Wer nicht phagt, der nicht gewinnt: Phage4Cure soll Bakterienfresser in die Anwendung bringen

Neues aus der Forschung

Wer nicht phagt, der nicht gewinnt: Phage4Cure soll Bakterienfresser in die Anwendung bringen

Meldung vom 06.11.2018

Braunschweiger Phagen-Expertin Dr. Christine Rohde berichtete im ZDF über den zukünftigen Einsatz von Phagen gegen den Krankenhauskeim Pseudomonas aeruginosa


181107-2158_medium.jpg
 
Phagen gegen Pseudomonas aeruginosa

Bakteriophagen und Phagentherapie
Leibniz Institut DSMZ - Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH

Am Samstag, dem dritten November 2018 informierte Dr. Christine Rohde von der Arbeitsgruppe Klinische Phagen und Regulation des Leibniz-Instituts DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH am Science Campus Braunschweig-Süd ab 17.35 Uhr in der ZDF Sendung „plan B“ über den Erfolg bei der Isolierung und Charakterisierung von Phagen im Einsatz gegen das häufig multiresistente Bakterium Pseudomonas aeruginosa. Die DSMZ ist Partner im Forschungsverbund Phage4Cure.

Dessen Ziel ist es, Bakteriophagen gegen den typischen Krankenhauskeim Pseudomonas aeruginosa therapeutisch nutzbar zu machen, da Antibiotika gegen ihn immer weniger wirken. Pseudomonas aeruginosa ist die weltweit häufigste bakterielle Ursache von Lungenentzündungen, aber auch Harnwegsinfekten und anderen Infektionskrankheiten und kann zur Blutvergiftung (Sepsis) führen (1). Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn begleitet daher Phage4Cure eng.

Im Zeitalter der wachsenden Antibiotikaresistenz von Bakterien rücken die Phagen immer mehr in den Fokus der Forschung. Das von der DSMZ unter der Leitung der renommierten Phagen-Forscherin Dr. Christine Rohde durchgeführte Screening von Phagen gegen Pseudomonas aeruginosa wurde jetzt erfolgreich abgeschlossen. Eine Auswahl erfolgversprechender therapeutischer Phagen wird nun weiter erforscht, erläutert Doktor Rohde. Bakteriophagen oder kurz Phagen sind Viren, die auf Bakterien als Wirtszellen spezialisiert sind. Sie befallen ausschließlich Bakterien und nutzen sie für ihre eigene Vermehrung. Dabei gehen die Bakterien selbst zugrunde.

Der größte Vorteil der Phagen ist ihre spezifische Wirksamkeit. Im Unterschied zu Antibiotika greifen Phagen nur ihr spezielles Wirtsbakterium an. Andere, nützliche Bakterien, zum Beispiel der Darmflora, nicht. Das Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH in Braunschweig gehört zu den führenden Phagen-Forschungsinstituten und hat die vielfältigste Phagen-Sammlung Europas. Christine Rohde gehört zu den Phagen-Experten Deutschlands und erforscht mit ihrer Arbeitsgruppe an der DSMZ den Einsatz gegen multiresistente Keime.



Die Phagen-Therapie kann eine Alternative im Kampf gegen Bakterien sein, bei denen Antibiotika „scheitern“, betont Dr. Christine Rohde. Bisher ist die Therapie mit Phagen in Deutschland aber noch nicht zugelassen und das zu ändern, ist Ziel des Phage4Cure-Forschungsverbundes, dem wir mit der DSMZ angehören, so Rohde weiter. Im Jahr 2017 bewilligte das Bundesministerium für Bildung und Forschung die Fördermittel für den Forschungsverbund Phage4Cure. In diesem arbeiten das Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH, das Fraunhofer-Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin in Braunschweig und Hannover und die Charité- Universitätsmedizin Berlin sowie die Charité Research Organisation GmbH in Berlin an dem klinischen Einsatz von Phagen.

