Orang-Utans planen ihre zukünftige Route und teilen sie mit

Neues aus der Forschung

Meldung vom 12.09.2013

Männliche Orang-Utans planen ihre Route bis zu einem Tag im Voraus und teilen sie gezielt anderen Artgenossen mit.


140322-083447_medium.jpg
Carel P. van Schaik, Laura Damerius, Karin Isler. 2013. Wild Orangutan Males Plan and Communicate Their Travel Direction One Day in Advance. PLOS ONE.
doi: 10.1371/journal.pone.0074896
 
Männlicher Orang Utan
Bild: UZH

Um Weibchen anzulocken und männliche Rivalen abzuschrecken rufen sie in die Richtung, in die sie gehen werden. Anthropologen der Universität Zürich weisen nach, dass Orang-Utans ihre Fähigkeit, zukünftige Handlungen zu planen, auch in der Wildnis einsetzen.

Lange wurde die Fähigkeit, zukünftige Handlungen zu antizipieren, nur dem Menschen zugeschrieben. Es hiess, Tiere lebten im Moment. In den letzten Jahren haben aber ausgeklügelte Experimente an Menschenaffen in Zoos gezeigt, dass sich diese sehr wohl an vergangene Ereignisse erinnern und für zukünftige Bedürfnisse vorausplanen können. Anthropologen der Universität Zürich prüften nun, ob auch freilebende Menschenaffen über diese Fähigkeit verfügen und folgten ihnen für mehrere Jahre im dichten tropischen Sumpfwald von Sumatra.

Orang-Utans teilen ihre Pläne mit

Orang-Utans durchstreifen den Wald meistens alleine, pflegen aber auch soziale Beziehungen. Erwachsene Männchen stossen manchmal laute Rufe aus, sogenannte long calls, um Weibchen anzulocken und Rivalen auf Distanz zu halten. Ihre Backenwülste wirken dabei als Trichter zur Schallverstärkung, wie bei einem Megafon. Die Weibchen kommen näher, wenn sie den Ruf nur schwach hören, um den Kontakt nicht zu verlieren. Die rangniedereren Männchen dagegen eilen davon, wenn sie den Ruf laut und klar in ihre Richtung vernehmen.

«Am effizientesten wäre es also, wenn das Männchen genau in die Richtung ruft, in die es später gehen will», erklärt Carel van Schaik. «Wir haben dann effektiv beobachtet, dass die Männchen für mehrere Stunden in ungefähr dieselbe Richtung gingen, in die sie gerufen hatten.» Sogar der letzte Ruf vor dem Schlafnest zeigte oft die Wegrichtung für den nächsten Morgen an, die bis am folgenden Abend beibehalten wurde. Carel van Schaik und sein Team folgern daraus, dass Orang-Utans ihre Route bis zu einem Tag im Voraus planen. Eine Richtungsänderung kündigten die Orang-Utans zudem häufig mit einem neuen, besser passenden Ruf an. Die Forscher beobachteten zudem, dass die anderen Orang-Utans am nächsten Morgen korrekt auf den Ruf des letzten Abends reagierten, auch wenn kein neuer Ruf ertönt war. «Unserer Studie macht deutlich, dass wilde Orang-Utans nicht nur im Hier und Jetzt leben, sondern sich die Zukunft vorstellen können und ihre Pläne sogar kommunizieren. In diesem Sinn sind sie uns damit wieder ein Stück ähnlicher geworden», schliesst Carel van Schaik.


Diese Newsmeldung wurde erstellt mit Materialien von idw-online


News der letzten 2 Wochen


Meldung vom 17.01.2019 13:47

Mieser Fraß: Wie Mesozooplankton auf Blaualgenblüten reagiert

Warnemünder MeeresforscherInnen ist es mithilfe der Analyse von stabilen Stickstoff-Isotopen in Aminosäuren ...

Meldung vom 17.01.2019 13:41

Einblicke in das Wachstum einer tropischen Koralle

Kalkbildung in Korallen: Ein doppelter Blick und dreifache Messungen erlauben neue Einblicke in das Wachstum e ...

Meldung vom 17.01.2019 13:31

Plötzlich gealtert

Coralline Rotalgen gibt es seit 130 Millionen Jahren, also seit der Kreidezeit, dem Zeitalter der Dinosaurier. ...

