Rothirsche fressen im Winter weniger als im Sommer, verwerten Nahrung aber besser

Neues aus der Forschung

Meldung vom 13.12.2015

Im Winter ist das Nahrungsangebot für Pflanzenfresser in unseren Breiten geringer und qualitativ schlechter. Wie Rothirsche mit diesen extremen Bedingungen umgehen, wurde am Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI) der Vetmeduni Vienna in Zusammenarbeit mit der Tierärztlichen Hochschule Hannover untersucht.


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Arnold W, Beiglböck C, Burmester M, Guschlbauer M, Lengauer A, Schröder B, Wilkens MR und Breves G. 2015. Contrary seasonal changes of rates of nutrient uptake, organ mass, and voluntary food intake in red deer (Cervus elaphus). American Journal of Physiology - Regulatory and Integrative Comparative Physiology
 
Eine Hirschkuh frisst an der Futterstation.
(Foto: Manuela Habe/Vetmeduni Vienna)

Das Ergebnis: Die Hirsche fressen im Winter nur halb so viel wie im Sommer, selbst wenn gutes Futter unbegrenzt zur Verfügung steht. Sie verkleinern ihren Verdauungstrakt und verwerten die aufgenommene Nahrung trotzdem effizienter. Die Ergebnisse wurden im American Journal of Physiology veröffentlicht.

In einem groß angelegten Fütterungsversuch wurde an 16 Rothirschkühen über einen Zeitraum von drei Jahren untersucht, ob die Tiere ihre Nahrungsaufnahme und -verwertung je nach Jahreszeit unterschiedlich regulieren.

Rothirsche fressen im Winter halb so viel wie im Sommer

Tatsächlich fraßen die Hirschkühe im Winter täglich nur halb so viel wie im Sommer, trotz unbegrenzter Verfügbarkeit von sonst bei den Tieren beliebten Futterpellets. Gleichzeitig schrumpften die Verdauungsorgane der Tiere beträchtlich. „Offenbar verhindert reduzierter Appetit im Winter, dass Rothirsche zu viel Zeit und Energie für wenig ergiebige Nahrungssuche verwenden“, meint der Erstautor und Leiter des FIWI, Walter Arnold. „Weniger Nahrungsaufnahme ermöglicht die Verkleinerung des Verdauungstraktes, was wiederum Energie einspart“.

Nährstoffaufnahme im Winter effizienter

Weiter wurde die Aufnahme von Glukose und Proteinbestandteilen aus dem Nahrungsbrei durch die Dünndarmzellen untersucht. Es zeigte sich, dass der aktive Transport dieser Nährstoffe im Winter schneller abläuft als im Sommer.

Der Nachweis gelang mit zwei unabhängigen Methoden: Einmal indirekt durch die elektrophysiologische Messung des Nährstofftransportes im frischen, noch aktiven Darmwandgewebe von erlegten Hirschen. Zum anderen durch die direkte Messung der Nährstoffaufnahme über die Zellmembran der Darmwandzellen. Dazu wurden Zellmembranen aus Darmwandgewebe isoliert. Sie bilden im Reagenzglas Vesikel, die noch funktionsfähige Transportproteine enthalten. Diese Proteine transportierten hinzugegebene, radioaktiv markierte Nährstoffe schneller in Vesikel, die aus Darmzellen von Wintertieren präpariert worden waren.

Als Resultat der intensiveren Verdauung fanden sich im Kot von Wintertieren - bei vergleichbaren Mengen aufgenommenen Rohproteins - geringere Konzentrationen von Rohprotein als im Kot von Sommertieren.

„Die Extraktion von Nähstoffen aus dem Futter funktioniert im Winter effizienter als im Sommer. Die wenige und magere Winternahrung wird von den Rothirschen maximal ausgebeutet. Es zählt jede Kalorie, denn die Energiebilanz im Winter ist notorisch negativ und Fettreserven sind nur begrenzt vorhanden“, so Arnold. „Rothirsche sind im Winter darauf eingestellt, wenig und nährstoffarme Nahrung zu sich zu nehmen, diese aber umso intensiver auszubeuten. Im Sommer halten sich die Tiere mit der Verdauung des aufgenommenen Futters nicht lange auf. Die Energieaufnahme wird maximiert indem sie viel fressen und rasch Platz für erneute Nahrungsaufnahme schaffen, die bei dem üppigen Nahrungsangebot im Sommer leicht zu bewerkstelligen ist“.


Diese Newsmeldung wurde erstellt mit Materialien von idw-online


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