Wenn Feinde zu Helfern werden

Neues aus der Forschung

Meldung vom 10.04.2018

Der Feind meines Feindes ist mein Freund. Dass dieses Prinzip auch für Krabbenspinnen und Blütenpflanzen gilt, zeigen nun UZH-Forschende. Die Spinnen fressen oder vertreiben zwar nützliche Bestäuberinsekten wie Bienen. Sie werden von der Pflanze aber mit einem Duftstoff zu Hilfe gerufen, sobald Frassinsekten die Blüten befallen.


180415-0248_medium.jpg
 
Indem Krabbenspinnen Raupen fressen, helfen sie der Blütenpflanze.
Anina C. Knauer, Moe Bakhtiari and Florian P. Schiestl
Crab spiders impact floral-signal evolution indirectly through removal of florivores
Nature Communications. April 10, 2018
DOI: 10.1038/s41467-018-03792-x


Sie sind in der Natur allgegenwärtig: Interaktionen zwischen Organismen wie Pflanzen und Tieren. Eine solche Beziehung haben Anina Knauer und Florian Schiestl, UZH-Professor am Institut für Systematische und Evolutionäre Botanik, näher untersucht: die Interaktion von Krabbenspinnen und Glatt-Brillenschötchen, ein in Europa verbreitetes, gelbes Kreuzblütengewächs.

Die schädliche Seite von Krabbenspinnen

Krabbenspinnen sind Jäger, die auf den Blüten der Pflanze ihrer Beute auflauern. Bisher ging man davon aus, dass solche Spinnen den Pflanzen schaden, da sie bestäubende Insekten fangen oder vom Blütenbesuch abhalten. Die UZH-Ökologen zeigen nun einen überraschenden Effekt: «Krabbenspinnen orientieren sich am Blütenduft, um die Pflanzen zu finden. Dazu verwenden sie β-Ocimen – dieselbe Duftsubstanz, die auch Bienen zu den Blüten lockt», sagt Schiestl.

Blütenduftstoff wirkt als Hilferuf

Sitzen Krabbenspinnen auf den Blüten, kommen tatsächlich weniger Bienen, da sie von den Spinnen vom Blütenbesuch abgehalten werden. Doch die Spinnen fressen nicht nur Bestäuber. Sie eliminieren auch pflanzenfressende Insekten oder deren Raupen, die sich von Blüten oder Früchten ernähren, und den Pflanzen schaden. Die Krabbenspinnen nützen so den Pflanzen – ganz nach dem Prinzip «der Feind meines Feindes ist mein Freund». Dieser Nutzen ist offenbar so gross, dass die Pflanzen nach einem Befall mit Frassinsekten den Duftstoff, der die Spinnen anlockt, in grösserer Menge abgeben. Dieser «Hilferuf» zeigt Wirkung: Die Spinnen besuchen daraufhin besonders oft die befallenen Blüten, wo sie reiche Beute vorfinden.

Interaktionen verstehen zum Schutz von Ökosystemen

Die Studie zeigt, dass der Effekt von interagierenden Organismen stark vom ökologischen Kontext abhängt. In komplexen Ökosystemen lassen sich die Konsequenzen nicht immer vorhersagen. Das bedeutet, dass das Verschwinden bestehender bzw. das Erscheinen neuer Interaktionspartner unvorhersehbare Folgen für einzelne Mitglieder eines Ökosystem haben kann. «Es ist daher wichtig, die Interaktionen zwischen Organismen und deren Folgen besser zu verstehen, um die Erkenntnisse zum Schutz von Ökosystemen oder im biologischen Landbau anwenden zu können», folgert Florian Schiestl.


News der letzten 2 Wochen


Meldung vom 20.09.2018 15:08

Klimawandel: Düngung und Mulchsaat optimieren den Wasserverbrauch im Weizenanbau

Experimente des Thünen-Instituts zeigen, wie Landwirte sich die erhöhte CO₂-Konzentration in der Luft für ...

Meldung vom 20.09.2018 15:05

Dufttherapie für das Haarwachstum

Menschliche Haarwurzelzellen besitzen Duftrezeptoren, und deren Aktivierung mit einem sandelholzartigen Duft k ...