Meldung vom 17.01.2019 13:19

Mehr Platz für Vögel und Schmetterlinge in der Landwirtschaft

Um den schwindenden Bestand von Vögeln und Schmetterlingen im Schweizer Kulturland wieder zu erhöhen, müsse ...

Meldung vom 17.01.2019 13:14

Ernst Haeckel als Erzieher

Biologiedidaktiker der Uni Jena geben Reprint der Dodel-Schrift „Ernst Haeckel als Erzieher“ mit heraus.

Meldung vom 17.01.2019 13:10

Das Ohr aus dem 3-D-Drucker

Aus Holz gewonnene Nanocellulose verfügt über erstaunliche Materialeigenschaften. Empa-Forscher bestücken d ...

Meldung vom 17.01.2019 13:04

Menschliche Darmflora durch Nanopartikel in der Nahrung beeinflussbar

Neue Studie der Universitätsmedizin Mainz über die (patho)biologischen Auswirkungen von Nanopartikeln auf da ...

Meldung vom 10.01.2019 19:47

Erster direkter Nachweis eines Wal jagt Wal - Szenarios in früheren Ozeanen

In einer im open-access Journal PLOS ONE publizierten Studie, liefern Manja Voss, Paläontologin am Museum fü ...

Meldung vom 10.01.2019 19:33

Zahnwechsel sorgt bei Elefanten für Jojo-Effekt

Das Gewicht von Zoo-Elefanten schwankt im Laufe ihres erwachsenen Lebens in einem Zyklus von etwa hundert Mona ...

Meldung vom 10.01.2019 19:24

Intensives Licht macht schläfrig

Insekten und Säugetiere besitzen spezielle Sensoren für unterschiedliche Lichtintensitäten. Diese nehmen ge ...

Meldung vom 10.01.2019 19:11

Alpenwanderung mit Folgen: Forscher verifizieren fast 70 Jahre alte genetische Hypothese

An einer Orchideen-Population in Südtirol belegen Forscher der Universitäten Hohenheim, Zürich und Wien die ...

Meldung vom 08.01.2019 17:54

Clevere Tiere upgraden ihr Genom

Puzzlestein in der Evolution der Tintenfische entschlüsselt - Kopffüßer wie Tintenfisch, Oktopus oder Nauti ...

Meldung vom 08.01.2019 17:45

Gekommen, um zu bleiben: Drachenwels aus Ostasien in der bayerischen Donau

Die bayerische Donau ist inzwischen Heimat für viele Fisch- und andere Tierarten, die ursprünglich nie dort ...

Meldung vom 08.01.2019 17:37

Entwicklung eines grösseren Gehirns

Ein Gen, das nur der Mensch besitzt und das in der Großhirnrinde aktiv ist, kann das Gehirn eines Frettchens ...

Meldung vom 07.01.2019 16:31

Bei Blaumeisen beeinflusst das Alter der Weibchen und die Legefolge die Qualität der Eier

Brütende Blaumeisen-Weibchen stimmen die Zusammensetzung ihrer Eier auf die Bedürfnisse der aus ihnen schlü ...

Meldung vom 07.01.2019 16:03

Phytolith- und Wassergehalt von Futterpflanzen beeinflussen Zahnschmelzabrieb von Wirbeltieren

Verschiedene Futterpflanzen reiben den Zahnschmelz von Wirbeltieren unterschiedlich stark ab, was unter andere ...



26.12.2018:
Baum der Schrecken
24.11.2018:
Wenn das Meer blüht
24.11.2018:
Durchsichtige Fliegen
15.11.2018:
Plastik im Fisch
03.10.2018:
Gestresste Pflanzen

13.08.2018:
Wie Vögel lernen
20.07.2018:
Magie im Reagenzglas

18.06.2018:
Primaten in Gefahr
28.05.2018:
Störche im Aufwind
07.05.2018:
Misteln atmen anders

27.03.2018:
Kenne Deinen Fisch!
01.09.2016:
Elefanten im Sinkflug
13.12.2015:
Leben ohne Altern
22.05.2014:
Lebensraum Käse
22.05.2014:
Domino im Urwald
04.04.2014:
Nationalpark Asinara
13.03.2014:
Trend-Hobby Imker
04.09.2013:
Harmloser Terrorvogel
07.02.2013:
Wie Bienen riechen

Newsletter

Neues aus der Forschung