Speerfischen macht Fische scheu

Neues aus der Forschung

Meldung vom 29.06.2018

Fischereiforscher vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) und internationale Kollegen haben die Reaktion von Fischen im Mittelmeer auf das Speerfischen untersucht. Die Fische können genau unterscheiden, ob Taucher eine Harpune tragen oder nicht. Sie passen ihr Fluchtverhalten an und halten sicheren Abstand außerhalb der Schussweite. Das ist gut für die Fische und eine Herausforderung für die Speerfischer.


180629-2111_medium.jpg
 
Die Geißbrasse (Diplodus sargus) ist eine der beliebtesten Arten bei Speerfischern. In der Studie zeigte sie ein ausgeprägtes Fluchtverhalten.
Valerio Sbragaglia, Lorenzo Morroni, Lorenzo Bramanti, Boris Weitzmann, Robert Arlinghaus, Ernesto Azzurro, Handling editor: Erika J. Eliason
Spearfishing modulates flight initiation distance of fishes: the effects of protection, individual size, and bearing a speargun
ICES Journal of Marine Science
DOI: 10.1093/icesjms/fsy059


Die Fischereiforscher aus Deutschland, Italien, Frankreich und Spanien haben das Verhalten von fünf Küstenfischarten in drei Regionen des Mittelmeers untersucht. In jeder der drei Regionen wurden Fische innerhalb und außerhalb von Schutzgebieten, die für die Speerfischerei gesperrt sind, observiert.

Für die Untersuchung wurde ein harmloser Taucher mit Flossen und Schnorchel sowie Taucher mit Harpunen eingesetzt. Die Reaktion der Fische hing stark von der Größe des Fisches, der Art des Tauchers und dem Begegnungsort ab. „Je gefährlicher die Situation, desto stärker die Vermeidungsreaktion“, bringt es Dr. Valerio Sbragaglia, Wissenschaftler der Arbeitsgruppe Integratives Angelfischereimanagement am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), auf den Punkt.


 
Ein Taucher mit Harpune nähert sich einem Fisch von der Wasseroberfläche aus.

Als Verhaltensindikator für die Scheuheit der Fische wurde die Fluchtdistanz verwendet. Das ist die Entfernung, auf die sich ein Räuber einer Beute nähern kann, bevor die Beute die Flucht ergreift. Die großen Fische außerhalb der Schutzgebiete flohen bereits, wenn sich ein Taucher mit Harpune in weiter Entfernung an der Wasseroberfläche näherte.

Große Fische werden typischerweise von Speerfischern bevorzugt, sodass die Forscher die starke Fluchtreaktion auf die Bedrohung erwartet hatten. Überraschend aber war, wie fein die Fische ihr Verhalten auf Taucher mit oder ohne Harpune abstimmen können. Dieses Unterscheidungsvermögen war besonders ausgeprägt bei den Zielfischarten der Speerfischerei: Die Scheu der Fische gegenüber den Speerfischern entsprach dem artspezifischen historischen Fischereidruck.



Verhaltensanpassungen wie bei der Speerfischerei wurden auch in früheren Studien festgestellt, bei denen Fische anderen Fanggeräten wie beispielsweise der Angelfischerei ausgesetzt waren. „Alle unsere bisherigen Untersuchungen zeigen, dass die Fischerei einen relevanten Einfluss auf das Fischverhalten hat, was zu Verhaltensanpassungen führt und das Fangen der Fische erschwert. Das zu wissen ist für das Bestandsmonitoring wichtig: eine fischereiinduzierte Scheuheit, die die Fängigkeit reduziert, führt dazu, dass wir weniger Fische erfassen als tatsächlich in einem Gebiet sind“, fasst Mitautor Prof. Dr. Robert Arlinghaus, der am IGB und der Humboldt-Universität zu Berlin zu nachhaltiger Fischerei forscht und lehrt, die Bedeutung der Ergebnisse zusammen.


