Ursprung einer der seltensten Pflanzen Spaniens geklärt: Erstaunliches Alter von 15-22 Mio. Jahren

Neues aus der Forschung

Meldung vom 13.02.2015

Botanikern ist es gelungen, den Ursprung einer heute extrem seltenen Pflanzenart aufzuklären


150213-0347_medium.jpg
S. Tomasello, I. Álvarez, P. Vargas, Ch. Oberprieler. 2015. Is the extremely rare Iberian endemic plant species Castrilanthemum debeauxii (Compositae, Anthemideae) a ´living fossil´? Evidence from a multi-locus species tree reconstruction. Molecular Phylogenetics and Evolution 82 (2015), 118-130.
DOI: 10.1016/j.ympev.2014.09.007
 
Nur wenige Monate im Frühjahr zu sehen: Castrilanthemum debeauxii, eine der seltensten Pflanzenarten der iberischen Halbinsel, findet sich auf einigen Bergrücken (Sierras) Ostandalusiens.
Foto: Salvatore Tomasello (Universität Regensburg)

Den Botanikern Salvatore Tomasello und Prof. Dr. Christoph Oberprieler von der Uni Regensburg ist es in Kooperation mit Kollegen vom „Real Jardín Botánico“ in Madrid gelungen, den Ursprung einer heute extrem seltenen Pflanzenart aufzuklären. Das internationale Team arbeitete eigentlich an einem Stammbaum der Alpen-Margeriten-Pflanzenarten. Bei der genetischen Sequenzierung stellte sich heraus, dass die verwandte und kamilleartige Pflanze Castrilanthemum debeauxii ein Relikt aus dem Erdzeitalter des Frühen Miozäns (vor 15-22 Millionen Jahren) ist. Das überraschende Ergebnis wurden in der Zeitschrift „Molecular Phylogenetics and Evolution“ veröffentlicht (DOI: 10.1016/j.ympev.2014.09.007).

Die kamilleartige, maximal 10 cm große Castrilanthemum debeauxii wurde erstmals 1903 vom französischen Botaniker Élisée Reverchon auf einer Reise im östlichen Andalusien entdeckt; konnte aber erst 1978 von einem spanischen Forscher erneut gefunden werden. Oberprieler und sein Kollege Dr. Robert Vogt vom Botanischen Garten und Botanischen Museum Berlin-Dahlem erkannten 1996 die taxonomische Unabhängigkeit von Castrilanthemum debeauxii und beschrieben sie als eigenständige Gattung. Sie ist nach ihrem Wuchsort in der Sierra de Castril nördlich von Granada im Südosten Spaniens benannt. Trotz der Lokalisierung weiterer Populationen in den angrenzenden Bergen (Sierras) Ostandalusiens ist die Art immer noch eine der seltensten Pflanzenarten der iberischen Halbinsel. Sie wird in der Roten Liste der gefährdeten Arten Spaniens als „vom Aussterben bedroht“ klassifiziert.

Der Biologe Tomasello vom Institut für Pflanzenwissenschaften der Universität Regensburg hat sich im Rahmen seiner Doktorarbeit, die von Prof. Oberprieler betreut wurde, mit den Verwandtschaftsverhältnissen der Alpen-Margeriten (Gattung Leucanthemopsis) befasst. Für seine – auf molekularen Sequenzdaten fußenden – Stammbaumrekonstruktionen bezog er auch die nah verwandte Art Castrilanthemum debeauxii ein. Das überraschende Ergebnis dieser Untersuchungen war das hohe Alter des isolierten Stammbaumastes, der zu Castrilanthemum führt und schon vor 15-22 Millionen Jahren von den nächstverwandten Linien abzweigt.

„Damit weist dieser isolierte Zweig auf eine geologische Epoche zurück, in der die heute mit mehr als 600 Arten in Europa und Nordafrika vertretenen Kamilleartigen – aus dem südlichen Afrika kommend – erstmals im Mediterrangebiet heimisch wurden“ erklärt Oberprieler. Zwar erreicht Castrilanthemum debeauxii damit nicht das Alter des berühmten „lebenden Fossils“ Ginkgo biloba (Ginkgobaum), dessen Linie seit dem Eozän vor 50 Millionen Jahren unverändert überdauert. „Für eine krautige und einjährige Pflanzenart ist das aber schon ein außergewöhnliches Alter“, ergänzt Oberprieler.


