Ein detaillierter Blick auf den Rumpf und die Gliedmaßen



Während der Schädel in erster Linie für die Wahrnehmung der Umwelt, für Kommunikation oder für die Nahrungserlangung und deren Vorbereitung für den Verdauungsprozess zuständig ist, hat das Skelett hinter dem Schädel - das prostcraniale Skelett, wie es oft genannt wird - ganz unterschiedliche Funktionen.

Neben dem offensichtlichen Schutz für die inneren Organe, stehen die wichtigsten Funktionen jedoch in Zusammenhang mit der Art und Weise, wie sich ein Primat fortbewegt.

Die Welt der Primaten fasziniert durch ihre Vielfalt und evolutionäre Entwicklung. Der Fokus dieses Artikels liegt auf der Anatomie des Rumpfes und der Gliedmaßen dieser faszinierenden Tiere. Insbesondere werden wir die Struktur des postcranialen Skeletts, das axiale Skelett, die oberen und unteren Extremitäten sowie die Besonderheiten der Hände und Füße betrachten.

Postcraniales Skelett und die Vielfalt der Primatenbewegungen

Das postcraniale Skelett der Primaten spielt eine entscheidende Rolle in ihrer Fortbewegung. Unterschiedliche Fortbewegungsmuster haben im Laufe der Evolution zu vielfältigen Skelettformen geführt. Diese Vielfalt zeigt sich insbesondere in den Gliedmaßen der Primaten, die sich in drei Hauptteile unterteilen lassen: das axiale Skelett, die oberen Extremitäten und die unteren Extremitäten.


Primaten Rumpf Glieder inkl. Greifschwanz
Geoffroy-Klammeraffe - Hier hat der Fotograf eine Situation eingefangen, die für diese Primatengattung typisch ist: Die Nutzung des langen Schwanzes als "fünfte Hand!.

Axiales Skelett: Rückgrat, Kreuzbein und Rippen

Das Rückgrat der Primaten ist in vier Bereiche unterteilt und besteht aus Wirbeln, die spezialisierte Funktionen erfüllen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Hals- und Nackenbereich, der sieben Wirbel umfasst, darunter Atlas und Axis, die für die Trag- und Wendefunktion des Schädels verantwortlich sind. Der Brustkorb mit neun bis dreizehn Brustwirbeln schützt innere Organe wie Herz und Lunge. Die Lendenwirbel und das Kreuzbein sind entscheidend für die Bewegungen des Rückens und der Hüften. Ein variabler Schwanz vervollständigt das axiale Skelett.

Obere Extremitäten: Vielseitigkeit der Hände

Die oberen Extremitäten der Primaten, insbesondere die Hände, sind äußerst vielseitig und an die spezifischen Bedürfnisse der jeweiligen Art angepasst. Der Schultergürtel, bestehend aus Schlüsselbein und Schulterblatt, ist bei Primaten im Gegensatz zu anderen Säugetieren primitiv erhalten. Dieses S-förmige Schlüsselbein ist die einzige knöcherne Verbindung zwischen den oberen Extremitäten und dem Rumpf.


Hände verschiedener Primaten

Die Hand gliedert sich in Handwurzel, Mittelhand und Fingerglieder. Die Beweglichkeit des Handgelenks ermöglicht komplexe Handlungen wie Greifen, Beugen und Drehen. Die Finger, ausgestattet mit flachen Nägeln, sind an verschiedene Anforderungen der Fortbewegung und Nahrungsmittelmanipulation angepasst.


Glieder der Hand eines Primaten

Untere Extremitäten: Becken, Oberschenkel und Fuß

Der Beckengürtel der Primaten besteht aus drei verschmolzenen Knochen und bildet das knöcherne Becken. Anders als der Schultergürtel ist der Beckengürtel fest mit dem Rückgrat verbunden und spielt eine entscheidende Rolle bei der Fortbewegung und als Schutz für innere Organe.


Fußglieder (Phalanges) eines Primaten

Der Oberschenkelknochen (Femur) zeigt herausragende Merkmale, darunter einen runden Kopf, Trochanter major und distale Kondylen. Muskeln wie der Quadrizeps sind für die Streckung des Knies verantwortlich. Schienbein und Wadenbein bilden den Unterschenkel, während der Fuß in Fußwurzel, Mittelfuß und Zehen gegliedert ist. Die Fußstruktur variiert je nach Fortbewegungsmuster der Primaten.


Füße von verschiedenen Primaten

Proportionen der Gliedmaßen


Intermembraler Index:
Länge Humerus + Länge Radius x 100
Länge Femur + Länge Tibia
Humerofemoraler Index:
Länge Humerus x 100
Länge Femur
Brachialer Index:
Länge Radius x 100
Länge Humerus
Cruraler Index:
Länge Tibia x 100
Länge Femur

Schlussbemerkungen

Die Anatomie der Primaten, insbesondere des postcranialen Skeletts, spiegelt die Vielfalt ihrer Lebensräume und Fortbewegungsmuster wider. Vom flexiblen Rückgrat über die vielseitigen Hände bis zu den anpassungsfähigen Füßen bieten die Primaten einen faszinierenden Einblick in die evolutionären Anpassungen, die zu ihrer beeindruckenden Vielfalt geführt haben.

Literatur

Fleagle J. G. 1988. Primate Adaptation and Evolution. Academic Press, Inc. New York.

Swindler D. R., and Erwin J. 1986. Comparative Primate Biology 1: Systematics, Evolution, and Anatomy. New York: Alan R. Liss.