Meldung vom 20.09.2018 15:00

Wild-Wachtelzucht (noch) frei von japanischen „Gen-Importen“ und ebenso erfolgreich

Wachteln werden im Mittelmeerraum gerne gejagt und die Wildtierpopulation über Zuchtfarmen entsprechend aufge ...

Meldung vom 20.09.2018 14:44

Mit Nano-Lenkraketen Keime töten

Wo Antibiotika versagen, könnten künftig Nano-Lenkraketen helfen, multiresistente Erreger (MRE) zu bekämpfe ...

Meldung vom 20.09.2018 14:39

Entwicklung des Nervensystems: Wie Nervenzellen die Herstellung von Proteinen regulieren

Werden in einer Zelle Proteine aus genetischer Information hergestellt, sprechen Wissenschaftler von Translati ...

Meldung vom 20.09.2018 14:34

Internationales “Vertebrate Genomes Project” veröffentlicht 15 neue Genome

Max-Planck-Gesellschaft unterstützt Projekte für hochqualitative Referenzgenome

Meldung vom 20.09.2018 14:28

Pflanzenforschung: Neuer Mechanismus bei der Genregulation gefunden

Ein Team von Wissenschaftlern um den Oldenburger Pflanzengenetiker Prof. Dr. Sascha Laubinger hat einen neuen ...

Meldung vom 20.09.2018 13:11

Zelluläres Gedächtnis überlistet Krankheitskeime

Studie des Kiel Evolution Center belegt Wirksamkeit der sequentiellen Antibiotika-Therapie gegen den Krankheit ...

Meldung vom 13.09.2018 17:29

Aus Holzabfällen erfolgreich erneuerbares Gas produziert

Karlsruher Forschern ist es mit einer Pilotanlage für Waben-Methanisierung gelungen, aus einem aus Biomasse h ...

Meldung vom 13.09.2018 17:25

Süßes Leben – einfachste Zucker ohne Biosynthese

Wissenschaftlerteam der Universität Gießen entdeckt unbekannte Möglichkeiten der Zuckersynthese – Veröff ...

Meldung vom 13.09.2018 17:17

Wann Pflanzen und Mikroorganismen kooperieren oder konkurrieren, um an Nährstoffe zu kommen

Je nach Düngung unterschiedliche Reaktion - Pflanzen und Mikroorganismen haben sehr unterschiedlichen Bedarf ...

Meldung vom 13.09.2018 16:18

Entführung in antarktischer Tierwelt

Flohkrebse nehmen Flügelschnecken Huckepack und schützen sich vor Räubern

Meldung vom 13.09.2018 16:15

Kleine Tiere, grosse Wirkung: Wirbellose halten Ökosysteme am Laufen

Ob gross oder klein - pflanzenfressende Tiere wie Hirsche, Murmeltiere, Mäuse, Schnecken oder Insekten spiele ...

Meldung vom 13.09.2018 16:12

Früchte der gemeinsamen Arbeit für frei lebende Schimpansen

Die Vorteile aus kooperativer Jagd und dem Teilen von Fleisch gelten als grundlegende Triebfedern für die Evo ...

Meldung vom 13.09.2018 16:08

Tiefseebergbau hinterlässt tiefe Narben - Massiver Artenverlust 26 Jahre nach Abbau nachgewiesen

Gemeinsam mit einem internationalen Team haben Senckenberg-Wissenschaftlerinnen die Auswirkungen von Tiefseebe ...

Meldung vom 13.09.2018 14:47

Neuer Eisentransporter bei Getreide-assoziierten Bakterien entdeckt

Ein Jenaer Forscherteam hat ein neues Siderophor („Eisenträger“) entdeckt. Das Gramibactin genannte Molek ...


13.08.2018:
Wie Vögel lernen
20.07.2018:
Magie im Reagenzglas

18.06.2018:
Primaten in Gefahr
28.05.2018:
Störche im Aufwind
07.05.2018:
Misteln atmen anders

27.03.2018:
Kenne Deinen Fisch!


01.09.2016:
Elefanten im Sinkflug
13.12.2015:
Leben ohne Altern
22.05.2014:
Lebensraum Käse
22.05.2014:
Domino im Urwald
04.04.2014:
Nationalpark Asinara
13.03.2014:
Trend-Hobby Imker
04.09.2013:
Harmloser Terrorvogel
07.02.2013:
Wie Bienen riechen

Newsletter

Neues aus der Forschung