Ivan Ezhikoff / Flickr (Creative Commons CC-BY)"> Sehen was du fühlst - biologie-seite.de

Sehen was du fühlst

Neues aus der Forschung

Meldung vom 18.01.2019

Gefühle, Motivation und Handlungen entstehen in unserem Gehirn. Eine zentrale Rolle dabei spielt die Kommunikation der Gehirnzellen mit Hilfe von Botenstoffen. Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung in Köln haben jetzt eine Methode entwickelt, mit der man die Ausschüttung des Botenstoffs Dopamin im Gehirn sichtbar machen kann.


190119-1441_medium.jpg
 
Der Botenstoff Dopamin wirkt im Gehirn als Belohnungssignal bei der Nahrungaufnahme.
Lippert, R.N., Cremer, A.L., Thanarajah, S.E., Korn, C., Jahans-Price, T., Burgeno, L., Tittgemeyer, M., Brüning, J.C., Walton, M.E., and Backes, H.
Time-dependent assessment of stimulus-evoked regional dopamine release
Nature Communications
DOI: 10.1038/s41467-018-08143-4


Nervenzellen in unserem Gehirn kommunizieren untereinander mit Hilfe von Botenstoffen wie zum Beispiel Dopamin. Diese werden gezielt von einer Nervenzelle in die Kontaktstellen zur nachgeschalteten Zelle entlassen und geben dabei Informationen an diese weiter. Die Kontaktstellen zwischen den Nervenzellen nennt man Synapsen. „Synapsen sind winzig klein und eine Ausschüttung dauert nur wenige tausendstel Sekunden. Daher ist es äußerst schwierig, diese Ereignisse zu erkennen und sichtbar zu machen“, erläutert Rachel Lippert, Ko-Erstautorin der Studie.

Damit es dennoch gelingt, die Kommunikation der Nervenzellen sichtbar zu machen, nutzen die Forscher einen Nebeneffekt. Anna Lena Cremer, ebenfalls Erstautorin der Studie, erklärt wie: „Bei der Ausschüttung von Dopamin in eine Synapse werden nicht alle Moleküle des Botenstoffs von der benachbarten Zelle gebunden, sondern es entweicht ein Teil aus der Synapse. Um das Dopamin außerhalb der Synapsen wieder einzufangen, brauchen die Zellen viel länger.“ Und zwar lange genug, um die Dopaminmoleküle mit Hilfe eines bildgebenden Verfahrens, der Positronen-Emissionstomographie (PET), zu detektieren. Die Forscher demonstrierten dies in aufwendigen Studien, die jetzt im Wissenschaftsmagazin Nature Communications veröffentlicht wurden. „Am Anfang waren wir selber skeptisch, ob unsere Theorie wirklich stimmt. Doch je mehr Daten wir zusammentrugen, desto mehr bestätigte sich unsere Vermutung“, sagt Heiko Backes, der Leiter der Studie.

In einer ersten Anwendung bei Probanden zeigten die Forscher, wo und wann Dopamin nach der Einnahme eines schmackhaften Milchshakes ausgeschüttet wird. Interessanterweise fanden sie dabei Regionen, in denen die Menge des ausgeschütteten Dopamins das subjektive Verlangen der Probanden nach dem Milchshake widerspiegelte.

Können wir also unsere Gefühle sichtbar machen? „Nicht unsere Gefühle per se“, meint Heiko Backes, „aber wir können sichtbar machen, wo und wann Dopamin ausgeschüttet wird, das für bestimmte Aspekte unserer Gefühle verantwortlich ist.“ Im nächsten Schritt wollen die Forscher zeigen, dass die Methode auch auf andere Botenstoffe übertragbar ist. Vielleicht gelingt es am Ende ja doch – und wir sehen die Gefühle im PET leuchten.


Diese Newsmeldung wurde erstellt mit Materialien von idw-online


News der letzten 7 Tage

19 Meldungen

Meldung vom 19.02.2019

Der Geruch von Nahrung steuert zelluläres Recycling und beeinflusst Lebenserwartung

Der Geruch von Nahrung wirkt sich auf Physiologie und das Altern aus. Das konnte ein Team von Professor Thorst ...

Meldung vom 19.02.2019

Lebensstil hinterlässt Spuren im Gehirn

Sport ist gesund, Alkohol und Rauchen sind es nicht. Diese Erkenntnis hat sich inzwischen in weiten Teilen der ...

