). Molecular Phylogenetics and Evolution. 62, Nr. 3, 2012. S. 1025–1030
  7. Nelson (2006), Seite 267-275.

Weblinks

 Commons: Atheriniformes – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference

Die News der letzten Tage

19.05.2022
Taxonomie | Paläontologie | Amphibien- und Reptilienkunde
Neue Krokodilart lebte vor 39 Millionen Jahren in Asien
Wissenschaftler haben in Vietnam die Fossilien einer bisher unbekannten Krokodilart identifiziert: Das knapp vier Meter lange, fast vollständig erhaltene Skelett aus der Fundstelle Na Duong gehört zu den langschnäuzigen Krokodilen aus der Verwandtschaft der Sundagaviale.
19.05.2022
Virologie | Parasitologie | Insektenkunde
Neue Virusvariante bedroht Bienengesundheit weltweit
Eine gefährliche Variante des Krüppelflügelvirus ist weltweit auf dem Vormarsch: Das Virus befällt Honigbienen, wird von der Varroamilbe übertragen und sorgt dafür, dass ihre Flügel verkümmern und die Tiere sterben.
17.05.2022
Evolution | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Leben am Vulkan – in zwei Schritten zur Anpassung
Ein internationales Team hat eine Wildpopulation der Ackerschmalwand (Arabidopsis thaliana) untersucht, die sich am Fuß eines Stratovulkans angesiedelt hat.
18.05.2022
Klimawandel | Insektenkunde | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Insektensterben: Was stört die Kolonie-Entwicklung der Steinhummel?
Bestäubende Insekten sind für die Biodiversität und die landwirtschaftliche Produktion unersetzlich - doch seit Jahren geht der Bestand an Bienen, Hummeln und weiteren Insekten stark zurück.
18.05.2022
Biodiversität | Insektenkunde | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Insektenvielfalt: Öko-Landbau oder Blühstreifen besser?
Wie wirksam Agrarumweltmaßnahmen für die biologische Vielfalt sind, hängt von verschiedenen Faktoren und dem jeweiligen Blickwinkel ab.
18.05.2022
Ethologie | Primatologie
Wie flexibel Orang-Utan-Mütter mit ihrem Nachwuchs kommunizieren
Ein Forschungsteam hat Mutter-Kind-Interaktionen bei Orang-Utans untersucht und dabei besonderes Augenmerk auf individuelle Unterschiede und Flexibilität in den Kommunikationsstrategien von Orang-Utan-Müttern gelegt.
17.05.2022
Ökologie | Biodiversität | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Ökologie: Fließgewässer stehen weltweit schlecht da
Landwirtschaft, Habitatverlust oder Abwässer – menschgemachte Stressoren wirken sich negativ auf die biologische Vielfalt in Bächen und Flüssen aus.
17.05.2022
Ethologie | Primatologie
Schimpansen kombinieren Rufe zu einer Vielzahl von Lautsequenzen
Verglichen mit dem menschlichen Sprachgebrauch erscheint Tierkommunikation einfach, doch unklar blieb bisher, wie sich unsere Sprache aus einem so einfachen System entwickelt haben könnte.
17.05.2022
Anatomie | Taxonomie | Paläontologie
Unbekannte Delfinarten aus dem Schweizer Mittelland identifiziert
Vor 20 Millionen Jahren schwammen Delfine dort, wo heute das Schweizer Mittelland liegt.
12.05.2022
Physiologie | Neurobiologie
Das bewusstlose Gehirn ist alles andere als stumm
Die Grosshirnrinde gilt als zentrale Hirnregion für bewusste Verarbeitung: Während einer Vollnarkose wird dieser Bereich jedoch nicht lahmgelegt.
12.05.2022
Ökologie | Insektenkunde
Was Heuschrecken fressen
Über die Nahrungsnetze pflanzenfressender Insekten ist nicht viel bekannt: Ein Team vom Biozentrum forscht nach – in Unterfranken ebenso wie in den Berchtesgadener Alpen.
12.05.2022
Mykologie | Biodiversität
Artenschutz für Pilze
Eines vorweg: Es geht nicht um die großen Speisepilze, sondern um die mikroskopisch kleinen Vertreter im Wasser.
11.05.2022
Evolution | Biochemie
Der Ursprung des Lebens: Eine neue Weltsicht
Chemiker schlagen ein neues Konzept vor, eine Mischung aus RNA-Molekülen und Peptiden brachten die Evolution hin zu komplexeren Lebensformen in Gang.
10.05.2022
Genetik
Für Weinliebhaber: Roter Riesling entstand aus Weißem Riesling
Die Erbinformation für die Riesling-Rotfärbung ist auf dem Chromosomensatz des weißbeerigen Elter "Weißer Heunisch" verortet.