Vogelkinder älterer Eltern haben weniger Nachkommen

Neues aus der Forschung

Meldung vom 14.03.2015

Sich in höherem Alter fortzupflanzen kann Risiken bergen, die das eigene Leben sowie das der Kinder beeinträchtigen, wie beispielsweise eine geringere biologische Fitness der Nachkommen.


Sich in höherem Alter fortzupflanzen kann Risiken bergen, die das eigene Leben sowie das der Kinder beeinträchtigen, wie beispielsweise eine geringere biologische Fitness der Nachkommen. Diese am Menschen und in Laborexperimenten an Tieren gewonnene Erkenntnis hat nun erstmals ein Forscherteam vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen zusammen mit Kollegen aus England und Neuseeland in einer Langzeitstudie an wildlebenden Tieren nachgewiesen. Sie fanden in einer Haussperling-Population, dass Nachkommen von alten Eltern selbst weniger Nachwuchs produzieren. Dieser generationenübergreifende Effekt ist wichtig für das Verständnis der Evolution von Langlebigkeit.

Die Fortpflanzungsfähigkeit nimmt nicht bei allen Arten mit zunehmendem Alter ab. Sie kann das ganze Leben lang konstant bleiben, wie es bei einigen Wirbellosen der Fall ist oder, wie bei manchen Reptilien, mit zunehmendem Alter sogar größer werden. In der Regel können sich beide Geschlechter in hohem Alter noch fortpflanzen, wobei das Männchen weitaus mehr Nachkommen erzeugen kann als das Weibchen. Bei einigen Säugetieren, wie uns Menschen, bleiben die männlichen Individuen länger zeugungsfähig als die weiblichen, bei denen irgendwann die Menopause beginnt. Sich in hohem Alter fortzupflanzen birgt aber Risiken, wie zum Beispiel eine höhere Kindersterblichkeit oder Chromosomenanomalien. Darüber hinaus haben die Kinder älterer Eltern selbst weniger Nachkommen oder leben kürzer, was allgemein als „Lansing-Effekt“ bezeichnet wird und außer beim Menschen bereits bei Mäusen und einigen wirbellosen Tieren im Labor gezeigt wurde, jedoch noch nie bei wildlebenden Populationen.

Julia Schroeder vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen hat nun zusammen mit Kollegen der Universität Sheffield und der neuseeländischen Universität Otago diesen Effekt in einer Population von Haussperlingen untersucht. Ihr Untersuchungsgebiet ist eine kleine Insel vor der Südwestküste Englands, auf der seit über zehn Jahren sämtliche Spatzen-Nachkommen erfasst und beringt werden. Die Forscher nahmen auch Blutproben von Eltern und Jungtieren, um die genetischen Elternschaften zu bestimmen. Auf diese Weise entstand ein einzigartiger und sehr präziser genetischer Stammbaum von über 5000 Tieren, wobei von jedem Tier das genaue Alter und die Anzahl seiner Nachkommen bekannt waren. Die Tiere bleiben ihr Leben lang auf der Insel, die nahezu unbewohnt ist und in 19 Kilometer Entfernung zum Festland liegt. In zwölf Jahren gab es nur vier Spatzen, die nicht zu den auf der Insel lebenden Alttieren zugeordnet werden konnten, und somit wahrscheinlich Einwanderer sind. Um herauszufinden, ob ein möglicher Effekt genetisch oder durch die Umwelt bedingt ist, tauschten die Forscher systematisch die Gelege zwischen den Nestern aus.

Die Analyse der Lebensdauer ergab ein eindeutiges Ergebnis. Erstens wirkte sich ein hohes Alter der Weibchen negativ auf die Fitness ihrer Töchter aus, das heißt die Töchter produzierten weniger Nachkommen. Alte Männchen wiederum produzierten Söhne, die selbst weniger Nachkommen hatten. Diesen Nachteil bekommen besonders Nachkommen aus einem Seitensprung zu spüren, da in einer früheren Studie gezeigt wurde, dass Spatzenweibchen eher mit älteren Männchen fremdgehen. Diese Strategie, sich langlebige und damit besonders überlebensfähige Männchen zur Fortpflanzung auszusuchen, erweist sich nun durch die Ergebnisse dieser Studie als nachteilig.

„Die Ergebnisse zeigen, dass die gefundenen Effekte nicht durch Umweltfaktoren zu erklären sind, sondern eher durch die Konstitution der Eltern, die sich im Laufe der Jahre durch sogenannte epigenetische Prozesse ändern kann. Dieser generationenübergreifende Alterseffekt kann die Selektion für Langlebigkeit in einer Population ändern“, sagt Julia Schroeder, Erstautorin der von der VolkswagenStiftung finanzierten Studie. „Diese Ergebnisse sind möglicherweise auch für Brutprogramme gefährdeter Arten wichtig, bei denen oft ältere Tiere aus verschiedenen Populationen verwendet werden, um eine genetische Variabilität aufrechtzuerhalten“, so die Forscherin weiter.