Meldung vom 19.02.2019

Nervenzellen als Teamplayer: Göttinger Forscher erklären, wie das Auge Bewegungen erkennt

Forscher der UMG haben analysiert: Spezielle Nervenzellen im Auge signalisieren eine Verschiebung der Blickric ...

Meldung vom 19.02.2019

Nässe und Kälte begünstigt dunkles Gefieder

In niederschlagsreichen und in kalten Regionen sind Vögel oft dunkel gefärbt. Das zeigt eine Analyse der Gef ...

Meldung vom 19.02.2019

Gräser können sich ohne Evolution anpassen

Um sich an die Umwelt anzupassen, übernehmen Gräser bestimmte Gene von verwandten Arten – und dies auf dir ...

Meldung vom 19.02.2019

Vertrautheit macht angriffslustig

Fische, die sich lange kennen, gehen aggressiver miteinander um. Bei Tieren kann die Aggressivität untereinan ...

Meldung vom 18.02.2019

Verlockung der etwas anderen Art

Die Chemie muss stimmen, heißt es. Und da ist etwas dran – zumindest die meisten Insekten nutzen chemische ...

Meldung vom 18.02.2019

Mit Eierschalen Energie speichern

Bioabfall in Form von Hühnereierschalen erweist sich als sehr effektiv für die Energiespeicherung. Zu diesem ...

Meldung vom 16.02.2019

Haeckel: Vom scheuen Gymnasiasten zum selbstbewussten Wissenschaftler

Zweiter Band der „Ausgewählten Briefwechsel“ Ernst Haeckels erscheint an der Universität Jena

Meldung vom 15.02.2019

Psychologie: Nette Ausbeuter setzen sich durch

Gegen Menschen, die Kooperation und Egoismus raffiniert einsetzen, ist kein Kraut gewachsen.

Meldung vom 15.02.2019

Ameisen gegen Elefanten: Wie die Insekten die Fressfeinde von Akazien aufspüren

Ameisen beschützen afrikanische Akazien gegen Fressfeinde wie Elefanten, Giraffen oder Antilopen und erhalten ...

Meldung vom 14.02.2019

In Zebrafischeiern hemmt die am schnellsten wachsende Zelle ihre Nachbarn durch mechanische Signale

Wissenschaftler des IST Austria entdecken neuen Mechanismus für die laterale Hemmung von Zellen - Studie in C ...

Meldung vom 14.02.2019

Vögel speichern Erinnerungen möglicherweise anders ab als Säugetiere

Vögel haben ein gutes Gedächtnis, aber im Gegensatz zu Säugetieren ist bisher noch kaum etwas darüber beka ...

Meldung vom 14.02.2019

Werkzeug oder kein Werkzeug

Flexibler Werkzeuggebrauch bei Tieren steht in enger Verbindung mit höheren mentalen Prozessen, wie zum Beisp ...

Meldung vom 14.02.2019

Schwänzeltanz ist für Honigbienen in manchen Kulturlandschaften nicht mehr hilfreich

Soziale Kommunikation im Bienenstaat: Bienen lernen zu beurteilen, welchen Nutzen die Informationen aus einem ...

Meldung vom 13.02.2019

Neu entdeckte Schildkrötenart steht kurz vor der Ausrottung

Senckenberg-Wissenschaftler Uwe Fritz hat gemeinsam mit einem internationalen Team eine neue Art aus der Famil ...

Meldung vom 13.02.2019

Universität Konstanz gewinnt neue Erkenntnisse über die Entwicklung des Immunsystems

Wissenschaftler der Universität Konstanz identifizieren Wettstreit zwischen menschlichem Immunsystem und bakt ...

Meldung vom 13.02.2019

Saisonale Klimaeffekte beeinflussen das Schicksal der Erdmännchen

Bedroht ein trockeneres und heisseres Klima die Erdmännchen in der Kalahari-Wüste? For-schende der Universit ...


16.01.2019
Plötzlich gealtert

19.12.2018
Baum der Schrecken
07.11.2018
Plastik im Fisch
28.09.2018
Gestresste Pflanzen

13.08.2018
Wie Vögel lernen

15.06.2018
Primaten in Gefahr
24.05.2018
Störche im Aufwind

19.01.2019
Kenne Deinen Fisch!
19.01.2019
Leben ohne Altern
19.01.2019
Lebensraum Käse
19.01.2019
Domino im Urwald
19.01.2019
Trend-Hobby Imker
19.01.2019
Wie Bienen riechen

Newsletter

Neues aus der Forschung