Zikaden beim Saugen zuschauen und Pflanzen schützen



Bio-News vom 10.02.2023

Zikaden können das gefährliche Feuerbakterium auf Reben übertragen, deshalb analysierten Forschende deren Fraßverhalten, um Risiken für den Weinbau zu ermitteln. Die Wirkung von Xylella fastidiosa auf den Olivenanbau in Süditalien war verheerend: Millionen von Bäume hat das sogenannte Feuerbakterium in Apulien zerstört. Es blockiert die Wasserleitungsbahnen der befallenen Pflanzen, so dass diese schließlich vertrocknen und absterben.

Übertragen wird das Feuerbakterium (Xylella fastidiosa) von Zikaden, die Nährstoffe aus diesen Leitungsbahnen, dem sogenannten Xylem, saugen. Das Problem für die deutsche Landwirtschaft: X. fastidiosa befällt nicht nur Olivenbäume, sondern mehr als 300 weitere Pflanzenarten, darunter auch Weinreben. Und Xylem-saugende Zikaden-Arten gibt es auch hier.


Die Wiesenschaumzikade Philaenus spumarius überträgt das auch für den Weinbau potenziell gefährliche Feuerbakterium Xylella fastidiosa.

Publikation:


Markheiser, Anna; Santoiemma, Giacomo; Fereres, Alberto; Kugler, Sanela; Maixner, Michael; Cornara, Daniele
DC-EPG assisted comparison of European spittlebugs and sharpshooters feeding behaviour on grapevine

Journal of Applied Entomology, 1-13 (2022)

DOI: 10.1111/jen.13098



„Alle Xylem-saugenden Zikaden-Arten haben die prinzipielle Fähigkeit, das Bakterium aus dem Pflanzensaft aufzunehmen und zu übertragen“, erklärt Anna Markheiser vom Julius Kühn-Institut (JKI), dem Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen. Ihre Forschungsgruppe mit Partnern aus Italien und Spanien hat einen Standard zur Analyse des Fraßverhaltens von Xylemsaugern mittels Elektropenetographie (Electrical Penetration Graph, EPG) entwickelt und damit den bereits bekannten Vektor an Olive, die Wiesenschaumzikade Philaenus spumarius, sowie potenziell neue Überträger an Weinreben untersucht.

Über die EPG-Wellenmuster lässt sich das Saugverhalten der verschiedenen Arten vergleichen – von der Häufigkeit, mit der die Insekten mit ihrem Saugrüssel (Stilett) die Pflanze anstechen, bis zur Intensität des Fraßes im Xylem. Dies ermöglicht einen tieferen Einblick in die Übertragungsbiologie und -ökologie von X. fastidiosa und seinen Vektoren.

Es zeigte sich, dass die in Europa vorkommenden Schaumzikaden und Schmuckzikaden, welche hier zu den am meisten verbreiteten Xylemsaugern zählen, eine unterschiedliche Fraßdynamik an Reben aufweisen. Das legt ein unterschiedliches Übertragungsrisiko des Bakteriums durch diese Gruppen nahe. In Europa wurde bisher nur P. spumarius als Vektor an Rebe bestätigt. Diese Art ist auch in Deutschland weit verbreitet. Allerdings sind hier keine Vorkommen von X. fastidiosa bestätigt. Deutschland gilt somit zurzeit als befallsfrei.



Zikaden übertragen neben X. fastidiosa auch andere Erreger von Pflanzenkrankheiten. Daher wird die Methodik am JKI-Fachinstitut für Pflanzenschutz in Obst- und Weinbau dazu genutzt, die Vektor- Wirtspflanzen-Assoziation von Phloemsaugern zu verstehen. Dazu zählt etwa die Schilf-Glasflügelzikade Pentastiridius leporinus, die das Syndrome Basses Richesses (SBR) an Zuckerrüben und Kartoffeln überträgt.


Diese Newsmeldung wurde mit Material des Julius Kühn-Instituts, Bundesforschungsinstituts für Kulturpflanzen via Informationsdienst Wissenschaft erstellt.

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