Fluchtverhalten

Als Fluchtverhalten bezeichnet man in der Verhaltensforschung alle Bewegungsabläufe, die einem Tier dazu dienen, sich vor einem tatsächlichen oder potenziellen Angreifer in Sicherheit zu bringen, wenn dieser die Fluchtdistanz nicht einhält. Das Fluchtverhalten ist in der Regel in allen wesentlichen Elementen angeboren, kann aber durch Erfahrung modifiziert werden. Es ist vermutlich dasjenige Verhalten, auf das in jeder Umwelt der höchste Selektionsdruck gerichtet ist, da bereits ein einziges "Versagen" zum Tod führen kann.

Stammesgeschichtlich eng verbunden ist das Fluchtverhalten einerseits mit dem Erkundungsverhalten und mit agonistischem Verhalten, andererseits mit dem Erkennen von Warnsignalen anderer Tiere. So ist es für viele bodenlebende Kleinsäuger beispielsweise überlebenswichtig, rasch zu erkennen, wo ein Bodenfeind sich aufhält, um in eine entgegengesetzte Richtung zu fliehen. Bei einem Angreifer aus der Luft spielt hingegen die Fluchtrichtung keine besonders große Rolle, da es in diesem Fall darauf ankommt, möglichst rasch eine Deckung aufzusuchen.

Erkundungsverhalten wiederum zielt u.a. darauf ab, neue Nahrungsquellen zu erschließen, birgt aber die Gefahr, im unbekannten Gelände besonders leicht ein Opfer von Fressfeinden zu werden. Beim agonistischen Verhalten ist die Bereitschaft zum Wechsel zwischen Aggression, Abwehr- und Fluchtverhalten eine elementare Voraussetzung für den Erfolg beispielsweise im Zweikampf um Sexualpartner.


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