Der Jaguar (Panthera onca) ist die größte Katze des amerikanischen Doppelkontinents. Manchmal wird er von Zoobesuchern mit dem Leoparden (Panthera pardus) verwechselt, dabei lebt der Leopard heute in Afrika und Asien, der Jaguar nur in Mittel- und Südamerika. Trotzdem ist das Erscheinungbild beider Großkatzen sehr ähnlich. Früher kam der Jaguar auch im Süden der USA vor, heute scheint er dort ausgerottet zu sein. Zwei Sichtungen in New Mexico im Jahre 1997 gehen wahrscheinlich auf umherstreifende Katzen einer mexikanischen Population zurück.

Aussehen

Jaguare sind schwerer gebaut als ihre afrikanischen Verwandten, die Leoparden. Der auffälligste Unterschied sind ein breiterer Kopf und kürzere, dickere Beine. Das kurzhaarige Fell des Jaguars variiert in seiner Grundfarbe von blass-gold über gelblich-braun bis rötlich. Es ist auf Kopf, Hals und Gliedmaßen mit schwarzen Flecken besetzt, wobei die weiße Körperunterseite mit undeutlichen, dunklen Klecksen markiert ist. Schultern, Rücken und Flanken sind mit unterbrochenen, schwarzen Rosetten übersät, wobei mehrere Rosetten einen Bereich umschließen, der dunkler als die Grundfarbe ist. Melanismus kommt häufig vor, auch sind Sichtungen von Albinos gemeldet worden. Jaguare in Wäldern sind häufig nicht nur dunkler, sondern auch wesentlich kleiner als jene, die in offeren Habitaten leben.

Der Kopf sieht mit der breiten Schnauze recht wuchtig aus. Die Iris der Augen reicht in der Farbe von goldgelb bis grünlich-gelb. Die relativ kleinen Ohren sind an ihren Enden gerundet, die schwarze Rückseite hat wie bei vielen wilden Katzen einen zentralen, weißen Fleck. Die kurzen, stämmigen Beine haben breite Pfoten. Der Schwanz ist relativ kurz und dick, ist mit Flecken übersät und hat ein schwarzes Ende.

Jaguare sind offensichtlich stark an das Vorhandensein von Wasser gebunden, da sie besonders häufig in Au- und Galeriewäldern entlang von Flüssen oder an Seen und Bächen vorkommen. Auch saisonal überfluteter Tieflandregenwald oder trockeneres Busch- und Grasland zählen zu ihren Lebensräumen, wie etwa das brasilianische Pantanal oder die venezolanischen Llanos. Während Jaguare in Costa Rica in Höhen bis hinauf auf 3.800 Meter beobachtet worden sind, kommen sie in den Anden wohl nicht oberhalb von 2.700 Metern vor.

Beutespektrum

Obwohl sie sehr gute Schwimmer und Kletterer sind, jagen Jaguare größtenteils auf dem Boden. Nicht weniger als 85 Tierarten gehören zu ihrer Beute, der sie in der Regel aus dem Hinterhalt auflauern oder sie ganz nach Großkatzenart anschleichen. Die Beute wird nach dem tödlichen Biss oft über einige Entfernung an einen sicheren Ort geschleppt. Obwohl der Jaguar große Beutetiere wie Tapire, Pekaris und Hirsche bevorzugt, frisst er im Grunde alles, was er fangen kann, und die Liste ist lang: Agutis, Wasserschweine, Faultiere, Primaten, Stinktiere, Stachelschweine, Nasenbären, Otter, Gürteltiere, Vögel, Kaimane, Leguane, Schlangen, Schildkröten, Fische. In vielen Gegenden sind Hausrinder zur Hauptbeute des Jaguars geworden, besonders in Brasilien und Venezuela, wo sich das Farmland der Menschen und die Reviere der Großkatzen überlappen.

Telemetriestudien haben gezeigt, dass Jaguare zwar in erster Linie nachtaktiv sind, aber auch bei Sonnenuntergang und Sonnenaufgang recht munter sind. Jaguare sind grundsätzlich Einzelgänger, die ihre Territorien meist durch Markierungen aus Urin abgrenzen. Auf der Halbinsel Yucatan variieren die Reviergrößen zwischen 33 km² für ein Männchen und 10 km² für ein Weibchen. In Brasilien beanspruchen beide Geschlechter Reviere von bis zu 142 km².