Ziel ist es, Phagen als zugelassene Arzneimittel gegen bakterielle Infektionen in Deutschland zu etablieren. Wissenschaftliche Beschäftigte der DSMZ haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Phagen gegen Pseudomonas aeruginosa aus verschiedenen Ursprungsorten isoliert und charakterisiert. Das Phagen-Screening an der DSMZ ist jetzt abgeschlossen und führte zu drei therapeutisch vielversprechenden Phagen. Diese gingen zur weiteren pharmazeutischen Hochaufreinigung an das Fraunhofer-Institut in Braunschweig. Bei einem Treffen der Projektbeteiligten in Berlin wurde jetzt auch das toxikologische Programm der präklinischen Phase abgestimmt. Ziel ist es, zu gewährleisten, dass weitere Projektabschnitte frühzeitig zwischen den Partnern harmonisiert und an regulatorische Anforderungen angepasst werden, damit die präklinischen Entwicklungsarbeiten zeitnah und geordnet ablaufen können. Am Ende des Phage4Cure-Projekts können die Phagen dann in der ersten klinischen Studie mit Phagen in Deutschland getestet werden, informiert Dr. Christine Rohde abschließend.

Weitere Informationen finden Sie unter

https://www.dsmz.de/de/start/aktuelles/phagen-infoseite.html




Diese Newsmeldung wurde erstellt mit Materialien von idw-online


News der letzten 7 Tage

www.biologie-seite.de 12 Meldungen

Meldung vom 21.03.2019

Besiedlung in Zeitlupe

Langzeitexperiment in der Tiefsee der Arktis zeigt: Sesshafte Tiere können in großen Wassertiefen nur extrem ...

Meldung vom 21.03.2019

Möglicher Ur-Stoffwechsel in Bakterien entdeckt

Mikrobiologen aus Braunschweig, Tübingen und Konstanz entdecken, wie Bakterien Eisen-Schwefel-Minerale als En ...

Meldung vom 20.03.2019

Herzerkrankungen: Giftige Qualle hilft der Forschung

Studie der Universität Bonn nutzt Lichtrezeptor des Tieres, um Regulation des Herzschlages zu untersuchen.

Meldung vom 20.03.2019

Optischer Sensor soll Pflanzenzüchtung beschleunigen

System der Uni Bonn untersucht, wie Genaktivitäten und Reflexions-Eigenschaften von Pflanzen zusammenhängen. ...

Meldung vom 20.03.2019

Fünf-Punkte-Plan zur Integration der Hobbyangler in Fischerei- und Gewässerschutzpolitik

Weltweit gibt es etwa fünfmal mehr Hobbyangler als Berufsfischer. Bisher berücksichtigt die internationale F ...

Meldung vom 19.03.2019

Artenreiche Gärten: Oasen im Siedlungsraum von hohem sozialen Wert

Grünräume wie Schreber- oder Hausgärten sind in städtischen Ballungszentren für viele Menschen ein Zufluc ...

Meldung vom 19.03.2019

Expertenservice zum Welttag des Wassers

Am 22. März 2019 ist Weltwassertag. Zu diesem Anlass nennen Forschende des Leibniz-Instituts für Gewässerö ...

Meldung vom 19.03.2019

Ausgeflattert: Zwei Drittel weniger Tagfalter

Senckenberg-Wissenschaftler Thomas Schmitt hat in einem deutsch-polnischen Team die Auswirkungen verschiedener ...

Meldung vom 18.03.2019

Mikroben können auf Stickstoffmonoxid (NO) wachsen

Stickstoffmonoxid (NO) ist ein zentrales Molekül im Kreislauf des Elements Stickstoff auf der Erde. Eine Fors ...

Meldung vom 18.03.2019

Eine neue Schlangenart in Bayern - die Alpen-Barrenringelnatter

Forscher der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) haben in der Alpenregion Bayerns eine bisher übe ...

Meldung vom 15.03.2019

Oszillation im Muskelgewebe

Wenn ein Muskel wächst oder eine Verletzung in ihm ausheilt, verwandelt sich ein Teil seiner Stammzellen in n ...

Meldung vom 14.03.2019

Lecker oder faulig- Ein abstoßender Geruch hemmt die Wahrnehmung eines angenehmen Duftes

In der Natur sind Essigfliegen unterschiedlichsten Duftgemischen ausgesetzt, die sowohl anziehende als auch ab ...


06.03.2019
Bindung mit Folgen
16.01.2019
Plötzlich gealtert

19.12.2018
Baum der Schrecken
07.11.2018
Plastik im Fisch
28.09.2018
Gestresste Pflanzen

13.08.2018
Wie Vögel lernen

15.06.2018
Primaten in Gefahr
24.05.2018
Störche im Aufwind

07.11.2018
Kenne Deinen Fisch!
07.11.2018
Leben ohne Altern
07.11.2018
Lebensraum Käse
07.11.2018
Domino im Urwald
07.11.2018
Trend-Hobby Imker
07.11.2018
Wie Bienen riechen

Newsletter

Neues aus der Forschung