Diese Newsmeldung wurde erstellt mit Materialien von idw-online


News der letzten 2 Wochen


Meldung vom 17.01.2019 13:47

Mieser Fraß: Wie Mesozooplankton auf Blaualgenblüten reagiert

Warnemünder MeeresforscherInnen ist es mithilfe der Analyse von stabilen Stickstoff-Isotopen in Aminosäuren ...

Meldung vom 17.01.2019 13:41

Einblicke in das Wachstum einer tropischen Koralle

Kalkbildung in Korallen: Ein doppelter Blick und dreifache Messungen erlauben neue Einblicke in das Wachstum e ...

Meldung vom 17.01.2019 13:31

Plötzlich gealtert

Coralline Rotalgen gibt es seit 130 Millionen Jahren, also seit der Kreidezeit, dem Zeitalter der Dinosaurier. ...

Meldung vom 17.01.2019 13:19

Mehr Platz für Vögel und Schmetterlinge in der Landwirtschaft

Um den schwindenden Bestand von Vögeln und Schmetterlingen im Schweizer Kulturland wieder zu erhöhen, müsse ...

Meldung vom 17.01.2019 13:14

Ernst Haeckel als Erzieher

Biologiedidaktiker der Uni Jena geben Reprint der Dodel-Schrift „Ernst Haeckel als Erzieher“ mit heraus.

Meldung vom 17.01.2019 13:10

Das Ohr aus dem 3-D-Drucker

Aus Holz gewonnene Nanocellulose verfügt über erstaunliche Materialeigenschaften. Empa-Forscher bestücken d ...

Meldung vom 17.01.2019 13:04

Menschliche Darmflora durch Nanopartikel in der Nahrung beeinflussbar

Neue Studie der Universitätsmedizin Mainz über die (patho)biologischen Auswirkungen von Nanopartikeln auf da ...

Meldung vom 10.01.2019 19:47

Erster direkter Nachweis eines Wal jagt Wal - Szenarios in früheren Ozeanen

In einer im open-access Journal PLOS ONE publizierten Studie, liefern Manja Voss, Paläontologin am Museum fü ...

Meldung vom 10.01.2019 19:33

Zahnwechsel sorgt bei Elefanten für Jojo-Effekt

Das Gewicht von Zoo-Elefanten schwankt im Laufe ihres erwachsenen Lebens in einem Zyklus von etwa hundert Mona ...

Meldung vom 10.01.2019 19:24

Intensives Licht macht schläfrig

Insekten und Säugetiere besitzen spezielle Sensoren für unterschiedliche Lichtintensitäten. Diese nehmen ge ...

Meldung vom 10.01.2019 19:11

Alpenwanderung mit Folgen: Forscher verifizieren fast 70 Jahre alte genetische Hypothese

An einer Orchideen-Population in Südtirol belegen Forscher der Universitäten Hohenheim, Zürich und Wien die ...

Meldung vom 08.01.2019 17:54

Clevere Tiere upgraden ihr Genom

Puzzlestein in der Evolution der Tintenfische entschlüsselt - Kopffüßer wie Tintenfisch, Oktopus oder Nauti ...

Meldung vom 08.01.2019 17:45

Gekommen, um zu bleiben: Drachenwels aus Ostasien in der bayerischen Donau

Die bayerische Donau ist inzwischen Heimat für viele Fisch- und andere Tierarten, die ursprünglich nie dort ...

Meldung vom 08.01.2019 17:37

Entwicklung eines grösseren Gehirns

Ein Gen, das nur der Mensch besitzt und das in der Großhirnrinde aktiv ist, kann das Gehirn eines Frettchens ...

Meldung vom 07.01.2019 16:31

Bei Blaumeisen beeinflusst das Alter der Weibchen und die Legefolge die Qualität der Eier

Brütende Blaumeisen-Weibchen stimmen die Zusammensetzung ihrer Eier auf die Bedürfnisse der aus ihnen schlü ...

Meldung vom 07.01.2019 16:03

Phytolith- und Wassergehalt von Futterpflanzen beeinflussen Zahnschmelzabrieb von Wirbeltieren

Verschiedene Futterpflanzen reiben den Zahnschmelz von Wirbeltieren unterschiedlich stark ab, was unter andere ...



26.12.2018:
Baum der Schrecken
24.11.2018:
Wenn das Meer blüht
24.11.2018:
Durchsichtige Fliegen
15.11.2018:
Plastik im Fisch
03.10.2018:
Gestresste Pflanzen

13.08.2018:
Wie Vögel lernen
20.07.2018:
Magie im Reagenzglas

18.06.2018:
Primaten in Gefahr
28.05.2018:
Störche im Aufwind
07.05.2018:
Misteln atmen anders

27.03.2018:
Kenne Deinen Fisch!
01.09.2016:
Elefanten im Sinkflug
13.12.2015:
Leben ohne Altern
22.05.2014:
Lebensraum Käse
22.05.2014:
Domino im Urwald
04.04.2014:
Nationalpark Asinara
13.03.2014:
Trend-Hobby Imker
04.09.2013:
Harmloser Terrorvogel
07.02.2013:
Wie Bienen riechen

Newsletter

Neues aus der Forschung