Jaguar
Jaguar (Pantera onca palustris) am Three Brothers River
Schwarzer Jaguar
Schwarzer Jaguar mit Melanismus

Fortpflanzung

Weibchen können das ganze Jahr über rollig werden, dabei gibt es in weiten Teilen des Verbreitungsgebietes keine klar abgegrenzten Fortpflanzungszeiten. Im nördlichen Teil ihres Verbreitungsgebietes scheinen sich Jaguare in den Monaten Dezember und Januar zu paaren, die Geburten finden nach einer Tragzeit von 90 - 105 Tagen im April und Mai statt. Bei der Geburt haben die Jungen ein langes, wolliges, blass-braunes Fell mit unzähligen runden schwarzen Flecken am Körper und schmalen schwarzen Streifen im Gesicht. Der Sexualzyklus eines Weibchens dauert etwa 13 Tage. Der Wurf besteht aus ein bis vier Jungen, die bei der Geburt zwischen 700 und 900 g wiegen. Die kleinen Jaguare öffnen ihre Augen nach 11 bis 13 Tagen, fangen im Alter von 18 Tagen bereits an herumzulaufen und fressen bereits nach rund 70 Tagen gelegentlich Fleisch. Die Entwöhnung findet aber erst nach vier oder fünf Monaten statt. Junge Jaguare bleiben bis zu zwei Jahre bei der Mutter. Weibchen erreichen die Geschlechtsreife nach zwei bis drei Jahren, die Männchen erst nach drei bis vier Jahren. Jaguare wurden in Gefangenschaft bis zu 22 Jahre alt.


Jaguar in schöner Seitenansicht
Jaguar im Pantanal, Miranda, Mato Grosso do Sul, Brasilien.

Evolution

Jaguare sind vermutlich aus einem Leoparden-ähnlichen Vorfahren in Eurasien hervorgegangen und über die Bering-Landbrücke nach Nordamerika eingewandert. Fossilien von europäischen Jaguaren zeigen, dass sie ursprünglich viel größer waren als heute, wobei die Gewichtsreduzierung und die Verkürzung der Gliedmaßen während des Pleistozäns passierte. Die Verkürzung der Beine ist möglicherweise eine Anpassung an eine neue dreidimensionale Umwelt, in der man nicht nur gut Klettern können mußte, sondern auch gut Laufen und Schwimmen.

Mythos

Jaguare sind die größten Katzen der westlichen Hemisphäre. Ihr Name kommt von "Yaguara", ein indianischer Begriff, der frei übersetzt "ein Tier, das seine Beute mit einem Sprung tötet" bedeutet. Bei vielen mittel- und südamerikanischen indigenen Völkern sind Abbildungen von Jaguaren ein auffälliges Merkmal ihrer Kultur. In der Geschichte der Maya symbolisierte der Jaguar beispielsweise die Nachtsonne der Unterwelt und personifizierte Angst, Schrecken und Tod. Die Tucano-Menschen in der Amazonasregion glaubten hingegen, dass die Sonne den Jaguar als ihren Stellvertreter auf die Erde entsandt hat. Die Olmeken in Mexiko, sowie viele andere Völker, vergötterten den Jaguar und widmeten ihm große Bauwerke, um ihn anzubeten.


Jaguar in Portraitansicht
Ein grimmiger Bursche!

Der Regenwald im Amazonasgebiet ist der Schlüssel für das Überleben dieser Großkatzen, hier kann die Populationsdichte ein Tier pro 15 km² betragen. Dieses Rückzugsgebiet sollte eigentlich groß genug sein, um die Art für die absehbare Zukunft zu erhalten. Allerdings sind die Populationen in den meisten anderen Regionen rückläufig und in weiten Teilen ihres nördlichen Verbreitungsgebietes sowie in den Grasländern des Südens trifft man Jaguare nur noch sehr selten an.

Bedrohung und Schutz

Während die kommerzielle Jagd wegen ihrer schönen Felle kaum noch ein Faktor ist, sind die Restpopulationen des Jaguar nach wie vor von der lokalen Ausrottung durch Viehzüchter bedroht. In Zentralamerika ist die Quote der Entwaldung derzeit am höchsten, die daraus resultierende Fragmentierung ihres Lebensraums macht die Populationen des Jaguars noch anfälliger für die Nachstellungen der Menschen. Jaguare werden häufig bereits schon beim ersten Sichtkontakt erschossen, trotz umfangreicher Schutzgesetze. In Brasilien ist ein Erhaltungsplan entwickelt worden und die Regierung plant, ein Forschungzentrum für den Schutz der Raubkatzen einzurichten, wobei aber auch die Probleme, die Viehzüchter mit den Großkatzen haben, nicht außer Acht gelassen werden sollen.

Jaguare sind (auf dem Papier) über den größten Teil ihres Verbreitungsgebiets streng geschützt, Ausnahmen sind Ecuador und Guyana, wo es keinen gesetzlichen Schutz gibt. Die Tötung von "Problemkatzen" ist in Brasilien, Costa Rica, Guatemala, Mexiko und Peru erlaubt. Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES listet den Jaguar auf Anhang I.


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