Diese Newsmeldung wurde erstellt mit Materialien von idw-online


News der letzten 7 Tage

www.biologie-seite.de 14 Meldungen

Meldung vom 25.06.2019

Studie: Spinat-Extrakt führt zu Leistungssteigerungen im Sport

Ein Extrakt aus Spinat kann einer internationalen Studie unter Beteiligung der Freien Universität Berlin zufo ...

Meldung vom 25.06.2019

Forscher der Humboldt-Universität entschlüsseln, wie Blütenpflanzen ihren Stoffwechsel drosseln

Artikel im Wissenschaftsjournal eLife erschienen.

Meldung vom 25.06.2019

Upcycling in Symbiose: Von „minderwertigen“ Substanzen zu Biomasse

Forschende entdecken den ersten bekannten schwefeloxidierenden Symbionten, der rein heterotroph lebt.

Meldung vom 25.06.2019

Nicht nur der Wind zeigt den Weg

Wenn der südafrikanische Dungkäfer seine Dungkugel vor sich her rollt, muss er den Weg möglichst präzise k ...

Meldung vom 25.06.2019

Rätsel um Ursprung der europäischen Kartoffel gelöst

Woher stammt die europäische Kartoffel? Pflanzen, die im 19. Jahrhundert auf einer Expedition des britischen ...

Meldung vom 24.06.2019

Molekulare Schere stabilisiert das Zell-Zytoskelett

Forschende des Paul Scherrer Instituts PSI in Villigen haben erstmals die Struktur wichtiger Enzyme in menschl ...

Meldung vom 24.06.2019

Solarium für Hühner - Wie sich der Vitamin-D-Gehalt von Eiern erhöhen lässt

Viele Menschen leiden unter einem Vitamin-D-Mangel. Das kann brüchige Knochen und ein erhöhtes Risiko für A ...

Meldung vom 21.06.2019

Genom der Weisstanne entschlüsselt: Baumart für den Wald der Zukunft

Die Weisstanne ist eine wichtige Baumart im Hinblick auf den Klimawandel. Um sie besser erforschen zu können, ...

Meldung vom 21.06.2019

Künstliche Intelligenz lernt Nervenzellen am Aussehen zu erkennen

st es möglich, das Gehirn zu verstehen? Noch ist die Wissenschaft weit von einer Antwort auf diese Frage entf ...

Meldung vom 21.06.2019

Pilz produziert hochwirksames Tensid

Forschungsteam der Friedrich-Schiller-Universität Jena entdeckt im Bodenpilz Mortierella alpina eine bisher u ...

Meldung vom 20.06.2019

Zufall oder Masterplan

Gemeinsame Pressemitteilung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und des Max-Planck-Instituts für Ev ...

Meldung vom 20.06.2019

Systeme stabil halten

Sowohl die Natur als auch die Technik sind auf integrierende Feedback-Mechanismen angewiesen. Sie sorgen dafü ...

Meldung vom 19.06.2019

Wie sich Bakterien gegen Plasmabehandlung schützen

Angesichts von immer mehr Bakterien, die gegen Antibiotika resistent werden, setzt die Medizin unter anderem a ...

Meldung vom 19.06.2019

Natürliches Insektizid schadet dem Grasfrosch nicht

Forschungsteam der Universität Tübingen prüft Alternative zu künstlichen Insektiziden als Mittel zur Stech ...


21.05.2019
Namenlose Fliegen
03.05.2019
Eine Frage der Zeit
24.04.2019
Kraftwerk ohne DNA

06.03.2019
Bindung mit Folgen
16.01.2019
Plötzlich gealtert

19.12.2018
Baum der Schrecken
07.11.2018
Plastik im Fisch
28.09.2018
Gestresste Pflanzen

13.08.2018
Wie Vögel lernen

15.06.2018
Primaten in Gefahr
24.05.2018
Störche im Aufwind
13.02.2015
Kenne Deinen Fisch!
13.02.2015
Leben ohne Altern
13.02.2015
Lebensraum Käse
13.02.2015
Domino im Urwald
13.02.2015
Trend-Hobby Imker
13.02.2015
Wie Bienen riechen

Newsletter

Neues aus der Forschung