Diese Newsmeldung wurde erstellt mit Materialien von idw-online


News der letzten 7 Tage

www.biologie-seite.de 14 Meldungen

Meldung vom 17.05.2019

Echoortung von Fledermäusen - Exzellente Navigation mit wenig Information

LMU-Forscher widerlegen bisherige Annahmen über die Echoortung: Fledermäuse haben deutlich weniger räumlich ...

Meldung vom 17.05.2019

Neues Petersilien-Virus von Braunschweiger Forschern entdeckt space

Neues Petersilien-Virus kommt im Raum Braunschweig und anderen Teilen Deutschlands vor.

Meldung vom 16.05.2019

Bettgenosse gesucht: Wer war der erste Wirt der Bettwanzen

Ein internationales Team von Wissenschaftlern unter der kooperativen Leitung des TUD Biologen Prof. Klaus Rein ...

Meldung vom 15.05.2019

Schimpansen graben mit Werkzeugen nach Futter

Forschungsteam filmt im Zoo erstmals, wie die Menschenaffen vorgehen, um an vergrabene Leckereien zu kommen.

Meldung vom 15.05.2019

Übersatte Bakterien machen den Menschen krank

SFB 1182-Forschungsteam schlägt in einer neuen Hypothese vor, dass Entzündungskrankheiten durch ein Nahrungs ...

Meldung vom 15.05.2019

Große Fragen zur Rolle mikroskopischen Lebens für unsere Zukunft

Wie Mikroorganismen die dynamische Entwicklung unserer Erde beeinflussen.

Meldung vom 15.05.2019

Wälder tragen weniger zum Klimaschutz bei als vermutet

Eine Studie mit Beteiligung der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL könnte ein Dämp ...

Meldung vom 15.05.2019

Ausgezirpt - Drastischer Biomasseverlust bei Zikaden in Deutschland

In der April- Ausgabe der vom Bundesamt für Naturschutz herausgegebenen Zeitschrift „Natur und Landschaft ...

Meldung vom 14.05.2019

Relaisstation im Gehirn steuert unsere Bewegungen

Die Relaisstation des Gehirns, die Substantia nigra, beherbergt verschiedene Arten von Nervenzellen und ist f ...

Meldung vom 14.05.2019

Archaeopteryx bekommt Gesellschaft

Forscher der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (SNSB-BSPG) sowie der LMU München be ...

Meldung vom 14.05.2019

Geschlechtsreife Aale bauen ihre Knochen ab

Um zu ihren Fortpflanzungsgebieten zu gelangen, schwimmen Europäische Aale mehrere Tausend Kilometer auf die ...

Meldung vom 13.05.2019

Universität Stuttgart benennt neue Bärtierchen-Art: Milnesium inceptum entdeckt

Eine neue Bärtierchen-Art wurde von Dr. Ralph Schill vom Institut für Biomaterialien und biomolekulare Syste ...

Meldung vom 13.05.2019

Anglerinnen und Angler sorgen für Fischartenvielfalt im Baggersee

Forschende des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) haben zusammen mit Fischere ...

Meldung vom 09.05.2019

Wie Stammzellen ein Gehirn korrekter Größe und Zusammensetzung bauen

Im Laufe der Gehirnentwicklung erzeugen Stammzellen unterschiedliche Typen von Neuronen zu unterschiedlichen Z ...


03.05.2019
Eine Frage der Zeit
24.04.2019
Kraftwerk ohne DNA

06.03.2019
Bindung mit Folgen
16.01.2019
Plötzlich gealtert

19.12.2018
Baum der Schrecken
07.11.2018
Plastik im Fisch
28.09.2018
Gestresste Pflanzen

13.08.2018
Wie Vögel lernen

15.06.2018
Primaten in Gefahr
24.05.2018
Störche im Aufwind
29.06.2018
Kenne Deinen Fisch!
29.06.2018
Leben ohne Altern
29.06.2018
Lebensraum Käse
29.06.2018
Domino im Urwald
29.06.2018
Trend-Hobby Imker
29.06.2018
Wie Bienen riechen

Newsletter

Neues aus der Forschung